Serie: Optionen und Optionsscheine
Auch Anbieter sichern sich ab

Seit eineinhalb Jahren nun geht es mit den Aktienkursen bergab. Dennoch erwerben Optionsschein-Anleger noch immer mehr Calls (Kaufoptionsscheine) als Puts (Verkaufsoptionsscheine). Auf 81 Call-Scheine auf einzelne Aktien kommen nur 19 Puts, wie aus einer aktuellen Statistik der Citibank hervorgeht. Insgesamt wurden im August 489 Puts und 2291 Calls von der Citibank emittiert.

7.9.2001 FRANKFURT/M. Calls werden einfach stärker nachgefragt , erklärte Christine Dillinger, Leiterin des Optionsscheinhandels bei BNP Paribas. Dabei handele es sich um einen rein psychologischen Effekt. Investoren seien grundsätzlich optimistisch eingestellt und kauften lieber, wenn sie mit steigenden Kursen rechneten. Emittent spekuliert mit dem Kunden.

Bei vielen Anlegern drängt sich hingegen der Verdacht auf, die Banken emittierten nur deshalb mehr Calls als Puts, um dann bei fallenden Kursen Geld zu verdienen. Gerade das stimmt aber nicht im Gegenteil, der Optionsscheinanbieter spekuliert sogar mit dem Kunden und nicht gegen ihn , äußerte sich Dirk Heß, Experte für Optionsscheine (Warrants) bei der Citibank. Sein Haus ist nach Angaben der Optionsscheinbörse Euwax in Stuttgart mit einem Anteil von 52,6%gemessen an den Umsätzen der größte Euwax-Emittent auf dem Warrantmarkt gefolgt von BNP Paribas (9,5%)und der Deutschen Bank (6,3%). Wenn wir Calls nur in der Hoffnung auf fallende Kurse verkaufen würden, wäre unser Risiko bei den eingegangenen Positionen nicht zu übersehen und dadurch sehr riskant , erläuterte Heß.

Dann müssten außerdem in Frankfurt mittlerweile alle Bankentürme vergoldet sein, so wie die Märkte gefallen sind , ergänzte Ralf Wandmacher von der Deutschen Bank auf einem Seminar für Privatanleger in Frankfurt. Zudem gebe es gesetzliche Beschränkungen, die eine solche Handlungsweise gar nicht zuließen. Die Kunst ist, das Risiko rauszuhalten , bemerkte Wandmacher. Die Profis sichern sich daher ab. Dafür gibt es den Delta-Hedge, den Gamma-Hedge und den Vega-Hedge. Diese Strategien werden oft miteinander kombiniert. Beim Delta-Hedge erwirbt die Bank die entsprechenden Aktien an der Börse.

Ein Beispiel: Ein Kunde kauft 100000 Siemens-Calls mit einem Bezugsverhältnis von 10 zu 1 und einem Delta von 0,50. Das Delta gibt die Veränderung des Optionswertes an, wenn sich der zu Grunde liegende Aktienkurs verändert. Das entspricht einem Aktien-Äquivalent von (100000/10) mal 0,50 gleich 5000 Siemens-Aktien. Die Bank unterliegt also dem Risiko der Kursveränderung von 5000 Siemens-Aktien. Steigt der Siemens-Kurs nun, steigt auch der Kurs des Calls. Auf den ersten Blick ergibt sich ein Verlust für den Emittenten, gegen den er die entsprechende Aktienposition hält. Bei steigenden Kursen erhöht sich das Delta, die Bank müsste weiter nachkaufen. Bei fallenden Kursen verringert es sich. Auf die Dauer wird diese Absicherung sehr zeit- und kostenintensiv.

Als Alternative bietet sich der Gamma-Hedge an, bei dem über Optionen und Futures abgesichert wird. Diese Instrumente werden an der Eurex oder dem Handel unter institutionellen Marktteilnehmern gehandelt. Für die Absicherung der Schwankungsbreite, die neben Delta und Gamma den Optionspreis bestimmt, greifen die Profis bei dem so genannten Vega-Hedge ebenfalls zu Optionen. Hohe Schwankungen erhöhen die Preise der Optionsscheine und umgekehrt.

Banken bilden Position des Kunden nach

Um dauerhaft die offenen Positionen abzusichern, versuchen die Händler der Emissionsbank die Aktienposition abzubauen und einen Tausch in eine Optionsposition vorzunehmen, die ihr Risikoportfolio bestmöglich abdeckt, erklärte Heß. Verkauft ein Kunde seine Optionsscheine, löst auch die Bank ihre Absicherungsposition auf. Sie bildet den Gewinn oder den Verlust des Kunden mit der eigenen Position also nach. Ob Calls oder Puts verkauft werden, ist uns deshalb egal , sagte Dillinger. Um Gewinne zu machen, sichert sich das Emissionshaus günstiger ab, als es vorher die Position mit dem Kunden eingegangen ist. Diese Marge ist unsere Einnahmequelle , erklärte Heß.

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