Shell-Vorstand Harry Roels tritt Nachfolge von Dietmar Kuhnt an
Öl-Manager wird RWE-Chef

Die Weichen beim größten deutschen Stromkonzern sind gestellt. Mit dem Niederländer Harry Roels wird die Top-Position erstmals von außen besetzt - für RWE ist das eine Kulturrevolution.

HB DÜSSELDORF. Der Wechsel an der Spitze der RWE ist so gut wie entschieden. Nach Informationen des Handelsblatts wird der aus den Niederlanden stammende Shell-Vorstand Harry Roels, 53, an diesem Donnerstag zum Nachfolger von Vorstandschef Dietmar Kuhnt, 64, gekürt. Kuhnt führt den größten deutschen Stromkonzern seit 1995 und will zum Jahresende in den Aufsichtsrat wechseln.

"Seit dem Wochenende stehen die Signale für Roels auf Grün", hieß es am Montag in der Essener RWE-Zentrale. Am Samstag hatte Aufsichtsratschef Friedel Neuber den Arbeitnehmervertretern im RWE-Kontrollgremium den Kandidaten in Berlin präsentiert. Der Shell-Manager habe dabei einen "guten Eindruck" hinterlassen, berichteten Teilnehmer.

Wenige Stunden vor einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag soll Roels sich auch noch den Vertretern der einflussreichen kommunalen RWE-Aktionäre vorstellen. Dann dürfte der Kandidatur des Niederländers für einen der wichtigsten deutschen Vorstandsposten nichts mehr im Wege stehen.

Mit Roels rückt zum ersten Mal ein ausländischer Manager auf den Chefsessel in der Essener Konzernzentrale. "Das ist für RWE fast eine Kulturrevolution", sagte Dieter Schmitt, Professor für Energiewirtschaft an der Universität Essen. So war der Konzern lange Jahre vom Vorstand kollektiv geführt worden, Kuhnt war erst der zweite Vorstandschef in der Geschichte eines Unternehmens, das seine Führungskräfte traditionell aus dem eigenen Haus holt.

Roels hingegen tritt den Job ohne jede Hausmacht an. Der Physiker ist seit 1971 bei Royal Dutch/Shell und hat es beim weltweit agierenden Ölmulti bis in den Vorstand gebracht. Roels sah jedoch bei Shell keine Aufstiegschancen mehr. Bereits im Januar hatte er deshalb angekündigt, Ende Juni auszuscheiden.

In der Branche gilt Roels als Kandidat des Großaktionärs Allianz. "Das ist unser Mann", bestätigte ein hochrangiger Manager des Münchener Finanzkonzerns. Die Allianz hat wiederholt angekündigt, sich von ihren Industriebeteiligungen zu trennen. Roels könnte deshalb die Aufgabe zukommen, den traditionell großen Einfluss von Politik und Kommunen bei RWE einzudämmen, um damit auch den Wert der Allianz-Beteiligung zu steigern. Der Niederländer übernimmt eine heikle Aufgabe. Denn unter Vorgänger Kuhnt ist aus dem regionalen Stromerzeuger RWE ein international agierender Versorgungskonzern geworden. Binnen weniger Monate hat RWE für Milliardensummen Gas, Strom-, und Wasserversorger etwa in Großbritannien oder Tschechien übernommen.

Quelle: Handelsblatt

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