Sexuelle Missbrauchaffären erschüttern katholische Kirche
Papst bricht Schweigen zu Priester-Sexaffären

Seit einiger Zeit wird die katholische Kirche von einer Reihe von Beschuldigungen über sexuellen Missbrauch Jugendlicher oder Abhängiger durch Geistliche heimgesucht.

ap/wiwo ROM. Im Mittelpunkt dieser tatsächlichen oder vermeintlichen Affären steht diesmal die katholische Kirche der USA. Aber auch in anderen Ländern wie Irland, England und Frankreich wurden Fälle sexueller Verfehlungen von Priestern aufgedeckt oder dahingehende Beschuldigungen erhoben. Selbst die polnische Heimat des sittenstrengen Papstes Johannes Paul II. blieb nicht verschont.

Papst brach erst nach Wochen sein Schweigen

Wochenlang äußerte sich der Papst nicht zu den Affären und steigerte damit nach Meinung vieler Beobachter noch die Peinlichkeit der Angelegenheit. Erst am Donnerstag vor Beginn der Karwoche brach das Kirchenoberhaupt sein Schweigen. In einer vorösterlichen Botschaft an alle Geistlichen sprach das Oberhaupt der katholischen Kirche von einem ernsten Skandal, durch den ein «schwarzer Schatten des Verdachts» auch auf all die Priester gefallen sei, die ihre Pflicht ehrenvoll und integer und mit oft selbstloser Hingabe erfüllten.

In ähnlicher Weise äußerte sich zuvor der amerikanische Erzbischof John Foley, Präsident des vatikanischen Rates für soziale Kommunikation. Foley sprach von einem schwarzen Tag in der Geschichte der Kirche und ein «ernstes Vergehen gegen Gott und Gottes Kinder». Er und andere Kirchenoberen forderten eine strengere Auswahl von Kandidaten für das Priesteramt.

Der 81-jährige und von Krankheit gezeichnete Pontifex hat sich in den letzten Jahren immer mehr aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen und sich nur noch den großen Themen von Lehre und Glauben sowie der Versöhnung unter den Religionen und ähnlichem gewidmet. Dennoch, so erklärte Kardinalstaatssekretär Joaquin Navarro-Valls, sei der Papst über den Skandal, der die Autorität der Kirche zu untergraben drohe, voll unterrichtet. In einer für kirchliche Verhältnisse ungewöhnlich schnellen Reaktion entsprach der Papst in der letzten Woche dem Entlassungsgesuch des Bischofs von Palm Beach, wegen sexuellen Missbrauchs mit einem Seminaristen.

Zölibat in Frage gestellt

In der Erzdiözese Boston herrscht seit geraumer Zeit ein Streit um den Erzbischof Kardinal Bernard Law. Ihm wird vorgeworfen, einen Priester zu decken, dem sexuelle Belästigung von Jungen vorgeworfen wird. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Papst gegen Law vorgehen will. Die Angelegenheit hat sogar die örtliche Kirchenpresse dazu verleitet, das Zölibat als Ganzes in Frage zu stellen. Die Kirche müsse sich der Frage stellen, ob es geraten sei, das Zölibat für Priester aufrecht zu erhalten, schrieb das Diözesanblatt.

Wie weit der Umfang sexuellen Missbrauchs gehen kann, musste die irische Kirche erfahren. Im Januar stimmte sie der Zahlung von 110 Millionen Dollar (120 Millionen Euro) für Opfer zu, die seit Jahren von Klerikern missbraucht worden waren. Über 20 Priester, Mönche und Nonnen wurden verurteilt.

Besonders getroffen haben soll den Papst der Fall des Erzbischofs von Posen, Juliusz Paetz, dem auch sexuelle Verfehlungen angelastet worden sind. Paetz, der mit dem polnischen Papst jahrelang im Vatikan zusammengearbeitet hatte und 1982 von diesem nach Polen geschickt worden war, wies in einem Hirtenbrief, die am Sonntag von allen Kanzeln verlesen wurde, die Beschuldigungen zurück.

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