Sicherheitsbranche erwartet Umsatzplus durch Euro-Tausch
Transportfirmen fürchten logistische Engpässe

Die Belieferung großer Handelshäuser mit Euro-Bargeld ist zum großen Teil noch nicht geplant. Viele Handelsfirmen schweigen sich aus. Die Geldspediteure rechnen mit einem Umsatzanstieg.

29.3.2001 DÜSSELDORF. Deutsche Geld-Spediteure befürchten große logistische Probleme während des Umtauschs von D-Mark zu Euro: "Wir wissen überhaupt noch nicht, wann wir was wohin bringen sollen. Das macht die Planung momentan fast unmöglich", sagte Harald Olschok, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste im Gespräch mit dem Handelsblatt.

"Es wird allerhöchste Zeit, dass der Handel uns seinen genauen Bedarf mitteilt", fordert er. Andernfalls, so Olschok weiter, könne es ab dem 1. September, wenn die Banken Euro-Bargeld ausgeben, zu Engpässen kommen, weil Transportfirmen die unkontrollierte Auftragsflut nicht mehr bewältigen.

Bisher hat nur knapp die Hälfte der großen Handelshäuser ihren Logistikpartnern gemeldet, in welchem Umfang sie am so genannten Sub-Frontloading teilnehmen - also welche Geldmengen sie zu welchem Zeitpunkt von ihren Hausbanken abholen lassen.

"Kleine und mittlere, also rund 90 % der Händler, sind im Verzug", bestätigt Kathrin Pingel, Referentin beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Allerdings betont sie: "Kleine Handelsfirmen holen sich das Geld ohnehin meist selbst von der Bank ab." Das zeige eine Umfrage, die der HDE derzeit bei seinen Mitgliedern mache.

Die 150 deutschen Werttransportfirmen, die im vergangenen Jahr fast 590 Mill. DM Umsatz machten, haben bislang nur Hochrechnungen angestellt. In Branchenkreisen geht man davon aus, dass sie ihre Kapazitäten zum 1. September, dem Beginn der Frontloading-Phase, um maximal 25 % ausbauen.

Versicherungen schreiben für Banknoten-Transporte höchste Sicherheitsstandards vor, die nur Panzerwagen erfüllen. "Es wird sich aber kaum jemand für den kurzen Zeitraum vom 1.September bis zum 28. Februar neue Fahrzeuge kaufen", glaubt Verbandschef Olschok. "Das lohnt sich nicht, weil solche Kapazitäten hinterher nicht mehr gebraucht werden." Also können die Firmen lediglich Ersatzinvestitionen vorziehen und jetzt Transporter kaufen, die sie langfristig ohnehin angeschafft hätten. Oder sie weichen auf Miet-Laster aus.

An der Basis gibt man sich gelassen. "Der Informationsstand könnte besser sein. Aber ich erwarte nicht, dass am 1. September alles zusammenbricht", sagt Ralf Breuner, Prokurist bei der Hannoverschen Geld- und Werttransporte GmbH, nach Securitas in Düsseldorf die Nummer zwei der Branche.

Breuner fühlt sich gerüstet: Für Münztransporte wird er 10 Lkw mieten. Den Fuhrpark von 250 Panzerwagen erweitert er um 40 neue Fahrzeuge, stockt sein Personal kurzzeitig von 1 100 auf 1 400 Leute auf. Zusätzlich baut er sechs Hochlager, die nachher wieder geschlossen werden. "Allein in Braunschweig rechnen wir mit 700 Tonnen Bargeld", sagt Breuner. "Die müssen ordentlich gelagert und bewacht werden - selbst wenn es dabei nur um Münzen geht."

Der Umsatz werde durch den Euro-Umtausch auf jeden Fall zulegen, sagt Breuner. Ähnliches erwarten auch andere Firmen der Sicherheitsbranche. Beispiel Banknoten-Prüfgeräte: Solche Apparate für bis zu 4 000 DM pro Stück analysieren Sicherheitsmerkmale von Geldscheinen, etwa per UV-Licht. "Zur Euroeinführung wird sich die Zahl der Neuanschaffungen hier ungefähr verfünffachen", schätzt Burkard Strieter, Geschäftsführer des Chemnitzer Herstellers BS Banktechnik GmbH.

Bei Giesecke & Devrient in München erwartet man ebenfalls "einen kleinen Investitionsschub", sagt Sprecherin Elke Buchwald. Die Bayern, die als einzige deutsche Privatdruckerei Euro-Scheine drucken dürfen, stellen Prüf- und Zählmaschinen für Großbanken her - mit Listenpreisen von 80 000 bis 2 Mill. DM. "Unsere Maschinen lassen sich alle problemlos auf den Euro umrüsten", sagt Buchwald. "Es muss meist nur eine neue Software auf den Geräten installiert werden, neue Sensoren sind nur für wenige Maschinen notwendig."

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