"Sichere und deutliche" Zinssenkung erwartet
Dax schließt sehr fest

Der Dax konnte zum Handelsende deutlich zulegen und schloss bei über 5 787 Punkten. Tagesgewinner ist SAP mit einem Plus von rund 8 %.

vwd FRANKFURT. Sehr fest schließen die deutschen Aktienmärkte in Erwartung einer "sicheren und deutlichen" Zinssenkung am Dienstagabend. Der Dax legt deutlich zu um 130,60 Punkte oder 2,31 % auf 5 787,92 Punkte und schließt damit nahe seines Tageshöchststandes. Die Vorfreude auf die "mit Sicherheit" zu erwartende Zinssenkung habe die Kurse getrieben, hieß es im Handel. Dabei sei der Kaufdruck aber weniger von Seiten neuer Käufer gekommen. Vielmehr hätten Marktteilnehmer, die auf weiter stark fallende Kurse gesetzt hatten, nicht "ins offene Messer laufen wollen". Sie sollen im Tagesverlauf ihre Eindeckungskäufe vorgenommen haben, hieß es.

Besonders stark gesucht wurden Technologiewerte und die zinsempfindlichen Banken. Tagesgewinner sind SAP im Dax mit rund 8 % im Plus und nach sehr guten Geschäftszahlen MLP mit fast 10 %. Nicht gefragt waren dagegen die defensiven Maschinenbau- und Versorgungs-Werte. Der Aufschwung wurde von einer deutlichen Mehrheit der Aktien getragen: Auf rund sechs Gewinner kamen vier Verlierer. Nur die Umsätze seien etwas unterdurchschnittlich gewesen, monierten Händler. Daher sei es "wohl noch etwas zu früh, um auf eine komplette Trendwende zu schließen".

US-Zinsentscheid galt den Tag über als sicher

Der Markt sei "den ganzen Tag davon ausgegangen", dass die erst kurz nach deutschem Börsenschluß um 20.15 Uhr MEZ bekanntgegebene Zinsentscheidung "nur im Ausmaß unsicher ist", berichteten Händler. Dabei habe sich die Spekulation auf 0,5 Prozentpunkte konzentriert. Davon abweichende Senkungen wurden als negativ interpretiert: "Sollte die Zentralbank um mehr als 0,5 Prozentpunkte senken, gäbe sie zu, dass die Wirtschaft noch schlechter läuft, als bisher von ihr selbst zugegeben", hieß es dazu. Ein "Weniger" führe dagegen "automatisch zur Enttäuschung" und damit fallenden Kursen.

Trotz der Gewinn- und Umsatzwarnung der niederländischen Philips wegen ihres schwächeren Halbleiter-Geschäfts führten Technologiewerte den deutschen Markt. Obwohl mit negativen Auswirkungen der Meldung vor allem für die mit Philips vergleichbare Siemens gerechnet worden war, erwiesen sich Siemens "als Nutznießer" und legten um rund 3,6 % zu auf 117,20 Euro. "Der Markt ist nachrichtengetrieben", hieß es zur Erklärung. Schlechte Nachrichten für Philips führten dann zu Portfolio-Umschichtungen "raus aus Philips und rein in Siemens". Den an sich negativen Ausblick für die Branchen sehe man nicht mehr, sagten Händler: "Das niedrigere Halbleiter-Wachstum war bekannt - die Nachricht nur nachgereicht".

Sämtliche Halbleiterwerte haben profitiert

Von dieser Interpretation profitierten sämtliche Halbleiterwerte. Infineon gewannen 3,7 % auf 40,45 Euro, Epcos 6,1 % auf 66,00 Euro, nachdem sie zwischenzeitlich sogar Tagesgewinner mit rund 9 % im Plus waren. Epcos gefielen dem Markt mit der Ankündigung eines Kostensenkungs-Programmes. SAP-Vorzüge legten über 7,2 % auf 137,30 Euro zu. Deutsche Telekom wurden nach Händlerangaben "stark nachgefragt" und zogen um 5,2 % auf 26,62 Euro an.

Auch Finanzwerte konnten deutlich zulegen. Besonders die Verlierer der letzten Abwärtsbewegung wie Allianz und Deutsche Bank lagen vorne. Allianz legten um 3,2 % zu auf 324,90 Euro und Deutsche Bank um 4 % auf 81,60 Euro. Chemie und Pharma wurden ebenfalls gut nachgefragt. Hier scheine sich "die Stimmung für die ganze Branche zu drehen", hieß es aus dem Handel. Schering gewannen 3,9 % auf 53,51 Euro, Bayer 0,9 % auf 48,97 Euro. Bis auf BMW profitierten auch Autowerte. VW legten in Erwartung guter Zahlen auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag um knapp 3 % zu auf 55,79 Euro. In der zweiten Reihe legten MLP nach als "sehr günstig" aufgenommenen Aussagen zur Geschäftsentwicklung rund 10 % zu auf 102,50 Euro und waren damit Tagesgewinner.

Verlierer des Tages ist die Deutsche Post

Verlierer des Tages unter den Einzeltiteln waren Deutsche Post, die unter Gewinnmitnahmen nach der Dax-Aufnahme sowie einer drohenden Strafe der EU-Kommission wegen angeblichen Preis-Dumpings der Paketzustellung litten. Deutsche Post fielen um 5,2 % auf 20,75 Euro. Abwärts ging es auch mit den Versorger-Werten. Eon und RWE verloren nach einer Ankündigung von Siemens, sich zunächst aus dem Projekt "Tefonieren über das Stromnetz" zurückziehen zu wollen. Händler verwiesen auf die in den Versorgern eingepreiste Euphorie für dieses Projekt. Eon gaben 1,6 % auf 49,80 Euro und RWE um 1 % auf 37,25 Euro nach.

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