Seven One und Web.de kooperieren
Online-Werber stehen vor neuer Fusionswelle

Der Internet-Werbemarkt wächst, doch trotzdem haben die Vermarkter Probleme: Die Marktbereinigung ist nicht abgeschlossen, das Schrumpfen geht weiter.

DÜSSELDORF. Der Auftrieb in der Internetbranche wird wahrscheinlich nicht von langer Dauer sein. Für dieses Jahr hatten die meisten Prognosen noch ein Werbewachstum für die meisten Online-Angebote vorhergesagt. Jetzt jagt ein neues Schreckgespenst durch die Medienhäuser: die absehbare Konzentration der Vermarktungsabteilungen.

Enger zusammenrücken werden Seven One Interactive, der Internet- und Teletext-Arm des Kirch-Werbevermarkters Seven One Media, und das Portal Web.de. Die beiden Internet-Anbieter wollen nach eigenen Angaben eine größere Vermarktungskraft als Microsoft-Tomorrow-Focus entwickeln. "Wir werden neue Umsatzpotenziale durch kombinierte Internet- und TV-Kampagnen erschließen", so Web.de-Vorstand Matthias Ehrlich. Über inhaltliche Kooperationen werde in Zukunft nachgedacht.

Doch viel entscheidender ist das, was zwischen den Unternehmen passiert. "Die Vermarkter müssen nach neuen Kooperationslösungen suchen", glaubt Martin Michel, Geschäftsführer von IP Newmedia, der Vermarkter der Internet-Auftritte von RTL, Vox und Super RTL. Er erwartet eine drastische Fortsetzung der Konzentrationswelle: Im kommenden Jahr könnte die Zahl der großen Vermarktungsorganisationen - dazu gehören auch Quality Channel und AOL Deutschland - von jetzt 15 auf zehn schrumpfen, schätzt Michel.

Bereits in den vergangenen Monaten haben größere Vermarkter wie Tomorrow Focus und Microsoft Deutschland durch Kooperationen ihre Eigenständigkeit im Werbegeschäft aufgegeben. Mit Erstaunen reagiert die Branche auf den amerikanischen Internet-Suchdienst Google, der vor einem halben Jahr für den deutschen Markt einen eigenen Werbeverkauf ins Leben gerufen hat. Jetzt startet Google mit einem Kleinanzeigen-Konzept für Mittelständler. "Keiner der Online-Vermarkter schreibt schwarze Zahlen", begründet der IP-Newmedia-Chef die Verwunderung über das Google-Engagement. Sein Unternehmen hat in diesem Jahr bereits 16 von 39 Arbeitsplätzen abgebaut.

Insgesamt hat der Online-Werbeumsatz im ersten Halbjahr laut einer IP-Studie nur 1,3% vom gesamten Werbekuchen ausgemacht - die Werbepreise sind im Vergleich zu Fernsehen und Print-Geschäft gering. Bei Seven One Media liegt der Anteil aus Internet-Werbung am gesamten Umsatz ebenfalls nur im einstelligen Prozentbereich. Druck auf die Internet-Werber üben auch die Media-Agenturen aus. "Der Aufwand bei den Werbeplatzbuchungen muss geringer werden", fordert David Lynn, Chef von Carat International, unter anderem Werbevermittler für die Automarke Hyundai. Auch Jürgen Blomenkamp, Chef von Mediacom Europe, sieht beim Online-Werbevertrieb die Notwendigkeit, "sich wirtschaftlich zu verhalten". Zu viele Vermarkter würden zu viel Aufwand für den Großteil der Werbekunden verursachen.

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