Serie: Urlaub und Beruf
Allzeit bereit

Theoretisch ist fast alles möglich: Im afrikanischen Dschungel per Handy die Oma anrufen, Geschäfts-Mails vom Segelboot auf dem Atlantik abfragen, den Kursverfall des Dax in den spanischen Pyrenäen verfolgen. Surfen, chatten, überall erreichbar sein: So einfach wie so mancher Werbespot es vorspielt, geht das in der Praxis aber nicht.

"Am besten informiert man sich schon vor dem Urlaub, wie Handy und Laptop in der Fremde funktionieren" sagt Kai Petzke vom Verbraucherdienst Teltarif. Technisch wenig Probleme bereitet das Mobiltelefon, mit Softwaresoße und Kabelsalat haben dagegen Laptop-Nutzer zu kämpfen.

Die heute gebräuchlichen Handy-Typen sind fast alle Dualband-Geräte, können also die beiden weltweit üblichen Frequenz-Standards GSM 900 und GSM 1 800 nutzen. Nur in den USA und Kanada funken die Mobiltelefonierer auf GSM 1 900, ein teures Triband-Gerät muss her.

"Bei Kunden von T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 bucht sich das Handy automatisch in das Netz einer kooperierenden Partnergesellschaft ein. Das ist aber nicht immer die billigste Variante", weiß Bernd Theiß, Redakteur beim Telekom-Magazin "Connect". Zumal der Mobil-Telefonierer im Ausland sowohl die Gebühren für das deutsche als auch für das ausländische Netz bezahle. Wer über den Befehl "manuelle Netzwahl" einen günstigeren Netzbetreiber einstellen möchte, findet einen Überblick über verschiedene Tarife im Internet unter www.teltarif.de.

Sinnvoll ist es wegen der hohen Gebühren, die Gespräche so weit als möglich einzuschränken. Peter Funke, Partner der Strategieberatung SMP, hört deshalb im Urlaub nur einmal täglich die Mailbox ab. "Dringende Anrufe beantworte ich sofort, halte die Gespräche aber sehr kurz."

Kunden von T-Mobile und Vodafone können sich zudem für den World-Class-Tarif (T-Mobile) oder Eurocall (Vodafone) registrieren lassen und telefonieren für weniger als einen Euro pro Minute in Richtung Heimat.

Der unkomplizierteste Weg ins Internet führt grundsätzlich über das Handy. Doch der ist teuer - und langwierig: "Bis die Daten geladen sind, kann es dauern", sagt Christian Kotthoff, Geschäftsführer des Netzwerk-Beraters Connect.

Schneller und günstiger läuft die Verbindung über die Telefonanlage im Hotel, doch es ist gar nicht so leicht, sie herzustellen. Firstclass-Hotels wie das Ritz-Carlton arbeiten zwar mit Technology-Butlern, die den Gästen ihre Rechner zum Laufen bringen. Normalsterbliche in weniger luxuriösen Hotels müssen aber selbst unter den Tischen herumkriechen.

Die erste Hürde ist der Stromanschluss. Weltweit wartet ein gutes Dutzend verschiedener Strombuchsen auf Adapter. Ganze Kränze davon gibt es im Elektrohandel. Gewöhnlich kommen gängige Notebooks mit den länderspezifischen Spannungen durchaus zurecht. Trotzdem ist es sinnvoll, einen Blick auf das Typenschild des Notebooks zu werfen, damit sich das Innenleben des Computers nicht in Rauch auflöst.

Problem Nummer zwei: die Telefondose. Auch hier existieren weltweit unterschiedliche Typen. Webseiten wie www.travel-advisor-online.com empfehlen, ein so genanntes RJ11-Kabel einzupacken. "Dieser Standard aus den USA setzt sich zunehmend in Europa durch", weiß auch Berater Funke aus eigener Erfahrung. Trotzdem hat der Vielreiser immer "ein paar Kabel extra" dabei, um unangenehmen Überraschungen vorzubeugen. Auch Henkel-Marketingleiterin Elke Peters nimmt immer das komplette Kabelpaket mit: "Man weiß ja nie, was wo passt."

Adapter für die US-Version können in exotischen Ländern auch nachgekauft werden. Wer nichts dem Zufall überlassen will, findet im Internet unter www.kropla.com ein Verzeichnis aller weltweit üblichen Telefonstecker.

"Alle Vorbereitung ist jedoch umsonst, wenn das Telefon dann einfach in der Wand befestigt ist", sagt Alexander Artopé, Vorstandsvorsitzender des Softwareanbieters Datango. In den USA hat der Manager sogar schon einmal zum Schraubenzieher gegriffen, um sein Laptop anzuschließen: "In solchen Fällen erwacht mein Ehrgeiz." Geheimtipp für versierte Bastler: Zwei Sicherheitsnadeln in das Telefonkabel stecken und dort das Laptop anklemmen.

Problem Nummer drei: das Freizeichen. Nicht in allen Ländern piept es gleich - damit das Modem einwandfrei funktioniert, muss es umprogrammiert werden. Artopé gibt seinen Laptop deshalb vor der Abreise immer zur Systemadministration, die es "auslandstauglich" macht.

Wenn die Technik funktioniert, muss eventuell auch noch die Einwahlnummer für den Internetanbieter angepasst werden. In den Ländern gelten verschiedene Nummern. Bei AOL finden sich diese unter dem Kennwort Einwahl, T-Online-Nutzer müssen vor der Abreise einen Auslandsdienst aktivieren. Um die Gebühren niedrig zu halten, ist es auch sinnvoll, sich bei einem internationalen Provider-Zusammenschluss wie I-Pass oder GRIC anzumelden.

Angesichts dieser Hürden verzichtet Peters bei Kurztrips mittlerweile ganz auf das Internet: "Wenn ich nur ein oder zwei Tage unterwegs bin, nehme ich das Laptop gar nicht mehr mit. Das ist mir zu umständlich."

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