Service-Firmen übernehmen immer mehr Aufgaben
IT-Dienstleister bauen Angebotspalette aus

Der Angriff auf die IT-Abteilungen der Unternehmen hat begonnen: Die großen IT-Dienstleister übernehmen immer mehr Aufgaben, die bislang von den Firmen selbst erledigt wurden. Vom Einkauf der Computer über die Software-Installation bis zum Service können Unternehmen heute viele Teile ihrer IT nach außen abgeben. Noch sind die meisten Chefs aber zurückhaltend.

Experten sind überzeugt, dass immer mehr Firmen auf Outsourcing- Angebote eingehen werden. Der Grund: "Die Firmen sind momentan nicht flexibel genug, weil 80 Prozent ihrer IT-Budgets von Fixkosten aufgezehrt werden", sagt Jean-Louis Previdi von der amerikanischen Beratungsgesellschaft Metagroup. Geben die Unternehmen einen Teil ihrer IT an Dienstleister ab, seien sie wesentlich beweglicher: Sie zahlen nur noch für die IT-Leistungen, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen.

So bietet der deutsche Marktführer T-Systems an, sich um komplette Computer-Arbeitsplätze zu kümmern. Die Spezialisten der Telekom-Tochter beschaffen die Geräte, bauen sie auf und kommen, wenn etwas kaputt ist. Zudem sorgen sie dafür, dass jeder Mitarbeiter die für ihn passende Software hat.

Kommt es zu Entlassungen oder Einstellungen beim Kunden, holt T-Systems die Rechner auch wieder ab oder liefert umgehend neue Maschinen. Siemens Business Services hat zudem seit Jahren ein Angebot, bei dem die Firmen nur für die Zeit bezahlen, in der Mitarbeiter die IT-Infrastruktur tatsächlich nutzen - das so genannte Pay-per-use.

"Wir begrenzen die Risiken, reduzieren die Kosten und machen das Geschäft für unsere Kunden flexibler", sagt Kamyar Niroumand, Vorstandsmitglied von T-Systems. Statt einen großen Fixkosten-Block mit zu schleppen, entsteht bei den Firmen ein größerer Anteil variabler Kosten. "Diese Angebote sind ideal, wenn die Nachfrage nicht genau vorhergesagt werden kann", betont Peter Chylla, Chef von Triaton, dem IT-Dienstleister von Thyssen- Krupp. "Wir bieten zudem ein Maß an Sicherheit und Verfügbarkeit, wie es sich viele Mittelständler sonst gar nicht leisten könnten."

Die IT-Dienstleister greifen mittlerweile weit ins Geschäft ihrer Kunden ein. So hat T-Systems für den deutschen Ableger der französischen Ölgesellschaft Total Systeme entwickelt, die den Tankstellenbetrieb unterstützen. Ein Tankstellen- Modul hilft etwa die Preise festzulegen, die Umsätze zu ermitteln und mit Kreditkarten abzurechnen. Dass die Unternehmen künftig ganz auf ihre eigenen IT-Abteilungen verzichten, gilt in der Branche aber als unwahrscheinlich. Metagroup-Analyst Previdi: "Nur ein Teil aller Dienstleistungen wird nach außen vergeben werden. Oft sind auch rechtliche Probleme ein Hindernis, etwa wenn es um Datenschutz geht."

Dennoch erwarten Analysten und IT-Dienstleister, dass die entsprechenden Fach-Abteilungen in den Firmen merklich schrumpfen werden. Zudem gehen Anbieter und Experten davon aus, dass die Firmen sich nur langsam von Teilen ihrer IT-Abteilungen trennen werden: "Das wird Schritt für Schritt gehen und noch einige Jahre dauern", sagt Cesare Capobianco vom Computerbauer Hewlett-Packard.

Quelle: Handelsblatt Nr. 186 vom 26.09.03 Seite 19

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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