Shopping per Fernseher erlebt rasantes Wachstum
QVC wächst mit telegenen Heizdecken

Wer kauft schon im Internet-Kaufhaus? Die anfangs noch belächelten Teleshopping-Kanäle dagegen kennen keine Krise. Statt dessen boomt ihr Geschäft, neue Wettbewerber drängen ins Geschäft. QVC, die Nummer zwei im deutschen Markt, rüstet sich mit Millioneninvestitionen.

DÜSSELDORF. Der Einkaufskanal QVC GmbH rüstet sich mit Investitionen von rund 190 Mill. DM für den verstärkten Wettbewerb auf dem Teleshopping-Markt. Mit dem Einzug in ein neues, 1100 qm großes Gebäude im Düsseldorfer Hafen im Juli verzehnfacht QVC seine Studiofläche und will so den Umsatz in den nächsten Jahren kräftig steigern.

20 Mill. DM steckt QVC in den Ausbau und die technische Ausrüstung der neuen Studios. Die restlichen Investitionen fließen in ein zusätzliches Call-Center und ein neues Distributionszentrum mit Outlet-Store in Hückelhoven bei Aachen. QVC plant im vierten Quartal dieses Jahres erstmals die Gewinnzone zu erreichen.

"Wir haben weltweit Erfahrung und Erfolg. Das gleiche wollen wir auch in Deutschland erreichen", sagte Geschäftsführer Francis Edwards im Gespräch mit dem Handelsblatt. QVC setzte im vergangenen Jahr 290 Mill. DM um und konnte damit den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 54 % steigern.

Den Markt des Heizdecken-, Modeschmuck- und Kochtopfversands teilt sich QVC mit dem Marktführer Home Shopping Europe AG (HSE) und dem im März gestarteten RTL- Shop. Das aus den USA importierte Konzept fußt auf improvisierten Live-Beiträgen mit niedrigen Produktionskosten.

Eine Sendeminute kostet in der Produktion 50 bis 70 DM, während ein Fernsehfilm im Vergleich mit rund 20 000 DM pro Minute zu Buche schlägt. Die überwiegend weiblichen Zuschauer ordern über eine kostenlose Bestellnummer.

Etwa 18 000 Artikel halten QVC und HSE auf Vorrat, am Tag werden bei QVC rund 300 davon im sechsminütigem Takt vorgestellt. Auf Grund der Verkaufszahlen, die sich minutengenau verfolgen lassen, entscheiden die Sender, ob die Ware erneut angeboten wird.

André Wiegand, Spezialist für digitales Fernsehen beim Beratungsunternehmen Goldhammer Medienberatung, sieht eine solide Basis für die Teleshopping-Sender: "Der Versandhandel per Katalog ist in Deutschland seit Jahrzehnten fest etabliert. Die Shoppingkanäle können auf das vertraute Medium Fernsehen setzen, während Internet-Kaufhäuser im Netz ein Vertrauensproblem haben."

Bei Goldhammer geht man bis 2005 von einem Umsatzpotenzial von drei Mrd. DM in Deutschland aus. "Teleshopping verzeichnet eine konstant hohe Wachstumsrate", sagt Wiegand, "während stagnierende Werbeeinnahmen die Umsätze von TV-Sendern drücken."

Das Beratungsunternehmen erwartet, dass Einkaufssender neue Produkte wie die von HOT eingeführten Reisekanäle Erfolg bringen. "Die Reise-Kanäle funktionieren in Großbritannien schon sehr gut", sagt Wiegand.

Das anfangs belächelte Teleshopping-Geschäft entwickelte sich seit der Gründung des ersten Senders HSE-Vorgängers HOT im Jahr 1995 rasant. Im Jahr der Markteinführung 1996 startete QVC Deutschland noch mit 25 Mill. DM Umsatz. Bis heute konnte das Unternehmen sein Ergebnis um 725 % steigern. QVC erreicht mit seinem Programm via Kabel und Satellit inzwischen 29 Mill. Haushalte.

Olaf Roik, zuständig für E-Commerce beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels in Berlin, beobachtet den Markt hingegen skeptisch: "Der Erfolg des TV-Shoppings beruht auf dem allgemeinen Trend zur Bequemlichkeit", sagt er. Das Konzept selbst begrenze die Wachstumsmöglichkeiten: "Ohne ausgiebige Erklärungen funktioniert Teleshopping nicht. So können die Sender nur eine begrenzte Anzahl von Produkten vorstellen, die sich zudem schnell wiederholen und stark ähneln." Die Präsentationen haben nach seiner Ansicht wenig Reiz für die meisten Verbraucher: "Letztlich will der Kunde doch eine Auswahl."

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