Sicherheitsapparat soll Schuld sein am Tod von oppositionellen Journalisten
Ukrainischer Geheimdienstchef entlassen

dpa MOSKAU. Der wegen des Verschwindens eines Journalisten in Bedrängnis geratene ukrainische Präsident Leonid Kutschma hat seinen umstrittenen Geheimdienstchef Leonid Derkatsch entlassen. Nach einer Sitzung des Sicherheitsrates entzog der Präsident am Samstag auch dem Kommandeur der Nationalgarde, Wladimir Schepel, das Vertrauen, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. In der Hauptstadt Kiew wollten am Sonntagabend erneut Tausende für eine "Ukraine ohne Kutschma" auf die Straße gehen.

Regierungsgegner machen Kutschma und dessen Sicherheitsapparat für die mutmaßliche Ermordung des oppositionellen Journalisten Georgi Gongadse verantwortlich. Mehr als 5000 Menschen hatten bereits am vergangenen Dienstag in Kiew für eine Aufklärung des Schicksals des bis zu seinem Verschwinden weitgehend unbekannten Gongadse demonstriert.

Im Arbeitszimmer Kutschmas soll dessen Anordnung zur "Beseitigung" Gongadses von einem Leibwächter auf Tonband aufgenommen worden sein. Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt die Existenz der Kassette bestätigt, jedoch von einem "künstlichen Zusammenschneiden" der Worte Kutschmas gesprochen.

Die Entlassung des Geheimdienstchefs Derkatsch sei "noch ein direkter Beweis" für die Echtheit des Tonbands, kommentierte der Oppositionsführer Alexander Moros die Entscheidung Kutschmas. Der ukrainische Präsident räumte zuletzt ein, möglicherweise den Namen Gongadse in Gesprächen erwähnt zu haben. Den Befehl, einen Menschen zu töten, habe er aber auf keinen Fall gegeben, beteuerte Kutschma.

Der russische Präsident Wladimir Putin wurde am Sonntagabend zu einem Besuch in der ukrainischen Rüstungsmetropole Dnjepropetrowsk erwartet. Putin hatte die jüngsten Konflikte zuvor als innere Angelegenheit der Ukraine bezeichnet. Der innenpolitische Kampf sei ein Anzeichen für eine normale demokratische Gesellschaft, kommentierte Putin die Ereignisse in Kiew.

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