Sicherheitskommission: Hohe Kosten und statische Probleme
Atomkraftwerke offenbar nicht gegen Anschläge zu sichern

Die meisten deutschen Atomkraftwerke sind auch nachträglich gegen Terroranschläge faktisch nicht abzusichern. Der Leiter der Reaktor-Sicherheitskommission, Lothar Hahn, schloss entsprechende Baumaßnahmen für ältere Atommeiler schon aus statischen Gründen aus, wie das WDR-Wirtschaftsmagazin "markt" am Sonntag vorab berichtete.

afp KÖLN. Bei allen Kraftwerken scheitere eine Nachrüstung ohnehin an der Kostenfrage. "Ich halte es für illusorisch, Kernkraftwerke so sicher machen zu können, dass Terrorangriffe nicht möglich sind", sagte Hahn. Zuvor hatte die tschechische Nachrichtenagentur CTK gemeldet, in der Nähe von Atomkraftwerken des Landes seien Soldaten mit Luftabwehrraketen postiert worden.

Die Reaktor-Sicherheitskommission soll Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) bis Mitte Oktober zu der neuen Bedrohung einen Bericht vorlegen. Hahn sagte dazu im WDR, die 19 deutschen Atommeiler seien nicht nur durch Angriffe aus der Luft gefährdet. Ein Anschlag mit schwereren tragbaren Waffen auf zum Teil oberirdisch verlegte Kühlleitungen könnte genügen, um den Reaktorkern zum Überhitzen zu bringen. Die Folge wäre eine aus der Katastrophe von Tschernobyl bekannte Kernschmelze. Die Kosten einer umfassenden Absicherung eines einzigen Kraftwerks bezifferte Hahn auf rund zwei Milliarden Mark. Die üblichen Baukosten für ein Kernkraftwerk liegen demnach bei fünf Milliarden Mark.

Auf die Frage, ob diese Erkenntnisse einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie erfordern, wollte sich Trittin gegenüber dem TV-Magazin nicht äußern. Aus dem renommierten Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie hieß es dazu, Überkapazitäten bei der Stromproduktion sowie leicht umsetzbare Energiesparmaßnahmen würden es erlauben, die Hälfte aller Kraftwerke sofort vom Netz zu nehmen.

Die tschechische Regierung hatte die Medienberichte über die Stationierung von Luftabwehrraketen offiziell nicht bestätigt. Der Kommandeur der Luftwaffe, General Frantisek Padelek war aber von CTK mit den Worten zitiert worden, es seien "bestimmte Maßnahmen" eingeleitet worden, "um die Luftsicherheit in der Nähe der Atomkraftwerke zu erhöhen".

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