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Sicher ist sicher

Es gibt vermutlich kaum eine Stadt, die multikultureller ist als London. Der lange währende Boom hat Menschen aus aller Herren Länder angezogen, die hier arbeiten. Das reicht vom Investmentbanker aus Neuseeland über den Studenten aus Indien bis zum Handwerker aus Polen.

Es gibt vermutlich kaum eine Stadt, die multikultureller ist als London. Der lange währende Boom hat Menschen aus aller Herren Länder angezogen, die hier arbeiten. Das reicht vom Investmentbanker aus Neuseeland über den Studenten aus Indien bis zum Handwerker aus Polen. Die Briten brauchen hoch qualifizierte Arbeitskräfte ebenso wie Hilfsarbeiter, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Erstaunlich ist bei all dem jedoch, wie schwer es Neuankömmlingen gemacht wird, nach der Einreise elementarste Dinge zu regeln. Weder Behörden noch Unternehmen trauen den Zuwanderern sonderlich über den Weg. Das habe ich in den vergangenen Monaten vielfach erfahren.
Zum Beispiel die Wohnungssuche. Möblierte Zimmer aller Komfortklassen gibt es reichlich. Kein Problem, doch die Miete plus Kaution plus Verwaltungsgebühr plus Mehrwertsteuer wird bitte im Voraus bezahlt. Ja, die ganzen vier Monate. Nein, eine Auslandsüberweisung akzeptieren wir nicht und auch keinen Scheck. Also musste ich tagelang 200-Pfund-weise Geld bei verschiedenen Banken abheben und mit mir herumtragen, bis ein dickes Bündel beisammen war, das mir abends in dunklen U-Bahn-Gängen ziemlich schwer in den Taschen lag. Zusätzlich konnte ich meine Bank in Deutschland überreden, mein Kreditkartenlimit kurzfristig zu verdoppeln. Als ich die Geldscheine im Maklerbüro aufstapelte und der Agent nachgezählt hatte, bekam ich dann auch den Schlüssel.
Warum ich nicht einfach von meinem britischen Bankkonto überwiesen habe? Tja, das hatte ich da noch nicht und das habe ich dreieinhalb Monate später noch immer nicht. Das wäre gleich die nächste Geschichte. Erster Besuch bei einer Bank: Ach, gar kein Problem, füllen Sie einfach diesen Antrag aus und kommen Sie wieder. Zweiter Besuch: Nein, da brauchen wir natürlich eine Gasrechnung (oder Strom oder Wasser) mit der Adresse drauf oder einen anderen Nachweis, dass Sie es sind und wo Sie wohnen. Die gibt es allerdings bei möblierten Wohnungen nicht, weil da der Verbrauch mit der Miete abgegolten wird. Hmm, na dann den Mietvertrag. Und den Reisepass bitte, der Personalausweis reicht nicht. Ach ja, und Kontoauszüge über die letzten drei Monate von der Bank in Deutschland.
An dieser Stelle verlangte ich eine vollständige Liste, damit wir beim nächsten Mal alles erledigen können. Nein, mehr wäre nicht. Dritter Besuch: Der Schalter-Verwalter zückt eine mehrseitige Checkliste. Eine schriftliche Bescheinigung von der Bank in Deutschland soll es nun sein. Und die Gasrechnung? Haben Sie nicht? Ach so. Na dann brauchen wir aber irgendwas anderes, aus dem Ihre britische Adresse hervorgeht. Nein, der Mietvertrag reicht nicht. Als der Mann vorschlägt, doch einen britischen Führerschein zu beantragen, den ausgefüllten und abgestempelten Antrag werde er dann gerne als Nachweis akzeptieren, zerreiße ich das Konto-Formular und stürme hinaus.
Bei der nächsten Bank verbringe ich anschließend eine Stunde und vierzig Minuten mit einer freundlichen Dame beim Ausfüllen von Formularen. Ein Glück, dass ich mich sofort an biographische Details wie meine vorherigen drei Adressen in Deutschland und den Geburtsnamen meiner Mutter erinnere. Dann fehlt nur noch die Bescheinigung der deutschen Bank. Kein Problem, ich rufe meine Kundenberaterin dort an. Neinnein, das geht nicht. Sie könnten sich ja mit ihr abgesprochen haben! Also geht erst ein Brief und dann ein paar Wochen später noch einer an "The Branch Manager" an die Niederlassung einer deutschen Großstadt hinaus. Ein Konto habe ich noch immer nicht.
Was bei der Steuerbehörde keine große Begeisterung hervorrief. Aber lassen wir das für heute...


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