Shell-Studie über die heutige Jugend
"Null-Bock-Stimmung" der Jugend ist passé

Die Jugend packt's an: Statt "Null-Bock-Stimmung" herrscht bei der jungen Generation Optimismus und Leistungsbereitschaft. Nach einem Wertewandel gestalten die Jugendlichen ihr Leben heute eher nach dem Motto "Aufstieg statt Ausstieg".

dpa BERLIN. Das sind Ergebnisse der 14. Shell-Jugendstudie, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. "Die ideologisch unterfütterte 'Null-Bock-Stimmung' früherer Generationen ist passé", sagte der Bielefelder Jugendforscher und Projektleiter Klaus Hurrelmann. Die Protest-Stimmung und ablehnende Haltung früherer Generationen sei vorbei. Leistung, Sicherheit, Macht und Einfluss sind der Jugend wichtiger geworden. Das politische Interesse ist jedoch weiter gesunken.

Der Wertewandel wird gerade auch von Mädchen und jungen Frauen getragen, die ehrgeiziger, aber auch selbstbewusster geworden sind. Karriere machen und Verantwortung übernehmen ist für sie ebenso wichtig wie für junge Männer. "Karriere und Familie schließen sich bei den meisten Jugendlichen heute nicht mehr aus, sondern sind zwei zentrale, gleichberechtigte Zielvorstellungen für die Lebensführung", stellten die Autoren fest. 75 % der weiblichen und 65 der männlichen Befragten meinten, eine Familie zum "glücklich sein" zu brauchen. Über zwei Drittel der Jugendlichen wollten später eigene Kinder haben.

Rückläufiges Interesse an Politik

Bei der aufwendigen wissenschaftlichen Untersuchung, die vom Öl- und Energiekonzern Shell finanziert wurde, waren mehr als 2500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt worden. Dabei zeigte sich im Vergleich zu vorherigen Untersuchungen, dass sich ein Trend verstärkt hat: Das rückläufige allgemeine Interesse an Politik. Nur 34 % der Heranwachsenden bezeichneten sich als politisch interessiert. 1991 waren es noch 57 %. Eine wichtige Rolle spielen Alter und Bildungsniveau: Es sind vor allem ältere, gut ausgebildete junge Menschen, die sich für Politik interessieren.

Obwohl die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen die Demokratie für eine gute Staatsform hält, stehen in den neuen Bundesländern 52 %, in den alten 27 % der Befragten der demokratischen Praxis kritisch gegenüber. Nach der Studie ist das Vertrauen der Heranwachsenden in politische Parteien, in die Bundesregierung, die Kirchen und Gewerkschaften gering.

Kein Favorit unter den Parteien

Der Untersuchung zufolge drücken damit vor allem Jugendliche in den neuen Ländern ihre Kritik an den Lebensverhältnissen und fehlenden persönlichen Chancen aus. Insgesamt gaben 19 % der Jugendlichen keine Antwort auf die Frage, welche der Parteien die Probleme in Deutschland am besten lösen kann, 37 % sprachen keiner Partei die entsprechende Kompetenz zu.

Trotz des geringen politischen Interesses sind viele Jugendliche in ihrem "Lebensumfeld" gesellschaftlich aktiv. Dabei orientieren sie sich nach der Studie an konkreten und praktischen Fragen, die für sie mit persönlichen Chancen und Nutzen verbunden sind. Obwohl sich die Heranwachsenen für andere Menschen oder den Umwelt- und Tierschutz einsetzen, haben Bürgerinitiativen, Organisationen wie Greenpeace oder Amnesty International, Parteien oder Gewerkschaften deutlich weniger Zuspruch als Vereine, Bildungseinrichtungen und selbst organisierte Gruppen.

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) hob bei der Vorstellung der Studie besonders auf die positiven Ergebnisse ab. "Die Jugend ist zukunftsorientiert und will die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen meistern", sagte sie. Die Untersuchung zeige, dass die Jugend viel besser als ihr Ruf sei.

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