Sicherheit an deutschen Schulen
Schulen sollen kein Hochsicherheitstrakt werden

Metalldetektoren, Bodyguards, Videoüberwachung und ständig ein Polizeiauto vor der Tür. Die Schule als "Festung" oder gar "Hochsicherheitstrakt"? Solche Bilder aus den USA sollen nach übereinstimmenden Äußerungen von Politikern und der großen Lehrerorganisationen trotz des dramatischen Amoklaufes von Erfurt auch künftig in Deutschland nicht zum Alltag gehören. Doch ein Nachdenken über mehr Sicherheit in Schulgebäuden ist angesagt.

dpa BERLIN. Sinnvoll sind aus Expertensicht zumindest eine ständig besetzte Pforte am Schuleingang, ein versteckter Alarmknopf und eine direkte Leitung zum nächsten Polizeirevier. Gerade aber die Schulpförtner haben die Kommunen in den letzten Jahren zunehmend eingespart, beklagten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE).

Bei 40 000 Schulen ist das natürlich ein bedeutender Kostenfaktor. Der Beruf des Pedells, der früher in der Schule nebenbei auch kleinere Handwerksarbeiten ausführte, ist heute zum Auslaufmodell geworden.

Aber hätte ein Pförtner den Amoklauf von Erfurt verhindern können? Wohl kaum, sagen die Fachleute übereinstimmend. Allenfalls ein früherer Alarm und schnellere Hilfe wären möglich gewesen. Gleiches gilt für den Mord einer Lehrerin in Meißen unmittelbar vor den Augen der Schulklasse (1999) sowie für den Amoklauf in einer Freisinger Schule, wo erst im Februar ein bis an die Zähne bewaffneter 22- Jähriger mehrere hundert Schüler stundenlang in Todesangst versetzte.

Fortbildung in Deeskalationstechniken

Auch die Fortbildung der Lehrer in Deeskalationstechniken, mobile Kriseninterventionsteams, wie sie in Bayern nach dem Freisinger Vorfall gebildet wurden, oder die Ausbildung von ausgewählten Schülern als Streitschlichter bei gewaltsamen Auseinandersetzungen auf dem Schulhof wie in Nordrhein-Westfalen - alles das kann grundsätzlich helfen. Doch das Erfurter Drama, so sagen die Psychologen und Schulforscher übereinstimmend, hat in seinem Ausmaß alles bisher Denkbare in den Schatten gestellt.

Erziehungswissenschaftler, wie der Bielefelder Schulforscher Klaus-Jürgen Tillmann warnen denn auch davor, die Debatte über Erfurt und auch über die Bluttaten von Meißen und Freising mit der notwendigen Auseinandersetzung über Prügeleien und andere Gewalt unter Schülern in gleichem Atemzug zu führen. Auch der Gießener Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter zieht einen deutlichen Trennstrich zwischen solchen mörderischen Amokläufern auf der einen und "Störern" und "Schlägertypen" auf der anderen Seite.

Gewaltvideos und Killerspiele

Die Psychologen sind sich uneins darüber, wie weit tatsächlich Gewaltvideos, Killerspiele oder selbst eine angeblich zunehmende "Verrohung" in den normalen Fernsehkrimis Jugendliche wie Erwachsene zur Nachahmung animiert oder zumindest die Hemmschwelle bei der Anwendung von Gewalt reduziert. Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) warnen einhellig vor dieser alltäglichen Gewöhnung "an Gewalt als Abendunterhaltung". Stoiber will ein "sofortiges Verbot" solcher Videos.

Doch die Gewalt kommt zu den Jugendlichen heute nicht nur aus der "virtuellen Welt" der Computerspiele und Horrorvideos: Allein die täglichen Nachrichten im Fernsehen über die verherenden Wirkungen von Selbstmordattentaten und dem "Märtyrertod" junger Palästinenser, über Bürgerkriege und Terroranschläge stellen nach Auffassung der Erziehungswissenschaftlern die Schule wie die Eltern vor völlig neue Herausforderungen.

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