Serie: Optionen und Optionsscheine
Rohstoff-Warrants sind Stiefkinder der Börse

Rohstoff-Warrants finden am Optionsschein-Markt kein großes Interesse. Nur rund ein Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf dieses Segment. Fast alle Banken bieten Gold- und Silber-Warrants an. Mit neuen Rohöl-Warrants besteht jetzt die Möglichkeit, den Preistrend am Energiemarkt "zu spielen".

31.7.2001 FRANKFURT/M. Das Produktangebot der Emissionshäuser am deutschen Markt für Optionsscheine konzentriert sich im wesentlichen auf Aktien-, Index-, Zins- und Devisen-Warrants. Die sehr kurze Liste der Rohstoff-Scheine ist bislang auf die Edelmetalle Gold und Silber sowie auf Rohöl begrenzt. Das Interesse der Anleger an Rohstoff-Warrants ist gering, obwohl gerade der Energiemarkt in den vergangenen Jahren mit erheblichen Preisfluktuationen aufwartete.

Im Zeitraum von Ende 1998 bis Ende 2000 war der Rohölpreis von 10 Dollar je Barrel auf beinahe 40 Dollarin die Höhe geschossen. Diese exorbitante Preisveränderung stellte eine große Herausforderung nicht nur für die Spekulation an den Terminbörsen in London und New York, sondern für die gesamte Weltwirtschaft dar. Die Situation wurde für die Rohölimportländer außerhalb der USAnoch verschärft, weil sich der US-Dollar - jene Währung, in der die meisten Rohstoffe auf den Weltmärkten gehandelt werden - in diesem Zeitraum von einer starken Seite gezeigt hatte, was den Ölimport zusätzlich verteuerte. Spekulations- und Preissicherungs-Transaktionen bei Rohöl sind theoretisch auch über Warrants möglich. Das Interesse an diesen Produkten ist jedoch eher gering. Von den am deutschen Optionsscheinmarkt aktiven Emissionsbanken hat lediglich die Société Générale seit Jahren Rohöl-Warrants in ihrem Angebot. Die Bank hat in den vergangenen Tagen ihre bestehende Palette mit neuen Serien auf Brent-Rohöl erweitert. "Der Anleger hat die Möglichkeit, mit diesen interessanten Produkten seine eigene persönliche Einschätzung zum Rohölpreis mit Warrants umzusetzene", sagt Warrant-Expertin Ester Benamou von Société Générale.

Die Rohstoff-Analysten dieses Hauses gehen davon aus, dass der Brent-Rohölpreis in diesem Jahr bei durchschnittlich 26 Dollar liegen und im Jahr 2002 auf 23,50 Dollarje Barrel sinken wird. Bei anderen Emissionshäusern sieht man das Thema Energie-Warrants eher zurückhaltend. "Wir richten unsere Produktpalette auf die Bedürfnisse unserer Kunden aus", sagt Thorsten Michalik von der Deutschen Bank. Das Interesse an Optionsscheinen auf Rohstoffe sei allgemein sehr gering. "Auf die hier zu Lande in Rohstoff-Optionsscheinen getätigten Umsätze entfällt noch nicht einmal 1 % des gesamten deutschen Warrant-Umsatzes", begründet Michalik das in dieser Hinsicht fehlende Engagement seines Hauses.

"Die Produkte sind weder von Seiten der Anleger, noch von den Unternehmen der Wirtschaft gefragt", sagt er. Es sei zwar durchaus richtig, dass sich Preisrisiken bei Rohstoffen mit entsprechenden Verkaufs- Optionsscheinen (Put-Warrants) absichern lassen. Allerdings würden Warrants als Kurssicherungs-Instrumente in der Regel nur selten genutzt. "Nur rund 5 % der am deutschen Markt umgesetzten Scheine entfallen auf Verkaufs-Optionsscheine", sagt Michalik.

Esther Benamou betont zwar ausdrücklich, dass der Warrant-Nutzer die von dieser Bank jetzt emittierten Produkte (Calls und Puts auf Brent-Rohöl mit Fälligkeiten im Dezember 2001 und März 2002 und Basispreisen zwischen 19 Dollar und 29 Dollar je Barrel) auch für Zwecke der Preissicherung einsetzen kann. Allerdings habe die Vergangenheit gezeigt, dass Käufer dieser Rohöl-Optionsscheine vor allem die spekulativ eingestellten Anleger seien, die Calls und Puts kaufen, um aus einer nach oben oder unten gerichteten Preisbewegung des Rohölmarktes Nutzen zu ziehen. "Vom Handel her gibt es zwischen Aktien- und Rohstoff-Warrants keine Unterschiede", sagt Kai Schmidt von UBS Warburg. Das Interesse an Gold-, Silber- und Rohöl sei eng mit den aktuellen Preistrends und Ereignissen dieser Märkte verbunden.

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