Shake out im IT-Bereich geht weiter
Dem Hype folgte die Ernüchterung

Das Jahr 2001 war gegenüber den Vorjahren im IT-Sektor (Hardware, Software, IT-Services und Internet) von einem deutlichen Rückgang im Bereich der Firmenzusammenschlüsse (Mergers & Acquisitions) gekennzeichnet. Gleichwohl lassen sich aus den durchgeführten Transaktionen Trends für die einzelnen Segmente (Hardware, Software, IT-Services und Internet) ablesen.

Gast-Kolumne von Dr. Carsten Risch, Leiter der IT-Practice bei Andersen Corporate Finance, und Sönke Petersen, Associate bei Andersen Corporate Finance.

Nachdem die Zahl der Firmenzusammenschlüsse (Mergers & Acquisitions) mit Beteiligung deutscher Unternehmen in der IT-Branche (Hardware, Software, IT-Services und Internet) von 1998 bis Herbst 2000 stark zunahm, kam es im Jahr 2001 zu einem deutlichen Rückgang. Dies gilt sowohl in Bezug auf die Anzahl der durchgeführten Transaktionen als auch auf das Volumen. Insbesondere der Anteil der "Megadeals" (Transaktionen mit einem Volumen von über 1 Mrd. Euro) hat im vergangenen Jahr deutlich abgenommen.

Die Gründe für das Abnehmen der M&A-Aktivitäten im IT-Sektor sind vielfältig. Eine wesentliche Ursache ist die rückläufige Entwicklung an den internationalen, insbesondere auch den deutschen Kapitalmärkten. Während im Jahr 2000 noch 132 Unternehmen neu an der Wachstumsbörse Neuer Markt notiert wurden, hat sich die Zahl im Jahr 2001 um über 90 Prozent auf nur noch elf Unternehmen verringert. Auch der Rückgang der Börsenkapitalisierung des gesamten Börsensegments fiel mit nahezu 90 Prozent von über 370 Mrd. Euro seit Erreichen historischer Höchststände zu Beginn des Jahres 2000 auf knapp 50 Mrd. Euro (Dezember 2001) sehr deutlich aus. Diese stark rückläufigen Bewertungen dürften wesentlich für die Abnahme der Transaktionen im IT-Bereich verantwortlich sein. In den Jahren 1999 und 2000 verfügten neu gelistete Unternehmen aufgrund hoher Emissionserlöse über solide Kapitalausstattungen. Über diese "Akquisitionswährung" konnten die zur Erfüllung der Wachstumserwartungen der Aktionäre erforderlichen Zukäufe zu einem großen Teil finanziert werden. Aufgrund der negativen Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten blieb diese Möglichkeit im Jahr 2001 vielen potentiellen IPO-Kandidaten verwährt.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung vieler IT-Unternehmen in Bezug auf mögliche Firmenübernahmen ist das schwache Wachstum in diesem Umfeld im Jahr 2001. Verglichen mit dem Vorjahr lag das Wachstum weltweit bei unter zwei Prozent. Nachdem in den Vorjahren große M&A-Aktivitäten entwickelt wurden, setzte bei vielen potentiellen Käufern aus dem IT-Umfeld im Jahr 2001 eine Phase interner Konsolidierungs- und Integrations-Prozesse ein. Es wurde erkannt, dass Wachstum über externe Zukäufe zusätzliche Managementkapazitäten erfordert, die vielerorts nicht vorhanden waren - Konsolidierung stand in vielen Unternehmen vor weiterem externen Wachstum obenan.

In der Halbleiterindustrie sowie im Hardware-Handel ist es zu strategischen Allianzen und zu einer weiteren Konzentration zwischen den führenden Marktteilnehmern gekommen. Einige der erwarteten Mega-Deals haben insbesondere bei den PC- und den Komponenten-Herstellern stattgefunden (der bevorstehende Zusammenschluss von Hewlett-Packard und Compaq sowie die Übernahme des Festplattenherstellers Quantum durch Maxtor).

Im Software-Bereich ist es in 2001 zu nur wenigen größeren Firmenzusammenschlüssen gekommen. Aus den durchgeführten Transaktionen sind zwei Bereiche hervorzuheben: Um umfassende ganzheitliche ERP-Lösungen auf dem Markt etablieren zu können, versuchten Anbieter integrierter Unternehmens-Software durch gezielte Zukäufe spezifische Einzelkomponenten in ihre Lösungen einzubinden. Hierzu zählten insbesondere CRM-, SCM-, DMS sowie selektive eBusiness-Lösungen (z.B. die Akquisition der amerikanischen Top Tier Software Inc. durch den weltweiten ERP-Marktführer SAP AG). Weiterhin war ist ein gesteigertes Interesse an Sicherheitssystemen bei den Anbietern etablierter Softwarelösungen zu erkennen.

Die M&A-Aktivitäten in den Bereichen IT-Services und Internet waren im Jahr 2001 im Wesentlichen von folgenden Trends gekennzeichnet: Die etablierten globalen Anbieter von IT-Dienstleistungen haben die niedrigen Bewertungen genutzt, um über Akquisitionen gezielt Know-how, Kapazitäten und regionale Präsenz hinzuzukaufen. Dabei standen die Bereiche eBusiness-Services (Übernahme des englischen IT-Service-Anbieters Sema durch die amerikanische Schlumberger oder Übernahme der deutschen Systematics AG durch den weltweit zweitgrößten IT-Dienstleister EDS) und Outsourcing (Akquisition des Rechenzentrums des niederländischen Telekom-Anbieters KPN durch die französische Atos Origin) im Vordergrund. In einem für Internetunternehmen äußerst schwierigen Marktumfeld (gekennzeichnet durch zahlreiche Insolvenzen namhafter Marktteilnehmer) waren die Transaktions-Aktivitäten im Jahr 2001 sehr eingeschränkt - die Unternehmen konzentrierten sich auf Konsolidierung und Restrukturierung.

Für das kommenden Jahr ist mit folgenden M&A-Trends in der IT-Industrie zu rechnen: Im Hardware-Bereich werden aufgrund des anhaltenden Preisdrucks weitere Transaktionen durchgeführt und die Konzentration zwischen internationalen Anbietern weiter vorangetrieben werden. zutreiben. Es ist mit weiteren Mega-Deals zu rechnen.

Im Software-Markt ist eine weitere Marktbereinigung zu erwarten, da viele kleinere Software-Anbieter nach Jahren der Produktentwicklung zwar über durchaus vermarktungsfähige Lösungen und Systeme, nicht jedoch über die erforderlichen Vertriebskanäle verfügen. Der Konzentrationsprozess wird sich fortsetzen.

Der in im Jahr 2001 bei den IT-Services zu beobachtende Trend in Richtung von Outsourcing-Services wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Zusätzlich werden in diesem Segment weiterhin große nationale Marktteilnehmer versuchen, ihre internationale Wettbewerbsposition durch grenzüberschreitende Firmenübernahmen zu verbessern. Im Segment der IT-Services wird es zu mehreren Transaktionen nennenswerter Größe kommen. Bei den Anbietern reiner Internet-Lösungen bzw. -Services wird es verstärkt zu einer Rückkehr zu "klassischen" IT-Projekten kommen.

Zusätzlich zu den branchenspezifischen Trends erwartet Andersen für das laufende Jahr eine Zunahme der M&A-Aktivitäten gegenüber dem Vorjahr: Trotz schwächerer konjunktureller Eckdaten stimmen die Prognosen für die IT-Branche verhalten optimistisch. Für das laufende Jahr wird mit einem Wachstum von sechs bis sieben Prozent für die IT-Branche in West-Europa gerechnet. Zusätzlich wächst der Druck auf eine ganze Reihe von IT-Unternehmen; zum einen haben viele Unternehmen die beim Börsengang angekündigte, zum Überleben notwendige kritische Größe nicht erreicht und werden dies auch in Kürze nicht. Zum anderen sind viele Unternehmen nach wie vor weit davon entfernt, profitabel am Markt zu agieren, was diese Unternehmen in große Finanzierungsschwierigkeiten bringen wird. Ein möglicher Ausweg ist der Zusammenschluss mit stärkeren (vor allem in Bezug auf die Kapitalausstattung) Partnern über strategische Allianzen bzw. Firmenübernahmen. Das bereits erwähnte niedrige Bewertungsniveau vieler IT-Firmen lässt diese darüber hinaus zu lukrativen Übernahmenkandidaten werden.

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