"Sex sells"
Yahoo holt Pornografie aus der dunklen Ecke

Sex ist der Internet-Bestseller schlechthin - und darauf setzt jetzt auch das gebeutelte Internet-Portal Yahoo. Gleichzeitig mit der Ankündigung, dass Yahoo! zwölf Prozent seiner Belegschaft abbauen und so Kosten sparen wolle, kündigte das Info-Portal die Erweiterung seines E-Commerce-Bereichs an: Neu im Angebot ist der Shop "Adult and Erotica" mit unter anderem Hardcore-DVDs und Videos. Analysten und Medien halten den Schritt für eine Trendwende: Pornografie wird offenbar gesellschaftsfähig.

dpa-afx SAN FRANCISCO. Mit Yahoo entschied sich erstmals eines der großen Internet-Unternehmen für diesen Schritt. Auch schon vorher fand sich pornographisches Material auf Yahoo-Portalen. Doch bislang war es in den Tausenden von Chatrooms und Newsgroups auf den großen Websites versteckt.

Einige der renommiertesten US-Medienunternehmen machen im prüden Amerika Kasse mit dem Sex-Geschäft. Wie die "New York Times" schreibt, wirft die Erotikindustrie jährliche Gewinne von zehn Mrd. $ ab. So habe die Nummer Zwei unter den Satellitenbetreibern, die EchoStar Communications Corporation mit unter anderem Rupert Murdoch im Rücken, mehr mit dem Verkauf von Pornofilmen verdient als das älteste und bekannteste Sex-Unternehmen Playboy, meldete das Blatt.

Auch die größte US-Telekomgesellschaft At&T Corporation betreibt für seine Breitband-Kabelkunden einen Pornokanal mit dem Namen "Hot Network". Zudem beliefert ein Tochterunternehmen fast eine Mill. Hotelzimmer mit Sexvideos. Dass die Unternehmen ihre Kunden kaum über diese Neuheiten informieren, liegt an der Tatsache, daß Sex ein Tabuthema ist. Jeder wisse Bescheid, aber keiner rede darüber.

Sex-Sites im Internet beliebt

Yahoo hofft nun, dass viele seiner 185 Mill. Nutzer dem neuen Sex-Shop einen Besuch abstatten werden. Das von Jerry Yang gegründete Unternehmen galt mit seiner Dominanz in der Online-Werbung lange als Börsenliebling. Doch als Gewinne und Werbeeinahmen im Internet absackten, verlor auch Yahoo im vergangenen Jahr 90 % seines Aktienwertes.

Bereits heute generieren Sex-Sites im Internet jährlich mehr als 1 Mrd. $. Web-Ratingagenturen schätzen, dass einer von vier Internet-Nutzern in den USA mindestens ein Mal monatlich bei einer der mehr als 60 000 Sex-Sites vorbeisurft. Das sind mehr Besucher als bei Sport-Sites oder Internetseiten der US-Regierung. Der Yahoo-Shop könnte diese Zahl deutlich steigern.

Die künftigen Mitbewerber von Yahoo begrüßten die Entscheidung des Internet-Portals. Sie versprechen sich einiges von dem Neuling im Sex-Business. So sagte Larry Lux, Chef bei Playboy.com, er sei zwar ein wenig überrascht über Yahoo!. Doch werde das bekannte Internet-Portal ganz bestimmt auch helfen, die verruchte Branche weiter aus ihrer dunklen Ecke herauszuholen.

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