Serie: Aktie unter der Lupe
In Frankreich entsteht ein neuer Luxus-Wert

Obwohl Pinault Printemps Redoute S.A. (PPR) nach dem Kauf von Gucci in einer grundlegenden Neuorientierung steckt, empfiehlt Vorstandschef Serge Weinberg seine Gruppe als krisenfest.

PARIS. "Wir werden in diesem Jahr den Umsatz um 15 % oder mehr steigern und das Betriebsergebnis zu einer ähnlichen Größenordnung kommen", äußerte er kürzlich vor Analysten. Außerdem hofft er auf einen zweistellig wachsenden Reingewinn. Weinbergs Ziel scheint nach den Neunmonatszahlen nicht völlig unrealistisch, auch wenn das dritte Quartal 2001 schon schwächer ausfiel als die beiden zuvor.

So richtete die Investmentbank Merrill Lynch ihren Blick auch in die fernere Zukunft, als sie die Aktie von Neutral auf Kauf hochstufte. Das US-Analystenteam glaubt, dass PPR sehr gute Entwicklungschancen hat, wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt: In diesem Szenario sei mit einem Anstieg des Gewinns je Aktie von 18 % im Jahr 2003 zu rechnen.

Davon ist PPR allerdings noch weit entfernt. Denn die Gruppe ist hoch verschuldet. Erst Ende Oktober zapfte sie mit einer Wandelanleihe den Kapitalmarkt an und drückte damit ihren Aktienkurs. Deren Volumen von 1,2 Mrd. Euro schreckte in Paris niemand, wohl aber der Zeitpunkt. "Keine schlechte Anleihe", meinte ein Makler, "aber es ist die zweite Schuldenemission in vier Monaten." Inzwischen versprach Weinberg eine forcierte Entschuldung, was die Aktie wieder auf rund 150 Euro steigen ließ.

Die Gruppe ist eine Ansammlung von spezialisierten Handelshäusern. Historischer Kern und mit zuletzt bisher größter Umsatzträger ist die Großhandelssparte mit 43,3 % Erlösbeitrag. In ihr findet sich neben kleineren Aktivitäten der Baustoff- und Holzhandel Pinault Bois et Materiaux, mit dem Konzerngründer François Pinault sein Vermögen gemacht hat. Dazu kommt die weltweite Nummer eins beim Vertrieb von Elektroteilen, die börsennotierte Rexel S.A. Diese macht einen erheblichen Teil ihres Geschäfts in den USA und wurde von der Rezession dort mit voller Wucht getroffen. Generell ist das Dollargeschäft von PPR den Analysten der CSFB ein Dorn im Auge. Sie empfehlen, es bei Engagements genau zu beobachten.

Zweitgrößte Sparte ist mit 42 % Umsatzbeitrag der Einzelhandel. Zu ihm gehören zahlreiche bekannte Marken wie das Kaufhaus Printemps am Pariser Boulevard Haussmann.

Die Luxussparte erscheint in der Handelsgruppe wie ein Fremdkörper. Doch ihr Anteil von zuletzt 8,9 % an den Konzernerlösen wird steigen, wenn die Gucci-Beteiligung erst voll konsolidiert wird. Das wird erstmals 2002 ganzjährig so sein. Der Luxusmarkt ist ungeachtet der wirtschaftlichen Flaute langfristig hoch rentabel, was die Kapitalrendite der einzig produzierenden Sparte der Gruppe deutlich über jene der Handelstöchter heben sollte. Allerdings muss Gucci sich erst einen Ruf als nachhaltiger Profitlieferant aufbauen. Das Unternehmen ging Mitte der neunziger Jahre in Amsterdam an die Börse, weil es die Qualitätskriterien in Mailand nicht erfüllte.

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