Sicherheitskosten bremsen positive Wirtschaftsimpulse
Streng bewacht

Kein anderer Gastgeber hat so viel Geld für die Sicherheit ausgegeben wie die Griechen. Doch gerade deshalb sehen Wirtschaftsexperten die Spiele mit gemischten Gefühlen.

ATHEN. "Ein solches Sicherheitsnetzwerk hat es international noch nie gegeben", verkündet der griechische Polizeisprecher Leftheris Ikonomou stolz, wenn er von den Olympischen Spielen in Athen spricht. Manche Maschen dieses Netzes sind sichtbar, andere nicht. 70 000 Sicherheitsbeamte, 1 300 Überwachungskameras sind über die Stadt verteilt. Ringsum wurden Luftabwehrraketen in Stellung gebracht, zu Wasser sichern Nato-Kriegsschiffe die Spiele, und in der Luft kreisen Awacs-Frühwarnflugzeuge sowie ein Zeppelin, der mit Kamera und ausgeklügelter Elektronik ausgestattet ist.

Was wenige Athener wissen: Sie werden nicht nur beobachtet, sondern auch belauscht. Einige der Überwachungskameras sind mit hoch empfindlichen Mikrofonen ausgerüstet. Auch Handy-Gespräche, Festnetztelefonate und der E-Mail-Verkehr werden überwacht. In der Sicherheitszentrale laufen alle Fäden zusammen. Dort stehen auch jene Computer, deren Spracherkennungssoftware die abgehörten Gespräche nach Schlüsselwörtern durchsucht, die Hinweis auf geplante Terroranschläge geben könnten. Mehr als ein Dutzend Sprachen beherrschen die Programme, auch Arabisch. Geschnüffelt wird aber nicht nur in den Telefon- und Handynetzen. Vollautomatische Sensoren sollen helfen, chemische Kampfstoffe rechtzeitig aufzuspüren.

Doch Athenern und Olympia-Gästen versprechen die Verantwortlichen, dass die gesammelten Daten nach sieben Tagen gelöscht werden. Und nach dem Ende der Spiele müssen die stationären Überwachungskameras wieder abmontiert werden.

Mit all dieser Technik stellen die Griechen ihren ersten Rekord bereits auf, bevor die Spiele begonnen haben. Kein anderer Gastgeber hat so viel Geld für die Sicherheit ausgegeben wie die Griechen: 1,2 Mrd. Euro - doppelt so viel wie noch Anfang des Jahres veranschlagt und viermal so viel wie in Sydney vor vier Jahren.

Wirtschaftsexperten sehen die Spiele mit gemischten Gefühlen. Einerseits werden die Spiele nicht zuletzt durch die hohen Sicherheitsvorkehrungen viel teurer als erwartet. Mit 4,6 Mrd. Euro rechneten die Veranstalter im Frühjahr, inzwischen gehen sie von fast sieben Mrd. aus. Die hohen Kosten schlagen sich bereits im griechischen Staatshaushalt nieder. Andererseits beflügeln die Investitionen um die Spiele die griechische Wirtschaft bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Das Institut der deutschen Wirtschaft ermittelte, dass allein im Jahr 2003 die Investitionen um zwölf Prozent gestiegen sind, mit 4,3 Prozent Wirtschaftswachstum lagen die Griechen im vergangenen Jahr ganz vorn im EU-Vergleich, und auch für 2004 rechnet die Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung mit einem Wirtschaftswachstum von vier Prozent.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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