Serie: Die Deutschland AG in drei Jahren (III) – Linklaters Oppenhoff & Rädler erwartet Vormarsch von Private-Equity-Fonds
Deutschland wird für Investoren attraktiver

In drei Jahren ist die Deutschland AG zum Umbau eingerüstet, aber noch nicht umgebaut. Auch mittelständische Familienunternehmen müssen sich dem Wandel stellen. Eine Übernahmewelle bleibt aus.

FRANKFURT/M. Die Steuerbefreiung auf Veräußerungsgewinne fördert den Abbau der historisch gewachsenen Industriebeteiligungen und Überkreuzbeteiligungen - vor allem der Finanzinstitute. Sie wird Deutschland als Investitionsstandort deutlich attraktiver machen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft deutlich stärken.

Zwar werden wir in den kommenden drei Jahren keine Übernahmewelle erleben - da stehen weiterhin die deutsche Konsenskultur und die starren Regeln des deutschen Arbeitsrechts vor, die insbesondere von ausländischen Investoren als Hürden empfunden werden. Doch ist eindeutig, dass die Zahl der ausländischen Investitionen in Deutschland zunehmen wird. Umgekehrt gewinnen auch deutsche Unternehmen - von nicht-strategischen Beteiligungen befreit - als weltweit operierende Investoren an Bedeutung.

Beteiligungen mit erheblichen stillen Reserven, die bisher steuerneutral nicht bewegt werden konnten, sind auf Grund der Steuerreform ab dem 1. Januar 2002 - unter bestimmten Bedingungen bereits früher - steuerfrei veräußerbar oder als Tauschobjekte nutzbar. Das wird die Unternehmenskultur in Deutschland stark in Richtung Shareholder Value verändern. Historisch gewachsene Beteiligungsnetzwerke werden entflochten, was den Kapitalmarkt positiv beeinflusst. Das begünstigt Übernahmen - freundliche wie feindliche.

Auch das neue Übernahmegesetz wird dieser Entwicklung nicht im Wege stehen: Die von der Regierung erlaubten "poison pills" sind für die sie anwendenden Unternehmen selbst schwer zu schlucken, und auch defensive Kapitalmaßnahmen schrecken einen entschlossenen Übernehmer ("raider") nicht ab.

Die anglo-amerikanisch geprägte Equitykultur wird sich in Deutschland durchsetzen. Deutsche und ausländische Beteiligungsfonds (private equity) sind weiter auf dem Vormarsch. Sie erwerben bereits heute milliardenschwere Beteiligungen (durch so genannte leveraged Transaktionen). Dieser Trend wird sich fortsetzen. Einen ähnlich positiven Einfluss üben Venture-Capital-Gesellschaften aus. Die zunehmende Beteiligung des Managements schafft einen neuen Mittelstand.

Gleichzeitig wird Deutschland attraktiver Holdingstandort für ausländische Investoren. Grund dafür ist das traditionell gute Netz von Doppelbesteuerungsabkommen und die Abschaffung des körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahrens. Bisher notwendige komplizierte Strukturen oder Techniken zur Beseitigung steuerlicher Nachteile für Ausländer werden überflüssig.

Sind solche Entwicklungen noch recht klar zu erkennen, ist es schwieriger, die Entwicklung des Kapitalmarktes vorauszusagen, nachdem die Turbulenzen insbesondere am Neuen Markt für Ernüchterung gesorgt haben. Die Zahl der Börsengänge und Kapitalerhöhungen wird aber wieder steigen, insbesondere wenn das Börsenreglement für den Neuen Markt weiter verschärft und an internationale Standards angeglichen wird.

Im Jahre 2004 wird sich das Klima an deutschen Börsen deutlich verbessert haben. Die ersten deutschen Pensionsfonds sind bereits heute etabliert. Diese Entwicklung und die Lockerung der Anlageinvestitionen für institutionelle Anleger werden die Equitykultur nachhaltig günstig beeinflussen.

Am schwierigsten vorauszusehen ist wohl die Zukunft der Deutschland GmbH & Co KG - des Mittelstands. Mittelständische Unternehmen aller Rechtsformen machen 90 Prozent der in Deutschland tätigen Unternehmen aus. Sie sind in der Regel flexibel, innovativ und profitabel. Dies wird durch Steuerreformvorhaben wie etwa neue Reinvestitionsrücklagen gefördert.

Gleichzeitig stehen sie vor besonderen Herausforderungen: Die Nachfolgefrage ist vielfach ungelöst, die grenzüberschreitende Expansion hat gerade erst begonnen. Die Unternehmen, oft in langer Familientradition und stark personenbezogen, werden verstärkt mit ausländischen Unternehmen kooperieren und möglicherweise auch Private-Equity-Kapital aufnehmen müssen, wenn sie die Führung im eigenen Haus nicht verlieren wollen. Gerade diese Form der Kooperation ist auch für ausländische Unternehmen steuerlich sehr attraktiv geworden. Börsengänge bieten sich als Alternative bei der derzeitigen Marktlage vorerst nicht an.

Mit dem großen Umbau der Deutschland AG ist also (zunächst) nicht zu rechnen. Nationale Strukturen wie Überkreuzbeteiligungen werden bis 2004 allerdings zumindest aufgelockert, wenn nicht gar entflochten sein. Regulativ, unternehmensstrategisch und mental wird die Deutschland AG 2004 eingerüstet sein - auf diesem Gerüst wird der Umbau der Deutschland AG im nächsten Wirtschaftsaufschwung stattfinden. Verstärken wird sich dieser Trend durch Pensionsfonds und deren Anlagen in börsennotierten Unternehmen - eine große Chance für die nächste Welle von Innovation und Wachstum.

Dr. Rudolf F. Cölle ist German Senior Partner der Anwaltssozietät Linklaters Oppenhoff & Rädler.

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