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Derivate-ABC: Margin-Forderungen bei Kursverlusten

kjo FRANKFURT/M. Der Sinn und Zweck einer Sicherheitsleistung (Margin) besteht darin, die möglichen Verluste von Derivate-Positionen aufzufangen. Dabei geht es um die maximalen Kosten, die innerhalb kurzer Zeit für die umgehende Auflösung (Glattstellung) eines kompletten Portfolios aus Optionen und Futures auftreten können.

Da durch Kursbewegungen des Basiswertes aufgrund des Hebeleffekts von derivativen Finanzinstrumenten schnell gewaltige Gewinne und Verluste entstehen können, passen die Terminbörsen die Sicherheitsleistungen meist täglich an. Bei extremen Preisbewegungen können Margin-Nachschüsse aber auch schon mal noch schneller gefordert werden.

Um das Verlustpotential eines Kontos ungefähr bestimmen zu können, ist es notwendig, die möglichen Preisbewegungen der Derivate für den folgenden Tag zu prognostizieren. An der paneuropäischen Terminbörse European Exchange (Eurex) wird zu diesem Zweck eine sogenannte System-Volatilität ermittelt. Sie orientiert sich einerseits an den historischen Schwankungsbreiten der einzelnen Basiswerte während des Zeitraumes der vergangenen 30 bzw. 250 Tage. Andererseits fließen in die Systemvolatilität Marktprognosen ein. Auf der Grundlage der Volatilität kann ungefähr abgeschätzt werden, in welchem Kursbereich der betreffende Basiswert am folgenden Börsentag voraussichtlich liegen wird.

Auf dieser Basis ließe sich ein Margin-Intervall definieren. Unberücksichtigt ist bis dahin offensichtlich das Risiko von Extrembewegungen. Hierfür wird an der Eurex an sogenannter Risikofaktor zugrundegelegt.

Parameter für Kursbewegungen

Inhaltlich gibt der Risikofaktor an, daß die Preisänderungen auf Tagesbasis innerhalb des ermittelten Intervalls der Margin liegt, und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 %. Der Margin-Parameter stellt das Produkt aus System-Volatilität und System-Risikofaktor dar.

An dem Margin-Parameter läßt sich die maximale Kursbewegung des zugrundeliegenden Titels (Underlying) bis zur nächsten Kalkulation der Margin ablesen. Für jedes einzelne Derivat werden tagtäglich derartige Margin-Parameter errechnet.

Auf der Grundlage der Margin-Parameter können Prognosen hinsichtlich der zu erwartenden Tief- und Höchstkurse der einzelnen Basiswerte projeziert werden. Anders ausgedrückt: für eine Aktie wird zum Beispiel auf Basis der Margin-Parameter abgeschätzt, wie stark der Aktienkurs bis zum nächsten Börsentag voraussichtlich steigen oder fallen kann.

Anhand der auf diese Weise ermittelten Aktienkurse wird anschließend mit Hilfe von mathematischen Modellen (Optionspreismodellen) der theoretisch faire Wert der einzelnen Aktienoptionen errechnet. Dieses Verfahren wird für sämtliche börsen-gelisteten Derivate angewandt. Bei diesem Fair Value handelt es sich bekanntlich um diejenigen Preise, die keinerlei Arbitragetransaktionen mehr zulassen.

Für Privatanleger werden meist jedoch höhere Margin-Forderungen veranschlagt, als eigentlich bei der Börse zu hinterlegen ist. Der Grund dafür liegt darin, daß die einzelne Bank von vornherein einen gewissen finanziellen Puffer für mögliche Nachschuß-Verpflichtungen aufbaut. Erst wenn dieser wieder zu einem bestimmten Grad angekratzt ist, verlangt die Bank von ihrem Kunden einen Nachschuß (Margin-Call), um die Positionen in den Derivaten weiterhin aufrecht erhalten zu können. Kommt der Kunde dieser Verpflichtung nicht nach, kann die Bank die sämtliche Positionen sofort glattstellen.





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