Serie
Derivate-ABC: Wie Anleger von Kursdifferenzen profitieren

kjo FRANKFURT/M. Ob Arbitrage lohnend ist oder nicht, läßt sich nicht allein anhand der Kassa- und Terminpreise eines Kapitalmarktproduktes beurteilen. Entscheidend sind die Kosten, die mit der Arbitragetransaktion verbunden sind. In diesem Zusammenhang wird auch von den (Netto-)Finanzierungskosten gesprochen, und diese Kosten sind nicht für alle Marktteilnehmer gleich. Ein Anleger kann vielleicht für 4 % Geld leihen, während ein anderer einen Kredit nur für 6 % bekommt. Entsprechendes gilt für die Renditen. Bei einer Arbitrage hat der Investor also die Kosten der Transaktion und die realisierbare Rendite miteinander zu vergleichen. Für diese Arbitragerendite hat sich der Begriff Implied Repo Rate (implizite Rendite) eingebürgert. Erst anhand eines Vergleichs der Implied Repo Rate und der Kosten der Arbitrage läßt sich die Vorteilhaftigkeit des gesamten Investments beurteilen.

Ein Beispiel für die Arbitrage zwischen Kassa-Dax und Dax-Future: Im März notiert der Dax im Kassahandel mit 5 100 Punkten. Am Geldmarkt kann Kapital für drei Monate zum Zinssatz von 4 % geliehen werden. Aus diesen Angaben läßt sich der theoretisch richtige Wert (Fair Value) des Dax-Futures mit einer Restlaufzeit von drei Monaten (also Verfalltermin Juni) errechnen. Er liegt bei 5 151 (5 100 + (5 100 x 0,04 x 3/12)). Der Juni-Dax-Future wird am Terminmarkt jedoch zum tatsächlichen Kurs von 5 185 gehandelt. Offensichtlich weichen tatsächlicher und fairer Wert des Dax-Terminkontraktes voneinander ab, wodurch sich Arbitragemöglichkeiten eröffnen. Der Anleger muß ermitteln, welche Rendite sich etwa bei einem Kauf des Dax-Portfolios am Kassamarkt und dem zeitgleichen Verkauf des Dax-Portfolios am Terminmarkt – über den Future – ergeben würde.

Hierfür ist zunächst die Basis zu bestimmen. Sie stellt die Differenz zwischen tatsächlichem Future-Preis und dem Kassa-Dax dar. Im vorliegenden Fall beträgt die Basis 85 Punkte (Dax-Future minus Kassa-Dax = 5 185 - 5 100 = 85 Punkte). Die tatsächliche Basis liegt also 35 Punkte (85 minus 51) über der Basis, die sich aus dem theoretisch richtigen Future-Kurs errechnen würde (Fair Value des Futures minus Kassa-Dax = 5 151 - 5 100 = 51). Der Future ist demnach nicht richtig bewertet. Die Implied Repo Rate ermittelt man wie folgt: Implied Repo Rate = (Basis / Kapitaleinsatz für Kassatransaktion) x (360 / Restlaufzeit in Tagen) x 100. Der Kapitaleinsatz für die Kassatransaktion wird errechnet, indem der Kassastand des Dax mit dem Kontraktwert des Dax-Futures multipliziert wird (Kontraktwert des Dax-Futures: 25 ‚ je Indexpunkt). Der Kapitaleinsatz liegt bei 127 500 ‚ (5 100 x 25 ‚). Die Basis beträgt 85 Indexpunkte und ist ebenfalls mit dem Kontraktmultiplikator des Dax-Futures von 25 ‚ je Indexpunkt zu multiplizieren. Für die Basis errechnet sich ein Wert von 2 125 ‚ (85 x 25 ‚).

Die gesamte Transaktion wird über einen Zeitraum von drei Monaten (90 Tagen) durchgeführt. Durch Einsetzen dieser Daten in die obige Formel der Implied Repo Rate läßt sich die Rendite der Arbitrage ermitteln: (2 125 ‚ / 127 500 ‚) x (360 / 90) x 100 = 6,67 %. Wie ist die Rendite von 6,67 % zu interpretieren? Bei der Transaktion handelt es sich um eine Cash-and-Carry-Arbitrage, die folgendermaßen abläuft: Der Anleger kauft das Dax-Portfolio am Kassamarkt. Dies wird in der Formel durch den Kapitaleinsatz für die Kassatransaktion reflektiert. Zeitgleich verkauft er das am Kassamarkt erworbene Dax-Portefeuille per Termin, also über eine Short-Position im Future. Diese beiden Größen werden ins Verhältnis zueinander gesetzt: Basis / Kapitaleinsatz für Kassatransaktion.

Um eine relative Größe in Form einer Rendite zu erhalten, ist der Wert auf die betrachtete Restlaufzeit zu beziehen und mit 100 zu multiplizieren. Der Anleger kann demnach eine Rendite von 6,67 % erzielen. Diese Rendite liegt offensichtlich über den Kosten der gesamten Arbitragetransaktion. Denn der relevante Zinssatz für eine dreimonatige Finanzierung über den Geldmarkt liegt in diesem Fall bei 4 %. Je höher der Fremdfinanzierungssatz ausfällt, desto geringer wird die Rendite der Cash-and-Carry-Arbitrage. Sofern der Geldmarktsatz bei exakt 6,67 % steht, erbringt die Arbitrage keinen Profit mehr.





Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%