SG hat 1,3 Mrd Euro in der Akquisitionskasse
Societe Generale startklar für M&A auch über Ländergrenzen hinweg

Die Konsolidierung im europäischen Bankensektor findet bislang fast ausschließlich auf nationaler Ebene statt. Doch ein Wandel zu grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen (M&A) in den kommenden Jahren scheint absehbar.

vwd PARIS. "Es wird eine weitere Konsolidierung im europäischen Bankensystem geben und die Societe Generale SA (SG) wird sich eines Tages daran beteiligen", bezieht deren Verwaltungsratsvorsitzender Daniel Bouton Stellung. Die französische Bank kann aus seiner Sicht in bisheriger Form weiter arbeiten, sei aber zu Fusion oder Kauf bereit, wenn sich dadurch die Geschäftsstruktur verbessern ließe.

Die Welt der Fusionen und Übernahmen ist Bouton nicht fremd. Vor zwei Jahren startete er den Versuch, SG mit der großen französischen Investmentbank Paribas SA zu verschmelzen, der letztlich durch die rivalisierende Banque Nationale de Paris SA (BNP) vereitelt wurde. Die verpasste Chance bedauert Bouton noch heute. Obwohl er nach dem Paribas-Kampf seine Ambitionen im Zaum halten musste, ordnete Bouton die Geschäftsbereiche seiner Bank komplett neu.

Präsenz-Ausweitung in Osteuropa

Milliarden von Euro gab der SG-Vorsitzende aus, um die Vermögensverwaltung und den Bereich spezialisierte Finanzdienste auszubauen. Dazu kam die Präsenz-Ausweitung im Retailbanking in Osteuropa. Derzeit ist SG im Rennen um die Komercni Banka AS in Tschechien. Außerdem baute Bouton zu einer Vielzahl europäischer Banken, wie Unicredito Italiano SpA oder dem spanischen Banco Santander Central Hispano SA (BSCH), Beziehungen auf.

Ebenso bemerkenswert ist das Zusammenstreichen der Mittel für das volatile Investmentbanking - eine Entscheidung, die die Bank im derzeitigen Bärenmarkt die Balance halten lässt. Noch vor vier Jahren verschlang der Investmentsektor rund die Hälfte des Kapitals, heute nur noch ein Drittel. "Was wir derzeit tun, ist nur das, was wir gesagt haben, tun zu wollen." Erstens sei das eingesetzte Eigenkapital im Investment- und Firmenkundengeschäft zurückgeführt und zweitens das Portfolio im Ausland ausgebaut worden, was zeige, "die SG hält ihre Versprechen", gibt sich Bouton zufrieden.

Expansion aus eigener Kraft bevorzugt

Von dem zur Verfügung stehenden Akquise-Kapital von 3,8 Mrd Euro hat die Bank bislang etwa 2,5 Mrd Euro ausgegeben und damit immer noch eine Reserve im Portemonnaie. Trotzdem stehe die Bank in einigen Bereichen eher schwach da, gibt Bouton zu. So bei festverzinslichen Wertpapieren, aber auch bei Verbraucherkrediten hinkt sein Finanzhaus immer noch hinter den Konkurrenten BNP-Paribas SA und Credit Agricole her. Bouton schließt jedoch einen Zukauf in diesem Geschäftsfeld aus und bevorzugt die Expansion aus eigener Kraft und mit eigenen Produkten.

Der Grund: "Akquisitionen in Westeuropa sind sehr schwierig, da individuelles Know-how unabdingbar und der Kaufpreis vergleichsweise hoch ist." Die jüngsten Zukäufe - insbesondere die Mehrheitsanteile an der US Trust Company-Fondsgruppe of West und von Teilen des Leasing- und Lieferantenkreditgeschäfts der Deutschen Bank - haben die SG nicht nur gestärkt, sondern sie auch zu einem schmackhaften Übernahmeziel gemacht. Bouton will aber nicht zu defensiv erscheinen. Er habe aus dem Fehler des ehemaligen Paribas-Vorsitzenden Andre Levy-Lang gelernt, dessen Bank letztlich von BNP geschluckt wurde.

Hochzeitspartner gesucht

"Es darf keine Tabus geben, weder auf grenzüberschreitender noch auf Inlandsbasis", hat er vor zwei Wochen den SG-Aktionären deutlich gemacht. Die verbliebenen 1,3 Mrd Euro in der Akquisitionskasse könnte SG noch für ein oder zwei Übernahmen verwenden, aber der große Wurf ist damit nicht möglich. Da SG vermutlich zu klein ist, um langfristig als eigener Herr zu überleben, muss sie wohl eines Tages über eine Hochzeit nachdenken, sind sich Branchenbeobachter sicher. Und der Partner wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht französischer Herkunft sein.

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