Serie: Ihr persönlicher Karriereberater
Ängstliche Vorgesetzte beurteilen oft zu mittelmäßig

Zeugnisse spielen eine entscheidende Rolle, wenn Bewerber ausgewählt und eingeladen werden. Deshalb ist oberster Zeugnisgrundsatz die Wahrheitspflicht.

DÜSSELDORF. Zeugnisse sollen zwar wohlwollend formuliert werden und das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers nicht unnötig erschweren, dürfen aber nicht lügen. Beim Zeugnistext dominiert die freie Beurteilung ohne systematische Vorgaben. Dass Sie als Führungskraft oft an der Formulierung Ihres eigenen Zeugnisses beteiligt werden, sollten Sie nutzen.

Arbeitszeugnisse sind verschiedenen Fehlerquellen ausgesetzt. Zum Beispiel sind erhebliche Beobachtungsfehler möglich, wenn die Zeugnisaussteller den Mitarbeiter kaum kennen. Drängen Sie deshalb darauf, dass Ihr Zeugnis nicht allein von der Personalabteilung und schon gar nicht von einem Vorgesetzten erstellt wird, der erst seit kurzem im Unternehmen ist.

Ängstliche Vorgesetzte beurteilen in der Tendenz mittelmäßig, andere übertrieben streng oder zu milde. Manchmal strahlt eine mittelmäßige Leistungs- auf die Verhaltensbeurteilung aus, obwohl das Verhalten einwandfrei war. Hierarchieeffekt nennt man es, wenn Zeugnisse umso besser werden, je höher der Arbeitnehmer rangiert. Fehler werden übrigens bewusst eingebaut, wenn der Aussteller abweichend von seinem persönlichen Urteil ein zu gutes oder zu schlechtes Zeugnis ausstellt, um Streit zu vermeiden. Sie entstehen aber auch, wenn der Arbeitgeber ein vom Arbeitnehmer selbst geschriebenes Zeugnis unbesehen unterschreibt. Formulierungsfehler schließlich können auch aus einer schwachen Sprachkompetenz und aus mangelnder Kenntnis der Zeugnistechnik und Zeugnissprache resultieren. Achten Sie darauf, dass Ihr Zeugnis nicht allein von einer Sekretärin oder einem Sachbearbeiter erstellt wird.

Auch Zeugnisleser können Fehler machen. Sie lesen das Zeugnis nur diagonal und nicht sorgfältig. Mangelhafte Kenntnis der Zeugnissprache führt zu falschen Analysen - besonders, weil es keine wirklich einheitliche Zeugnissprache gibt. Das sorgt für zusätzliche Missverständnisse. Bewertungsfehler treten auch auf, wenn korrekte Zeugnisinformationen zu streng oder zu milde beurteilt werden.

Sollten Sie also auf Zeugnisse verzichten? Nein! Gute Zeugnisse werben für Sie. Fehlende Zeugnisse lassen bei Arbeitgebern die Alarmglocken schrillen. Was sollte ein Arbeitnehmer also beachten? Die Zeugnisart: Lassen Sie sich ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen, da Zeugnisse ohne Beurteilung den Verdacht erregen, das Arbeitsverhältnis sei ein Misserfolg gewesen.

Zeugnisumfang: Ein informatives Zeugnis erfordert einen Mindestumfang, weniger als eine Dreiviertel Seite mit Standardfloskeln qualifizieren ab. Zeugnisse mit mehr als zwei Seiten überfordern die Leser. Auch kommt der Verdacht auf, der Arbeitnehmer habe das Zeugnis selbst formuliert.

Zeitbasis: Der Informationswert eines Zeugnisses hängt von der Dauer des Arbeitsverhältnisses ab. Bei anspruchsvollen Positionen kann die Einarbeitung ein Jahr dauern. Vier sehr gute Zeugnisse eines Jophoppers, der jeweils nur ein Jahr in den Unternehmen arbeitete, sind nicht werbewirksam.

Aufgabenbeschreibung: Die Positions- und Aufgabenbeschreibung informiert über Ihre Berufserfahrung. Der Wahrheitsgehalt dieser Zeilen ist relativ hoch, da Fakten aufgelistet werden. Zeigt die Positionsbeschreibung glaubwürdig Kompetenz-Zuwachs oder Beförderungen, offenbart schon dies eine gute Beurteilung. Lassen Sie rund fünf bis zehn Aufgaben tabellarisch darstellen. Die wichtigen Aufgaben gehören an den Anfang. Lassen Sie auch Angaben zu Ihren Kompetenzen und zu Ihrer Verantwortung aufnehmen.

Leistungsbeurteilung: Die "stets vollste Zufriedenheit" macht noch kein sehr gutes Zeugnis aus. Es muss konkret und differenziert auf Motivation, Fähigkeiten, Wissen, Weiterbildung, Arbeitsstil und Erfolge eingehen. Bei leitenden Positionen außerdem auf die Führungsqualifikation. Die Zufriedenheitsformel muss zum Kontext passen. Die Formulierung "Herr X war stets intensiv bestrebt, die gesetzten Ziele zu übertreffen. Wir bestätigen ihm daher gerne, dass er stets zu unserer vollsten Zufriedenheit gearbeitet hat" verdient höchstens die Note 3 - 4. Der Arbeitnehmer strebte nur. Außerdem signalisiert das Wort "bestätigen", dass er die Formulierung verlangt hat.

Sozialverhalten: Das Zeugnis muss Ihr Verhalten gegenüber Kunden, Vorgesetzten und Kollegen beurteilen, am besten in dieser Reihenfolge. Wichtig sind auch Teamfähigkeit, Durchsetzungs-, Überzeugungsvermögen, Verhandlungsstärke, Loyalität und Vertrauenswürdigkeit.

Beendigungsformel: Die beste Formel lautet "verlässt uns auf eigenen Wunsch". Begründungen für das Vertragsende dürfen nur aufgenommen werden, wenn Sie zustimmen. Dank, Bedauern und Zukunftswünsche gehören zu einem guten Zeugnis. Das Bundesarbeitsgericht hat in diesem Jahr entschieden, dass sie nicht mehr erzwungen werden können. Das steigert ihr Gewicht. Insbesondere deutet ein Fehlen dieser Zukunftswünsche auf ein schwer gestörtes Verhältnis zum Arbeitgeber hin.

Ein Trost: Ein Zeugnis wird als Ganzes gewertet. Eine einzelne ungeschickte Formulierung erzeugt noch kein negatives Zeugnis. Erst wenn sich zweideutige Formulierungen häufen, muss der neue Arbeitgeber annehmen, dass das kein Zufall ist.

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