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SGL Carbon erwartet neue Konsolidierungswelle

Der Wiesbadener Graphitelektrodenhersteller SGL Carbon rechnet nach den Worten seines Vorstandschefs Robert Koehler mit einer weiteren Konsolidierung in der Branche und will an diesem Prozess aktiv teilnehmen.

rtr WIESBADEN. "Zehn Jahre nach der letzten Konsolidierungswelle sowie nach der Asien-Krise, der Neuer-Markt-Krise, der US- und Japan-Rezession zeichnet sich deutlich die nächste Konsolidierungswelle ab", sagte SGL Chef Robert Koehler in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Koehler geht davon aus, dass von zwölf wesentlichen Firmen in der Branche in zwei Jahren möglicherweise nur noch acht vorhanden sein werden. Insbesondere einige kleinere Hersteller könnten nach seiner Einschätzung nicht mehr alleine überleben. Dabei verwies der SGL-Chef unter anderem auf die US-Firma CGG, die mittlerweile Gläubigerschutz beantragt hat, auf die deutsche Firma Erft oder auch auf Unternehmen in Japan.

Der Wiesbadener Konzern ist mit einem Marktanteil von etwas mehr als 25 % gemessen an den Kapazitäten der weltgrößte Hersteller von Graphitelektroden für die Elektrostahlerzeugung gefolgt vom US-Konzern GraphTech International. Im vergangenen Jahr trug das Geschäftsfeld Carbon and Graphite (CG) rund die Hälfte zum Konzernumsatz von 1,23 Mrd. ? bei.

SGL: Aktiver Mitspieler im Kosolidierungsprozess

In dem sich abzeichnenden Konsolidierungsprozess will die SGL nicht abseits stehen. "Dass wir dabei ein aktiver Spieler sein müssen und uns Möglichkeiten genau ansehen werden, das ist unsere Aufgabe als einer der Marktführer," sagte Koehler. Kleinere Hersteller werden nach Einschätzung des SGL-Chefs in dem Prozess etwa versuchen, unter dem Dach von größeren Verbünden Zuflucht zu finden. Mit Akquisitionen rechnet Koehler dabei eher nicht, da ähnlich wie vor zehn Jahren, als die letzte große Konsolidierungswelle stattfand, hierfür in der Industrie keine Gelder vorhanden seien. Vielmehr sei eher davon auszugehen, dass kleinere Firmen über Minderheitsbeteiligungen in größere eingebracht würden. Diesen Weg sieht Koehler auch für die SGL. "Wir können uns das auf Joint Venture-Basis vorstellen, wo der Partner dann einen Minderheitsanteil bekommt, je nach Größe des Geschäfts, das er einbringt." Die unternehmerische Führung werde auf jeden Fall bei der SGL liegen, die kosten- und marktmäßig Synergien realisieren könne. Der Minderheitseigentümer könne dann wiederum nach etwa drei bis vier Jahren komfortabel aussteigen. "Unsere Unternehmensstruktur ist so aufgestellt, dass wir auf der Ebene der Geschäfte der CG, CS, CP aber auch bei SGL T (die vier SGL-Geschäftsbereiche) bei Joint Venture-Möglichkeiten flexibel sind", sagte Koehler. CG bestehe etwa aus einer Reihe rechtlich selbstständiger Gesellschaften. So könne jederzeit eine Verschmelzung über die einzubringende Gesellschaft erzielt werden.

Zuletzt hatte sich die Globalisierung der Kunden von SGL im Elektrodengeschäft durch den weltweiten Zusammenschluss großer Stahlproduzenten beschleunigt. SGL hatte daneben in den vergangenen Jahren rund 200 Mill. ? in die Wachstumsgeschäfte des neuen Geschäftsbereichs SGL Technologies wie Brennstoffzellentechnik und Hochleistungsbremsscheiben investiert und will sich in diesem Jahr bei Investitionsausgaben eher zurückhalten. Vorrangiges Ziel bei SGL für 2002 ist die Erhöhung des Cashflows und eine Verringerung des Verschuldungsgrads im Konzern. Bei beiden Zielen sieht Koehler die SGL Carbon nach fünf Monaten voll im Plan.

Für Wachstumsgeschäfte Gewinnschwelle 2003 angepeilt

Für seine Wachstumsgeschäfte im Bereich SGL Technologies steht für den SGL-Chef erst einmal die Halbierung der Verluste in diesem und das Erreichen der Gewinnschwelle im nächsten Jahr im Vordergrund. Koehler kann sich zwar weiterhin vorstellen, dass auch bei diesen Geschäften zu einem richtigen Zeitpunkt Partner hereingenommen werden oder auch einmal ein Börsengang ansteht. Ähnliche Überlegungen hatte er bereits im vergangenen Jahr angestellt. "Aber wir haben hier noch keine konkreten Pläne", betonte der SGL-Chef. Erstmal wolle die SGL ein Stück der Wertschöpfung dieser neuen Arbeitsgebiete erzielen.

Bei der neuen Karbon-Keramik-Bremsscheibe etwa erwartet Koehler planmäßig Mitte dieses Jahres die Zertifizierung von Porsche zu bekommen. Danach könne der SGL-Partner über erheblich mehr Mengen verfügen. SGL entwickelt derzeit unter anderem gemeinsam mit Porsche ein Bremssystem mit der Bremsscheibe für den Einsatz in der neuen Premium-Klasse von VW. Auch gebe es Überlegungen, die neue Bremsscheibe in das neue Porsche-Geländefahrzeug Cayenne einzubauen. Gespräche würden aber auch mit der Premier Automotive Group (PAG) von Ford geführt, zu der beispielsweise die Marken Aston Martin und Jaguar gehören, oder mit Ferrari, sagte Koehler.

Bis 2005/2006 will SGL mit der neuen Bremsscheibe Umsätze von rund 100 Mill. ? erzielen nach zehn Mill. ? in diesem Jahr. Der seit 1997/98 systematisch aufgebaute neue Bereich SGL Technologies insgesamt soll in den nächsten Jahren einen Umsatzanteil von 25 % bei der SGL haben und in den einzelnen Geschäften zweistellige Umsatzrenditen erzielen.

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