Sicherheits-Manipulation vermutet
Atomaufsicht überprüft Vorgänge in bayerischem AKW

Wegen angeblich mangelhafter Informationen über die Sicherheit des bayerischen Atomkraftwerks Isar I hat sich die Atomaufsicht eingeschaltet. Der abgeschaltete Reaktor in Essenbach bei Landshut solle "umfassend" überprüft werden, teilte das bayerische Umweltministerium am Donnerstag mit.

dpa ESSENBACH. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach Mitarbeiter des Kraftwerks nur unvollständig Informationen an den Technischen Überwachungsverein (TÜV) weitergeleitet haben sollen. Der Energiekonzern E.ON als Betreiber der Anlage suspendierte zwei Beschäftigte vorläufig vom Dienst.

Isar I ist bereits das zweite süddeutsche Kraftwerk, dessen Betreiberfirma wegen mangelhafter Informationen an den TÜV in der Kritik steht. Erst am Mittwoch hatte der TÜV dem Betreiber des Atomkraftwerks Philippsburg, der Energie Baden-Württemberg (EnBW), vorgeworfen, wesentliche Erkenntnisse wochenlang unterschlagen zu haben. Der zweite Block des AKW Philippsburg ist wegen der Sicherheitspannen seit Montag vom Netz.

Auf die Vorgänge in Isar I wurde der TÜV nach eigenen Angaben durch anonyme Hinweise aufmerksam, die er an das Umweltministerium in München weiterleitete. Wegen der fehlenden Akten soll das Gutachten eines TÜV-Experten nicht korrekt gewesen sein. Dabei ging es um eine Gesamtbewertung der Nachrüstmaßnahmen, mit denen zwischen 1982 und 1998 die Sicherheit des Atomkraftwerks verbessert werden sollte.

Trotz der Anonymität der Vorwürfe werde die Sache "sehr ernst genommen", hieß es im zuständigen Ministerium. Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) habe von E.ON die vollständige Aufklärung des Sachverhalts verlangt. Die E.ON Kernkraft GmbH in Hannover kündigte an, dass das 1977 in Betrieb genommene Kraftwerk erst nach Klärung der Vorwürfe wieder ans Netz gehe. Derzeit befinde sich die Anlage in Revision und sei deshalb ohnehin abgeschaltet.

In Philippsburg hatte die EnBW Ende August festgestellt, dass im Block II des Atomkraftwerkes der Borsäuregehalt in drei von vier Flutbehältern unter dem vorgeschriebenen Wert lag. Der TÜV schätzte dann in einem Gutachten vom 26. September das Vorgehen der EnBW zunächst als richtig ein. Erst bei einer Sitzung der zuständigen Reaktorsicherheits-Kommission (RSK) am 5. Oktober erhielt der TÜV nach eigenen Angaben dann aber weitere Informationen, die zu einer Höherstufung des Zwischenfalls zwangen.

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