Archiv
Sicherheitsdiskussion in Formel 1 wieder entbrannt

Obwohl die Einschlagstelle ausgangs der Boxengasse nach Michael Schumachers Testunfall vor dem Großen Preis von Monza fein säuberlich mit weißer Farbe überpinselt worden ist, haben die Handwerker nicht alle Spuren verwischen können.

dpa MONZA. Obwohl die Einschlagstelle ausgangs der Boxengasse nach Michael Schumachers Testunfall vor dem Großen Preis von Monza fein säuberlich mit weißer Farbe überpinselt worden ist, haben die Handwerker nicht alle Spuren verwischen können.

Das Loch in der Mauer von Monza sieht aus wie ein Mahnmal. Bremsstreifen weisen den Weg zu jener Stelle, an der der Rekordweltmeister im Training nach einem Reifenplatzer bei Tempo 345 km/h verunglückt und wie durch ein Wunder unverletzt geblieben ist. "Das war alles nicht so dramatisch", spielte der 35-Jährige genau eine Woche danach den Crash herunter.

Als es wieder einmal darum ging, warum Schumacher nach 82 Formel-1-Siegen und sieben WM-Titeln weiter im Kreis herumfährt und Vollgas gibt, nahm der Meister die Hand vor den Mund und gähnte herzhaft. "Es ist schwer für andere das zu verstehen, aber für mich ist es einfach. Ich tue, was ich tue", sagte der 35-Jährige. Obwohl das Einschlagloch in der Begrenzungsmauer dokumentiert, welche Kräfte in der Formel 1 wirken, denkt der Ferrari-Star nicht an ein Karriereende: "Konsequenzen hat der Unfall keine für mich."

Stattdessen freut sich Schumacher auf die WM-Party beim Heim-Grand-Prix: "Es ist einfach großartig, mit unseren größten Fans feiern zu können." Selbst von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der seinen beim letzten Rennen in Spa-Francorchamps gewonnenen siebten WM-Titel erst Ende der Saison anerkennen will, lässt sich der Kerpener nicht die Laune verderben: "Ich kann mich als Champion fühlen."

Seit dem Trainings-Crash des Ausnahmepiloten ist die Sicherheitsdiskussion in der Formel 1 wieder voll entbrannt. Einen Tag nach dem siebenmaligen Weltmeister Schumacher verunglückte Toyota-Pilot Olivier Panis, der in der nächsten Saison bei den Japanern als Ersatzmann für Neuzugang Ralf Schumacher ins zweite Glied rücken wird, nach einem Reifenproblem ebenfalls in Monza. In Spa erwischte es BAR-Honda-Fahrer Jenson Button (Großbritannien). In Hockenheim war Vize-Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) im Mclaren-Mercedes im Glück.

Zuvor in Indianapolis war neben Renault-Pilot Fernando Alonso auch Ralf Schumacher mit hoher Geschwindigkeit in die Mauer gekracht. Bei dem schlimmen Crash brach er sich zwei Brustwirbel. "Das hätte auch anders ausgehen können", gibt der Noch-Williams-BMW-Mann zu. Erst in Schanghai in zwei Wochen wird der 29-Jährige wieder einen Grand Prix bestreiten können. "Wir wissen, dass es gefährlich ist", sagt Ralf Schumacher, will aber nicht auf das Vollgas-Abenteuer verzichten. Im Vorjahr war er wie sein älterer Bruder bei Monza-Tests verunglückt.

Seit den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger beim Großen Preis von San Marino vor zehn Jahren in Imola musste kein Formel-1-Pilot mehr begraben werden. Vor allem die Autos und auch die Strecken sind viel sicherer geworden, nun sollen sie nach Mosleys Willen auch wieder langsamer werden. Die FIA will auch Materialien verbieten, die bei einem Unfall zu messerscharfen Teilen zersplittern. "Es war sehr unangenehm anzuschauen, wie viele Reifenplatzer es gab. Ich hoffe, dass man das Thema im Griff hat, denn das ist sehr gefährlich", sagt Ralf Schumacher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%