Sicherheitskräfte haben das entführte Flugzeug umstellt
Flugzeugentführung: 42 von 162 Geiseln sind frei

Saudiarabische Sicherheitskräfte haben am frühen Freitagmorgen das nach Medina entführte russische Verkehrsflugzeug umstellt, nachdem sich die Gespräche mit den Entführern schwierig gestalteten. Damit werde ein Start des Flugzeuges sehr schwierig, hieß es in Kreisen russischer Diplomaten. Die am Donnerstag von Istanbul nach Medina entführte Tupolew 154 sei aufgetankt worden, um sicherzustellen, dass alle Frauen, Kinder und alten Männer freigelassen werden. Die Entführer stammen möglicherweise aus Tschetschenien.

Reuters RIAD. Die Maschine war auf dem Flug von Istanbul nach Moskau entführt worden und in Medina gelandet. Nach Angaben der Fluggesellschaft Wnukowo Airlines forderten die Entführer ein Ende des russischen Feldzugs in Tschetschenien. Ein russischer Diplomat sagte, die saudiarabischen Verhandlungsführer verlangten, dass alle Frauen und Kinder freikämen.

Zwei weitere Frauen wurden frei gelassen

Am Freitagmorgen ließen die Entführer zwei weitere Frauen frei. Die amtliche saudiarabische Nachrichtenagentur SPA meldete, mittlerweile seien 42 Geiseln frei, 25 Russen, 15 Türken und zwei Menschen von den Malediven. Aus saudiarabischen und russischen Kreisen hatte es zuvor geheißen, insgesamt seien 45 Menschen freigelassen worden oder hätten durch den hinteren Ausgang des Flugzeugs entkommen können. Die Verhandlungen würden fortgesetzt, hieß es in saudiarabischen Kreisen.

Die Tupolew-Maschine stand auf einem abgelegenen Platz des Flughafens. Die Entführer hatten ein Funkgerät erhalten, über das die Verhandlungen geführt wurden. Nach russischen Angaben hatten die Entführer keinen Zugang zum Cockpit, da die Piloten die Tür verriegeln konnten.

Nach Angaben der Fluglinie waren ursprünglich 162 Passagiere, darunter 98 Russen, und zwölf Besatzungsmitglieder an Bord der Maschine. Das russische Außenministerium teilte mit, an Bord seien ursprünglich 59 Türken gewesen.

Mehr als 20 Menschen konnten durch den Hintereingang entkommen



Der Direktor der saudiarabischen Luftfahrtbehörde, Ali el Chalaf sagte, mehr als 20 Frauen und Kinder seien freigelassen worden und würden versorgt. Wenig später teilten Chalaf und ein russischer Diplomat mit, außerdem hätten mehr als 20 Menschen durch den hinteren Ausgang des Flugzeugs entkommen können.

Der russische Präsident Wladimir Putin richtete nach Angaben seines Präsidialamtes einen Krisenstab ein. Putin habe sich für eine friedliche Lösung der Geiselkrise ausgesprochen.

Der Chef der Fluggesellschaft, Alexander Klimow, hatte nach der Entführung gesagt, die Nationalität der Luftpiraten sei unklar. Zunächst war in türkischen Berichten von zwei Entführern die Rede gewesen. Der Leiter des russischen Krisenstabs sagte jedoch, er sei sicher, dass es sich um vier Entführer handele. Der türkische Verkehrsminister Enis Oksuz sagte im Fernsehen, die Entführer hätten sich selbst als Tschetschenen bezeichnet.

Luftpiraten sollen aus Tschetschenien stammen

Eine tschetschenische Vertreterin in Jordanien sagte, der Anführer der Luftpiraten sei der ehemalige General und tschetschenische Innenminister Arzajew Aslambik. Mit der Entführung solle die Weltöffentlichkeit auf die Lage in Tschetschenien aufmerksam gemacht werden. Es solle ein internationales Eingreifen erreicht werden. Nach ihren Angaben wurde Aslambik, der 1998 Innenminister war, im russischen Feldzug gegen die Rebellen verletzt und in der Türkei behandelt.

In der russischen Kaukasus-Republik kämpfen seit sechs Jahren Rebellen für die Unabhängigkeit von Russland. 1999 rückten russische Truppen zum zweiten Mal ein, nachdem sie im ersten Tschetschenien-Krieg die Kontrolle nicht hatten erringen können. Tschetschenische Rebellen wiesen jede Verbindung zu der Entführung des Flugzeugs von sich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%