Serie
Derivate-ABC: Wie ein Optionsschein abgesichert wird

Die Anbieter von Optionsscheinen sichern sich ihrerseits wiederum gegenüber Risiken des neuen Produktes ab. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Liquidität des Basiswertes. Experten geben einen Einblick in das laufende Hedging eines Optionsscheines.

kjo FRANKFURT/M. Wenn ein Warrant vom Emittenten erst einmal auf den Markt gebracht worden ist, fängt auf seiten des Emissionshauses eine ganz andere Arbeit an: Das Hedging. Die Produktanbieter sichern sich ihrerseits wiederum gegen ungünstige Preisbewegungen ihres neuen Produktes ab. Die beiden Warrant-Experten von Warburg Dillon Read, Holger Bosse, Leiter Marketing Optionsscheine und Volker Greve, Leiter des Aktienoptionsscheinhandels, erläutern die einzelnen Maßnahmen der Absicherung: "Von entscheidender Bedeutung ist zweifelsohne die Liquidität des Basiswertes. Sie spielt auch schon im Vorfeld - also bei der Konstruktion des neuen Scheins - eine wichtige Rolle", erklärt Greve. Zu berücksichtigen sei zunächst einmal, welche Ordergrößen zwecks Absicherung auf Xetra umsetzbar seien. "Bei einem einfachen Call-Warrant auf die Daimler-Chrysler-Aktie können wir mit einem Auftrag schon 10 000 Aktien zu einem einheitlichen Preis über Xetra ordern. Bei anderen Titeln sind es pro Auftrag und Kurs manchmal nur 1000 bis 2000 Stück oder weniger.

Das laufende Hedging der Warrants erfolgt bei den allen Produktvariationen anhand von Sensitivitätskennzahlen. Im Mittelpunkt steht in diesem Zusammenhang das sogenannte Delta. Diese Kennzahl gibt in absoluter Hinsicht an, um wie viele Geldeinheiten der Kurs eines Warrant sich verändert, wenn der Kurs des Basiswertes um 1 Euro steigt oder fällt. "Diese Variante des Hedging wenden wir für Plain-Vanilla-Produkte an, hierbei handelt es sich zum Beispiel um einfache Call- oder Put Warrants". Das Delta eines Scheins ist jedoch nicht konstant, sondern kann aufgrund des Zeitablaufes und / oder der Kursbewegungen des Basiswertes selbst wiederum schwanken. Somit kann sich für den Emittenten im Rahmen dieses Delta-Hedging natürlich ein täglicher Anpassungsbedarf aufgrund variierender Delta-Werte ergeben. Soll ein bestimmter Delta-Wert erhalten werden, müssen die Positionen nicht nur laufend überwacht, sondern auch durch entsprechende Transaktionen adjustiert werden. "Tägliches Anpassen ist natürlich sehr kostenintensiv", so Bosse. Wichtig sei, zu welchen Kursen das Hedging betrieben würde. Der einzelne Händler bildet sich ausgehend von der gegenwärtigen Verfassung des Marktes ein Urteil über das mögliche Spektrum der Kursschwankungsbreiten des jeweiligen Basiswertes. Das Geschick und die Kompetenz des Händlers bei der Umsetzung der Hedging-Aktivitäten entscheidet maßgeblich, wieviel der Emittent letztendlich an dem Warrant verdient.

Wesentlicher Einflussfaktor für den Preis eines Derivats ist die Schwankungsbreite des Basiswertkurses. Aus ihr lässt sich ableiten, wie groß eigentlich die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Anleger mit einem Warrant in die Gewinnzone gelangt. Auch die Einflüsse der Volatilität lassen sich im Rahmen der Absicherung berücksichtigen. Dies geschieht über die Sensitivitätskennzahl Vega, die die absolute Veränderung des Warrant-Kurses angibt, sofern sich die Volatilität um einen Prozentpunkt ändert.

Eine ausschließliche Konzentration auf den Delta-Wert erfolgt bei Derivaten, bei denen zwischen begebenem Produkt und Hedging-Instrument ein vollständiger Gleichlauf der Preise bewerkstelligt werden kann. Dies entspricht einem Delta von eins. So ließe sich beispielsweise bei einem Schein auf den Dax über den Kassamarkt das entsprechende Dax-Portfolio nachbilden. Alternativ ist der Kauf von Dax-Futures in Betracht zu ziehen. Die Volatilität sei dann nicht mehr Gegenstand der Hedging-Aktivitäten.

Das Interesse der Privatanlegerschaft für Warrants fällt von Schein zu Schein unterschiedlich aus. Während manche Scheine zum Beispiel aufgrund mittlerweile als marktfern einzustufender Basispreise ein Schattendasein führen, ist in anderen Produkten ein reges Handelsinteresse zu beobachten. Dies lässt sich an den gehandelten Prämienvolumina ablesen, die von Null bis 7 Mill. Euro pro Tag reichen. Bosse bringt es auf eine schlichte Formel: "Je einfacher das Produkt strukturiert ist, je näher sich die Kontraktspezifikationen am aktuellen Niveau des betreffenden Basiswertes bewegen und je bekannter der Basiswert ist, desto größer die Anziehungskraft für den Anleger".

Vergleichsweise groß sind auch Preisspreads für einen Warrant. Hierunter wird die Spanne der Kurse verstanden, zu denen ein Anleger den betreffenden Schein kaufen oder verkaufen kann. Je nach Produkt reicht diese Bandbreite hier von 5 bis 50 Basispunkten.

"Der Spread spiegelt den Grad der Liquidität des Basiswertes wider. Je illiquider die zugrundeliegende Aktie zum Beispiel ist, desto größer sind einerseits die Geld-/Brief-spannen für die betreffende Aktie und andererseits die Spreads für den jeweiligen Schein", führt Greve aus. Der Spread würde nur zu einem Teil helfen, die Kosten für das Hedging zu decken.

Lange bleiben die Optionsscheinanleger jedoch nicht in den erworbenen Produkten investiert. "Die Erfahrungswerte unterschiedlicher Depotbanken zeigen, dass ein Portfolio aus Optionsscheinen durchschnittlich eine Umschichtungshäufigkeit von 18 bis 24 Mal pro Jahr erreicht.

Damit bleibt der Anleger im Schnitt nur zwei bis drei Wochen in einem Titel investiert", hält Bosse fest. Danach würden die Anleger auf veränderte Marktbedingungen reagieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%