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Derivate-ABC: Die Cross Margin beim Short Straddle

kjo FRANKFURT/M. Ein Investor rechnet damit, dass die ABC- Aktie in den kommenden zwei Monaten keinen allzu großen Schwankungen unterworfen sein wird. Diese Erwartungshaltung kann der Anleger mithilfe der Kombinationsstrategie des Short Straddle umsetzen. Im Beispielfall notiert die ABC-Aktie mit 200 Euro. Der Anleger verkauft einen Call und einen Put, jeweils mit einem Basispreis von 200 Euro. Für den Call erlöst er 5,35 Euro pro Aktie und für den Put 4,45 Euro je Titel (die Preisangaben beziehen sich auf die Schlussabrechnungspreise). Da ein Optionskontrakt 100 Aktien umfasst, beläuft sich der Erlös für den Call-Kontrakt auf 535 Euro und für den Put-Kontrakt auf 445 Euro (insgesamt: 980 Euro). Da es sich bei dem Short Straddle um Leerverkäufe in Optionen handelt, muss hierfür eine Margin hinterlegt werden. Fällig wird zunächst eine Premium Margin in Höhe der vereinnahmten Prämien (hier: 980 Euro).

Für die bis zum nächsten Tag möglicherweise auftretenden Verlustrisiken ist die so genannte Additional Margin zu hinterlegen. Das Risiko, das der Short Straddle für den Anleger birgt, besteht in kräftigen Kursanstiegen oder Rückschlägen. Bei starken Kursgewinnen der Aktie maximiert der Call seinen Wert. Da der Anleger den Call jedoch verkauft hat, bedeuten diese Kursanstiege für ihn einen Verlust, denn er muss den Call "teurer" zurückkaufen. Der Put verliert im Gegenzug an Wert und kann vom Anleger "billiger" zurückgekauft werden. Dadurch werden die Verluste der Call-Position zu einem Teil ausgeglichen. Entsprechendes gilt für Kursrückschläge.

Über einen Betrachtungszeitraum von einem Tag kann die ABC-Aktie jedoch entweder nur steigen, nur fallen oder exakt auf dem gegenwärtigen Niveau verharren. Per Saldo können Anstieg und Rückschlag also nicht gleichzeitig auftreten. Dies erscheint trivial, ist für die Cross Margin jedoch entscheidend.

Ausgehend von einem sogenannten Margin-Parameter (dieser betrage im vorliegenden Fall 10 Euro), werden für den nächsten Tag Schlussabrechnungspreise projiziert. Dafür werden in einem ersten Schritt mithilfe des Margin-Parameters mögliche Kurse für die betrachtete Aktie zu Grunde gelegt. Sie liegen in diesem Beispiel bei 210 Euro und 190 Euro (aktueller Aktienkurs plus/minus Margin-Parameter von 10; 200 plus 10 und 200 minus 10). Auf der Grundlage der so ermittelten Aktienkurse werden für diese Optionskontrakte theoretische Optionsprämien festgelegt. Der Call wird bei einem Aktienkurs von 210 Euro im Wert deutlich gestiegen sein und vielleicht mit 12,30 Euro pro Aktie notieren. Der Put wird hingegen deutlich verlieren und vielleicht bis auf 1,33 Euro abrutschen. Umgekehrt wird der Call bei einem Rückschlag der ABC-Aktie bis auf 190 Euro vielleicht noch 1,56 Euro wert sein. Der Put klettert jedoch deutlich im Preis und notiert unter Umständen mit 10,84 Euro. Jetzt werden die Glattstellungskosten am folgenden Börsentag zu den genannten Schlussabrechnungspreisen festgestellt. Bei Anstieg der ABC-Aktie auf 210 Euro würden sie insgesamt 13,63 Euro pro Aktie (12,30 + 1,33 Euro, für beide Kontrakte zusammen: 1 363 Euro), bei einem Kursrückgang auf 190 Euro würden sie insgesamt 12,40 Euro je Aktie (1,56 + 10,84 Euro, für beide Kontrakte insgesamt 1 250 Euro) betragen. Zu Grunde gelegt wird wegen des größeren Risikos der höhere Betrag, also hier 1 363 Euro. Da der Anleger jedoch schon 980 Euro an Premium Margin hinterlegt hat, muss er nur noch einen Differenzbetrag in Höhe von 383 (1 363 minus 980) Euro an Additional Margin aufbringen.

Dieses Verfahren bindet offensichtlich weniger Kapital, als wenn Call und Put jeweils separat betrachtet und der jeweils ungünstigste Fall zu Grunde gelegt würde. In jenem Fall müsste der Investor für den Call 12,30 Euro pro Aktie (pro Kontrakt: 1 230 Euro) und für den Put 10,84 Euro pro Titel (pro Kontrakt: 1 084 Euro) an Margin aufbringen. In der Summe ergäbe dies 2 314 Euro. Abzüglich der geleisteten Premium Margin errechnet sich eine Additional Margin von 1 334 Euro (2 314 Euro minus 980 Euro).

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