Sicherheitsrisiko Rentner?
Senioren am Steuer oft besser als ihr Ruf

Spötter bezeichnen sie abfällig als Sonntagsfahrer oder rollendes Verkehrshindernis, Kritiker sehen sie als Risiko: Senioren hinterm Steuer. Folglich gibt es seit Jahren immer wieder Forderungen, dass die Fahrtüchtigkeit betagter Autofahrer überprüft werden müsse.

HB/dpa HAMBURG.Ebenso häufig folgt die Kritik von Seniorenverbänden oder Verkehrsexperten an solchen Ideen auf dem Fuße. Demnach ist der "Opa mit dem Diesel" weitaus besser als sein Ruf.

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2001 nur 5,7 Prozent der Unfälle mit Personenschaden von Autofahrern im Rentenalter verursacht. Die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre kommt dagegen auf den viel höheren Wert von 20 Prozent. Schlechter schneiden die Senioren aber in puncto Fahrqualität ab: So sind drei Viertel der an Unfällen beteiligten Autofahrer, die 75 Jahre und älter sind, auch hauptschuldig. Doch die Werte der über 60-Jährigen weichen kaum von denen der 18- bis 30-Jährigen ab. Die vorbildlichsten Fahrer sind demnach zwischen 30 und 60 Jahre alt.

"Senioren fahren nicht schlechter als jüngere Menschen, sogar besser als die Führerscheinneulinge", sagt die Mobilitätsforscherin der Universität Essen, Maria Limbourg. Gemessen an ihrer jährlichen Fahrleistung verunglückten ältere Autofahrer kaum häufiger als jüngere Verkehrsteilnehmer. Der relativ hohe Anteil Hauptschuldiger resultiere etwa auch aus der Bereitschaft Älterer, schneller Fehler einzugestehen. "Senioren fahren viel defensiver, denn damit gleichen sie ihr nachlassendes Reaktionsvermögen aus." Unter anderem meiden sie Fahrten in der Dunkelheit oder auf unbekannten Strecken und gehen der "Rush-Hour" in Großstädten aus dem Weg, weiß die Psychologie- Professorin.

Individueller Gesundheitszustand entscheidend

Limbourgs Erkenntnisse werden vom Automobilclub ADAC bestätigt. Entscheidend für unfallfreies Fahren sei weniger das Alter als vielmehr der individuelle Gesundheitszustand. Außerdem sollten die Älteren nicht als Risiko, sondern als besonders gefährdet wahrgenommen werden, mahnt der ADAC. Viele ältere Menschen litten wegen ihrer schlechteren körperlichen Konstitution deutlich schwerer und länger an den Folgen eines Unfalls. Ihre Todesrate bei Unglücken sei viel höher.

Unbestritten sind die nachlassenden Reaktionen der Älteren bei unerwarteten Situationen. Das bewies etwa eine von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) veröffentlichte Studie mit 2000 Menschen im Alter von 55 bis 94 Jahren sowie das Statistische Bundesamt. Demnach verursachen Senioren alters- oder krankheitsbedingt ganz typische Unfälle: Oben auf der Liste stehen die missachtete Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen und "falsches Verhalten gegenüber Fußgängern". Sehr junge Autofahrer sind dagegen häufiger mit Alkohol im Blut unterwegs und treten gern und zu oft aufs Gaspedal - was die These bestätigt, dass unter ihnen der Anteil der Raser, Rüpel und Rabauken besonders hoch ist.

Völlig nüchtern rollen aber auch die Rentner nicht mit ihren Autos über Deutschlands Straßen. Laut BASt ist die "Verkehrstüchtigkeit ohne Alkohol" überdurchschnittlich oft bei Senioren eingeschränkt. Das liegt insbesondere an der vermehrten Einnahme von Medikamenten. "Allein bei Psychopharmaka verbrauchen die 60- bis 70-jährigen Senioren etwa zehn Mal mehr als die 20- bis 30-Jährigen", rechnet Limbourg vor. Generell bescheinigt aber auch die BASt dem in die Jahre gekommenen Autofahrer, dass er "nicht fehleranfälliger als der durchschnittliche Kraftfahrer" ist.

Für mehr Sicherheit älterer Menschen im Straßenverkehr raten der ADAC und die BASt den Senioren zu einer Selbstprüfung ihrer Fahrtüchtigkeit und bei Zweifeln zum Hausarztbesuch. Die Professorin Limbourg fordert außerdem Verbesserungen im Straßenverkehr. So wäre etwa Tempo 30 in Ortschaften eine angemessene Geschwindigkeit - nicht nur zum Schutz der Senioren. Auch mehr Kreisel statt gefährlicher Kreuzungen oder ein gelichteter Schilderwald würden die Sicherheit der Auto fahrenden Senioren erhöhen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%