Seuche hat sich in Großbritannien weiter ausgebreitet
Künast berät mit Krisenstab über Maul- und Klauenseuche

Fachleute aus Bund und Ländern werden am Montag den aktuellen Stand der Seuche analysieren und über weitere Schutzmaßnahmen beraten.

dpa BONN/TÜBINGEN. Wegen der in Großbritannien ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche kommt an diesem Montag in Bonn der Krisenstab von Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) zusammen. Laut Ministerium werden die Fachleute aus Bund und Ländern dabei den aktuellen Stand der Seuche analysieren und über weitere Schutzmaßnahmen beraten. Künast hatte vor der Einschleppung der Krankheit über verseuchte Fleisch- und Speiseabfälle gewarnt und die Bundesländer aufgefordert, vorsorglich Maßnahmen für den Fall eines Ausbruchs der Seuche in Deutschland zu erarbeiten.

In mehrere Bundesländer waren Tiere aus Großbritannien importiert worden. Bei Untersuchungen und Quarantäne-Maßnahmen wurde bislang kein Fall der hochinfektiösen Seuche festgestellt. Für mehrere hundert deutsche Betriebe wurden besondere Schutzmaßnahmen verhängt. Der Bundesverband praktischer Tierärzte hatte vor einem drohenden "Supergau" durch die Maul- und Klauenseuche gewarnt. Für Menschen sind die äußerst resistenten Picornaviren ungefährlich.

Letzter Ausbruch liegt 12 Jahre zurück

Nach Angaben der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen liegt der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Deutschland zwölf Jahre zurück. Während sich vom asiatischen Teil der Türkei über den Mittleren Osten und große Teile Afrikas, Indien und Ostasien bis nach Südamerika ein regelrechter Seuchengürtel um die Erde ziehe, sei die Lage in Westeuropa insgesamt entspannt. Die Maul- und Klauenseuche bedeute jedoch eine ständige Bedrohung, warnten die Tierseuchen-Experten am Sonntag.

In Großbritannien breitete sich die Maul- und Klauenseuche unterdessen weiter aus. Wie Agrarminister Nick Brown am Sonntag mitteilte, sind die Veterinäre seiner Behörde überzeugt, in zwei weiteren Bauernhöfen die hoch ansteckende Viruskrankheit festgestellt zu haben. Ein Hof befindet sich in der südenglischen Grafschaft Devon, ein zweiter im nordenglischen Ort Heddon-on-the-Wall (Northumberland), wo sich auch der Seuchenherd befinden soll. Der Ausbruch der Seuche an diesen beiden Stellen sei jedoch noch nicht offiziell bestätigt, sagte Brown. Bisher wurde Maul- und Klauenseuche auf fünf Bauernhöfen und einem Schlachthof nachgewiesen.

Höhn für regionales Vermarktungsprinzip

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) warnte vor einer Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche durch internationale Tiertransporte. Sie forderte eine drastische Reduzierung solcher Transporte. Höhn plädierte für ein regionales Vermarktungsprinzip, das sich in Nordrhein-Westfalen bewährt habe. "Bauern, die ihre Tiere in geschlossenen Systemen halten, zahlen weniger Geld in die Tierseuchenkasse", erläuterte die Ministerin.

Auch der Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung forderte, Tiertransporte auf ein "unvermeidbares Maß" zu begrenzen. Künast müsse im Hinblick auf die Seuchenvorbeugung durchsetzen, dass Tiere auf dem jeweils nächstgelegenen geeigneten Schlachthof getötet werden müssten, verlangte der Vorsitzende Eckard Wendt.

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