Sicherheit und Beratungsqualität stehen auf dem Spiel
Bankenkrise fordert ihren Tribut

König Kunde wird nach Befürchtungen von Verbraucherschützern in der Bankenkrise zum teuren Luxus für die Kreditwirtschaft. Er müsse in Folge des Trends zu Automaten, Internet und Provisionszahlungen an die Mitarbeiter mit schlechterer Beratung, mangelnder Sicherheit und mehr Problemen bei Kreditwünschen rechnen, so die Kritik.

HB/dpa FRANKFURT. "In erster Linie machen wir uns jetzt Sorgen, dass die Sicherheit der Bankgeschäfte auf der Strecke bleibt", sagte die Expertin für Finanzdienstleistungen vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Maren Geisler, in einem dpa-Gespräch.

Die Kreditinstitute sehen sich zu Unrecht in der Kritik. Trotz der Sparwellen wegen der anhaltend schlechten Ertragslage gebe es in Deutschland immer noch mehr Bankangestellte als in Frankreich und Italien zusammen, halten sie den Vorwürfen entgegen.

Als einzigen Weg aus der Misere sehen Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute derzeit den Dreh an der Kostenschraube. Beim Branchenprimus Deutsche Bank ist beispielsweise jede vierte der rund 1000 Zweigstellen betroffen, der angekündigte Personalabbau weltweit summiert sich auf 14 500. Die Sparkassen haben nur noch etwa zwei Drittel der Niederlassungen wie vor zehn Jahren.

Sicherheitslücken im Internet gelten im Vergleich zur Gefahr ausgespähter Zahlencodes bei Überweisungen am Automaten als noch riskanter. "Hier muss der Kunde nach derzeitiger Rechtslage sogar nachweisen, wenn Online-Daten von ihm geklaut worden sind", bemängelte Geisler. Die Verbraucherschützer drängen daher auf eine Änderung der bestehenden Gesetze: Das Kreditinstitut soll belegen müssen, ob alles einwandfrei gelaufen ist. "Bislang ist keinem Kunden ein reeller Schaden entstanden, es ist nur eine theoretische Gefahr", entgegnete ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) auf die Kritik.

Mit Provisionszahlungen an Mitarbeiter versuchen die Geldhäuser momentan verstärkt, den Verkauf einiger Produkte zu forcieren. Auch bei den laufenden Tarifverhandlungen zeichnet sich ab, dass ein Teil der Gehaltserhöhungen an die Leistung der Bankangestellten gekoppelt werden soll. Der Berater könnte also mehr an den eigenen Profit als an die Vermehrung des Kundenvermögens denken. Die Mitarbeiter der Commerzbank werden bereits verstärkt geschult, um bei Gesprächen schneller zu mehr Abschlüssen zu kommen. Die Erinnerung an das Provisionsgeschäft der Banken mit "Schrottimmobilien an der Haustür" zu Beginn der 90er Jahre ist bei den Verbraucherschützern noch frisch. Dort gebe es allein 300 000 Geschädigte, berichtete Geisler.

Angesichts der immer schwierigeren Ertragslage der Kreditinstitute zeichnen sich ihrer Ansicht nach auch Restriktionen bei der Kreditvergabe ab. Künftig werde die Zahlungsfähigkeit bei einem Darlehenswunsch noch strenger geprüft und seltener eine Zusage erteilt. Damit wollen die Geldhäuser das Risiko von faulen Krediten von vornherein einschränken. Not leidende Darlehen durch die Konjunkturflaute sind ein Grund für die Misere der Institute. Gerade die Sicherheiten von Privaten sind bei Ausfällen kaum verwertbar. "Natürlich hat eine schlechte Ertragslage auch bei uns einen direkten Einfluss auf die Kreditvergabe", räumte der Sparkassen-Sprecher ein. Aber bis September sei der Darlehensbestand im Privatkundenbereich im Vergleich zu Ende 2001 noch um zwei Prozent gewachsen.

Darüber hinaus wird durch die zahlreichen Filialschließungen künftig außerhalb der großen Städte der Weg in die nächste Schalterhalle immer länger. "Vor allem für die älteren Menschen ist dies ein Problem", so Geisler.

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