Settop-Boxen-Hersteller ist zahlungsunfähig
Metabox hat Insolvenzverfahren beantragt

Das Multimediaunternehmen Metabox ist nach eigenen Angaben zahlungsunfähig und hat beim Amtsgericht Hildesheim die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Mit dem zuständigen Insolvenzverwalter solle ein Plan erstellt werden, um eine Fortführung der Gesellschaft nach deren Reorganisation zu ermöglichen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

rtr/vwd HILDESHEIM/FRANKFURT. Kurz vor Veröffentlichung der Pflichtmitteilung am Nachmittag wurden die Aktien für rund eine Stunde vom Handel am Neuen Markt ausgesetzt und brachen nach Wiederaufnahme um 44 % ein. Metabox war wegen korrigierter Bilanzen und Prognosen sowie staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in die Schlagzeilen geraten. Da bislang kein Risikokapitalgeber eingesprungen sei, zeigten sich Analysten von der Zahlungsunfähigkeit nicht überrascht.

Einbruch der Metabox-Aktien

Ende April hatte der Hersteller so genannter Set-Top-Boxen seine Ergebnis- und Umsatzzahlen zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate nach unten korrigiert. Ebenso wurde die bislang für 2001 gegebene Prognose mit einem ursprünglich geplanten deutlichen Umsatz- und Ergebniswachstum für hinfällig erklärt. Ende April hatte Vorstandschef Stefan Domeyer bereits die Liquiditätslage seines Unternehmens als kritisch bezeichnet.

Die vor einigen Monaten gegründete "Aktionärsgemeinschaft Metabox" zeigte sich überrascht. "Nach unserem Wissen hat es in den vergangenen Wochen Gespräche mit potenziellen Investoren gegeben, die aber offenbar nicht positiv verlaufen sind", sagte Michael Heckeroth von der Aktionärsgemeinschaft auf Reuters-Anfrage. Die Kleinaktionäre wollten das Unternehmen mit einer Summe von einer bis zwei Mill. DM unterstützen.

Der Umsatz für 2000 lag mit 47,2 Mill. DM deutlich unter dem Planziel von 70 Mill. DM. Der Verlust fiel mit 26,8 Mill. DM um fast 40 % höher aus, als noch Ende Januar angegeben. Die erst nach Fristverlängerung in letzter Minute vorgelegte Bilanz für 2000 war seinerzeit zudem nicht testiert. Für die Metabox-Tochter ICS Kassensysteme wurde bereits im April das Insolvenzverfahren eingeleitet. Für das Gesamtunternehmen hatte der Vorstand die Trennung von einzelnen Beteiligungen und eine Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt, verbunden mit dem Abbau eines Drittels des Personals.

Metabox war darüber hinaus in die Kritik geraten wegen mehrerer im Vorjahr veröffentlichter Großaufträge oder Absichtserklärungen über die Lieferung von Set-Top-Boxen, mit denen Internet am Fernsehgerät möglich sein soll. Unter Hinweis auf das auf Wunsch der Auftraggeber vereinbarte Stillschweigen gab Metabox die Namen der künftigen Kunden nicht bekannt. Seit Februar ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Metabox-Chef Domeyer und zwei inzwischen ausgeschiedene Metabox-Vorstände wegen des Verdachts der Kursmanipulation, des Kapitalanlagebetruges und des Insiderhandels. Hintergrund der Ermittlungen sind Zweifel an einigen der vier Großaufträge oder Absichtserklärungen mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 2,9 Mill. Set-Top-Boxen.

Mehrere Aufsichtsratsmitglieder des im Mai 1996 unter dem Namen Pios Computer gegründeten Technologieunternehmens legten daraufhin in den vergangenen Wochen ihr Mandat nieder. Die erstmals am 7. Juli 1999 am Neuen Markt notierte Metabox-Aktie war im vorigen Jahr infolge der Angaben über die Großaufträge auf mehr als 45 ? gestiegen. In diesem Frühjahr fiel sie auf unter zwei Euro. Am Dienstag notierte sie beim Aussetzen des Handels bei 1,35 ?. Nach Wiederaufnahme zum Handel sackte das Papier bis auf 0,68 ? ab.

Die Analysten von M.M. Warburg hatten die Aktie zuletzt auf "Verkaufen" von "Halten" heruntergestuft. "Wir haben auch keine Schätzungen mehr für 2001 und 2002 abgegeben", sagte Analyst Thorsten Barnstedt. Er verwies zur Begründung auf die jüngste Studie der Bank vom 10. Mai. Dort hieß es, dass Metabox selbst im Geschäftsbericht für 2000 auf erhebliche Risiken der künftigen Unternehmensentwicklung aufmerksam gemacht habe. Das für das erste Quartal angekündigte Geschäft mit Großkunden verzögere sich offenbar weiter, schrieben die Analysten. "Die Liquiditätslage des Unternehmens ist sehr angespannt. Ein Überleben ist unser Erachtens nur solange gesichert, wie Risikokapitalgeber bereit sind, Eigenkapital zuzuführen.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel arbeitet an Metabox-Analyse

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), Frankfurt, erstellt eine Analyse über die Metabox AG, Hildesheim. Auf Grund des am Dienstag beantragten Insolvenzverfahrens würden sich die Marktanalysten die Wertpapierbewegungen im Vorfeld der Ad-hoc-Meldung anschauen, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Für Ergebnisse sei es aber noch zu früh.

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