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Derivate-ABC: Sicherheiten müssen hinterlegt werden

kjo FRANKFURT/M. Sicherheit wird an den internationalen Terminbörsen groß geschrieben. Gemeint ist nicht die Sicherheit, die sich durch den Einsatz von Derivaten zwecks Absicherung gegen Kursverluste erreichen läßt. Vielmehr geht es um die Sicherheit des Abschlusses und der Abwicklung von Geschäften mit Optionen und Futures. In den kommenden Folgen des ABC der Derivate sollen die wichtigsten Aspekte der Abwicklung und Sicherheitenleistung bei börsenmäßig organisierten Investments mit Derivaten näher betrachtet werden. Dies geschieht exemplarisch anhand des Clearing- und Margining-Verfahrens der paneuropäischen Terminbörse European Exchange, kurz Eurex.

Die meisten Terminbörsen verfügen heutzutage über eine zentrale Abwicklungsstelle, das sogenannte Clearinghaus. Die Aufgabe dieses Clearinghauses besteht darin, das Risiko des Ausfalls eines Geschäftspartners auf ein Minimum zu reduzieren. Anders ausgedrückt: Das Clearinghaus versucht über Kontroll- und Sicherheitsmechanismen permanent zu gewährleisten, daß Käufer und Verkäufer eines Derivats ihren Verpflichtungen, zum Beispiel Begleichung von Verlusten oder Lieferung des vereinbarten Basiswertes auch jederzeit nachkommen können.

Die Alternative hierzu bestünde darin, daß die beiden Vertragsparteien (Käufer und Verkäufer) sich selbst gegenseitig überwachen, um sicherzustellen, daß der Gegenpart zum Zeitpunkt der Erfüllung des Termingeschäftes auch tatsächlich seine Pflichten erfüllen kann. Dies wird angesichts der monatelangen Laufzeiten der Kontrakte, der Vielzahl der abgeschlossenen Geschäfte und der möglichen enormen Preisschwankungen, die zwischenzeitlich eintreten und infolgedessen entsprechend hohe Gewinne und Verluste nach sich ziehen können, zu einer sehr zeit-, personal- und kostenintensiven Angelegenheit.

Aus diesem Grund heraus erklärt sich die Existenz eines zentralen Clearinghauses. Es tritt in jedes über die entsprechende Börse abgeschlossene Geschäft als Kontraktpartner ein und übernimmt die Überwachung des Gegenparts. Das Clearinghaus stellt für den Käufer eines Derivats den Verkäufer dar und übernimmt beim Verkäufer die Rolle des Käufers. Die tatsächlichen Käufer und Verkäufer sind sich demzufolge gar nicht untereinander bekannt. Dies ist gemeint, wenn von der Anonymität des börslichen Terminhandels die Rede ist.

Das Clearinghaus selbst übernimmt die laufende Überwachung aller offenen Positionen. Anhand bestimmter Kriterien wird ermittelt, welche Risiken die einzelnen Positionen behaften. Gemäß dieses festgestellten Verlustrisikos, das auf die einzelnen Inhaber der Position innerhalb kürzester Zeit zukommen kann, verlangt das Clearinghaus von den Vertragspartnern Sicherheiten, die entweder in Geld oder in Wertpapieren erbracht werden können. Diese Sicherheiten, sogenannte Margins, sollen gewährleisten, daß jeder Kontraktpartner das Verlustrisiko seiner Position tragen kann.

Da die Geschäfte über längere Zeiträume laufen und aufgrund der veränderten Marktbedingungen und Kursbewegungen der zugrundeliegenden Basiswerte zum Teil gewaltige Verluste entstehen können, werden die Risiken täglich neu berechnet und die Sicherheitsleistungen infolgedessen von Tag zu Tag angepaßt. Aus der Existenz dieser Margins und Marginnachschüsse erklärt sich die Hebelwirkung von derivativen Instrumenten. Die absoluten Preisbewegungen des Kontraktes werden in Relation zum betraglich geringeren Einschuß gesetzt, wodurch prozentual höhere Gewinne und Verluste resultieren.





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