Serie: Die großen Indizes
Analysten setzen auf die Gewinner

Geht es nach den Investmenthäusern, dann lohnt es nicht, auf die bisherigen Verlierer in der ersten deutschen Börsenliga zu setzen. Unternehmen wie Epcos, Infineon und der arg gebeutelten Telekom werden kaum Chancen für einen Turnaround eingeräumt. Dagegen fallen die Beurteilungen für die Halbjahresgewinner gut aus.

DÜSSELDORF. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kommt nicht auf die Beine. Jeder Erholungsversuch erstickt, weil immer neue Hiobsbotschaften die Kurse herunter ziehen. Gestern erwischte es Infineon. Nach der Gewinnwarnung brach die Aktie des Chipherstellers über 15 % ein. Damit rutschte das Unternehmen in der Dax-Halbjahresbilanz auf den viertletzten Tabellenplatz. Ebenso düster wie der konzerneigene Ausblick fallen die Prognosen der Analysten aus. Kaum jemand rechnet mit einer raschen Erholung. Lediglich Merck Finck prüft, die Aktie nach dem Einbruch auf "Kauf" hochzustufen.

Doch es gibt auch Gewinner in der Baisse. Mit einem Plus von 33 % schlägt SAP alle 29 übrigen Unternehmen. Angesichts des Kursverfalls fast aller Wachstumsaktien und einer Dax-Performance von minus 9 % seit Jahresbeginn wiegt das Plus noch höher. Die meisten Analysten sind überzeugt, dass es SAP gelingt, seine Dominanz bei Unternehmenssoftware-Applikationen auch auf das Internet zu übertragen und eine wichtige Rolle beim Ausbau der "New Economy" zu spielen. Nach Meinung der Deutschen Bank profitieren die Walldorfer vom schwachen Einfluss der Wirtschaft auf die Wettbewerber. Mit einem Kursziel von 205 Euro haben die Analysten den Wert zum Kauf hochgestuft. Das ergibt noch Potenzial von 25 %. Die Berenberg Bank veranschlagt 185 Euro und hebt hervor, dass SAP über die breiteste Kundenbasis verfügt.



Positiv sind auch die Meinungen für Daimler-Chrysler. Erst gestern verkündete Finanzvorstand Manfred Gentz, dass der Konzern bei der Restrukturierung der angeschlagenen Chrysler-Sparte besser als geplant voran kommt und der Verlust geringer als veranschlagt ausfallen könnte. Sal. Oppenheim sieht den fairen Wert bei 59 Euro - 15 % über dem derzeitigen Niveau.



Gute Urteile erhalten auch die übrigen Dax-Gewinner BMW, Schering und die Dresdner-Bank. Bei der Bankaktie raten Analysten zur Annahme des Übernahmeangebotes durch die Allianz und damit zum Tausch in die Versicherungspapiere. Schering profitiert von seiner breiten Produktpalette. Hohe Umsätze mit der Verhütungspille Yasmin verleihen dem Kurs Auftrieb. "Wenn Yasmin gut läuft, können in Europa und in den USA die Umsätze 250 Mill. Euro übertreffen", meint Andreas Schmidt von Merrill Lynch. Er empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 70 Euro zum Kauf.



Meist schlecht sind dagegen die Aussichten für die Dax-Verlierer. Epcos leidet nach Meinung der Experten unter Auftragsstornierungen für elektronische Bauelemente. Kaum Potenzial sehen Analysten auch für den Kurs der Deutschen Lufthansa, der nach der Gewinnwarnung den Rückwärtsgang einlegte. Die Kosten aus dem Pilotenstreik und den angehobenen Gehältern belasten zusätzlich. Commerzbank Securities rät, Lufthansa-Aktien aus dem Depot zu "reduzieren".



Auseinander gehen die Meinungen über die T-Aktie. Seit dem Hoch vom 6. März 2000 verlor der Kurs über 75 %. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis von 60 für Ende dieses Jahres ist der Titel im Vergleich zu den Konkurrenten überbewertet. Hohe Schulden und der teure UMTS-Netzaufbau belasten. Doch die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream birgt Phantasie, meint die Berenberg-Bank. Die Telekom erhält dadurch Zugang zu einem riesigen Mobilfunkmarkt.

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