Shoppingsender erwarten durch die Währungsunion mehr Preistransparenz und einfachere Rechnungsstellung
Euro erleichtert das Einkaufen per TV

Die Einführung des Euros zu Jahresbeginn unterstützt das boomende Geschäft mit dem Einkaufen über das Fernsehgerät. Die beiden Marktführer Home Shopping Europe und QVC erwarten sich von der gemeinsamen europäischen Währung für die internationalen Kunden mehr Preistransparenz.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Das einst belächelte Geschäft der Shoppingkanäle mit Goldkettchen und Heizdecken hat sich zu einem lukrativen Milliardenmarkt entwickelt. Eine gemeinsame Währung in der Europäischen Union unterstützt die stürmische Entwicklung der Einkaufssender. Der Euro sorgt für mehr Klarheit bei den Preisen. Verwirrende Fenster auf dem Bildschirm mit den jeweiligen Währungen gehören nach dem 1. Januar der Vergangenheit an.

Längst werden Programme wie Home Shopping Europe oder QVC per Satellit länderübergreifend ausgestrahlt. Doch erst mit dem Euro werden die Preise für alle Zuschauer außerhalb der DM-Zone auf einem Blick vergleichbar. "Aus Sicht unserer Kunden wird das Einkaufen über das Fernsehen erleichtert" , erklärt Alexandra Brune, Sprecherin der Home Shopping Europe AG, München. Derzeit verkauft der Marktführer unter den deutschsprachigen Shoppingkanäle seine Ohrringe, Uschi-Glas-Kosmetik oder Heimwerkartikel noch mit einem Bildschirmhinweis in vier Währungen (DM, Euro, Schilling, Franken). Doch diese Maske - so der interne Begriff für die Preisschilder auf dem Bildschirm - wird in wenigen Wochen der Vergangenheit angehören. "Für unsere Kunden wird der Bildschirm durch nur noch eine Preisangabe künftig übersichtlicher."

Auf mehr Übersichtlichkeit und Bequemlichkeit setzt auch die in Düsseldorf ansässige deutsche Tochter des amerikanischen Einkaufssender QVC. Seit Anfang Juli zeichnet der Shoppingkanal seine Preise in DM und Euro aus. "Gerade für die Kunden in Österreich erleichtert die Angabe in Euro die Preisorientierung", erklärt QVC-Sprecherin Andrea Gerards. Das deutschsprachige Programm wird per Astra-Satellit schon jetzt bis nach Osteuropa und Nordafrika ausgestrahlt. Über das Programmfenster auf NBC ist QVC täglich mehrere Stunden bis in den Nahen Osten zu empfangen. "Für diese Zuschauer wird durch den Euro die Einschätzung eines Preises natürlich viel einfacher", so die QVC-Sprecherin.

Die Einkaufskanäle erwarten sich von der Währungsunion aber auch Einsparung im Finanzmanagement "Die umständliche Rechnungsabwicklung wird schon bald für uns überflüssig", prognostiziert Alexandra Brune von Home Shopping Europe. Bisher läuft bei dem Einkaufssender die Rechnungsstellung für österreichische Kunden in Schilling noch umständlich über dort ansässige Partnerfirmen. Diese Unternehmen transferieren dann die Einnahmen in die Unternehmenszentrale nach München. QVC erwartet jedoch nicht nur praktische Vorteile bei der Rechnungsabwicklung, sondern auch einen höheren Druck auf die Banken, den internationalen Zahlungsverkehr zu verbilligen. Noch immer sind Überweisungen innerhalb der EU ein vergleichsweise teures Vergnügen. Da sich die Shoppingkanäle vor allem als Sprachraumfernsehen verstehen, hoffen sie auf baldige Erleichterung im europäischen Zahlungsverkehr.

Für die gebeutelte Fernsehbranche spielen die Shoppingkanäle ein zunehmend wichtige Rolle. Da die Werbeeinnahmen stagnieren oder gar zurück gehen, suchen Konzerne wie die Kirch-Gruppe oder RTL Group nach neuen Erlösquellen. Mit dem im März gestarteten Einkaufskanal RTL Shop testet der zur Bertelsmann AG gehörende TV-Konzern den Markt.

Das Umsatzpotenzial liegt nach einer Schätzungen der Gold Media Consulting & Research, Berlin, bei 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2006. Trotz des verschärften Wettbewerbs sind die Umsatzsprünge noch groß. Die von dem früheren Kirch-Manager Georg Kofler geführte Home Shopping Europe setzte im 475 Mill. DM im letzten Jahr. "Wir erwarten auch für das laufende Jahr zweistellige Umsatzzuwächse", so Sendersprecherin Brune.

QVC Deutschland - Dezember 1996 gestartet - erzielte letztes Jahr einen Umsatz von 290 Mill. DM um. Für 2001 prognostiziert Senderchef Francis Edwards mit dem Verkauf von Schmuck, Haushaltswaren, Nahrungsergänzung und Fitness etwa 400 Mill. DM.

Unterdessen treibt die Home Shopping Europe AG, an der auch Thomas Kirch beteiligt ist, die europäische Expansion voran. Bisher ist der Konzern schon im italienischen, französischen, niederländischen Sprachraum aktiv. Nun will Vorstandschef und Gesellschafter Kofler den britischen Markt, den bisher QVC dominierte, angreifen. Am kommenden Donnerstag wird Kofler auf den Münchner Medientagen seine neue Europa-Strategie vorstellen.

Entwicklungsmöglichkeiten gibt es im T-Commerce, wie sich die Branche gerne nennt, noch viele. Beispielsweise will die zur Pro Sieben Sat 1 Media AG gehörende Euvia Media AG, München, im deutschsprachigen Raum ab nächstes Jahr mit einem eigenen Sender namens "Sonnenklar" das große Reisegeschäft starten. Schon derzeit läuft auf dem Euvia-Sender Neun Live, der wegen seiner billig produzierten Anrufs-Shows in die Kritik geriet, täglich ein dreistündiges Programmfenster mit dem Verkauf von Reisen. Traditionell besteht das Erfolgsgeheimnis des Einkaufens am Bildschirm in der Bequemlichkeit für den Kunden. Ob dieses Konzept beim neuen Reisekanal der Euvia-Vorstandschefin Prinzessin Christiane zu Salm aufgeht, ist noch unklar. Eines steht jedoch schon fest: Die gemeinsame Währung zwischen Portugal bis Finnland wird Bestandteil einer neuen Bequemlichkeit vom Wohnzimmer grenzenlos einzukaufen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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