Sicherungsfonds muss Rekordschadenssumme bewältigen
Betriebsrenten setzen Unternehmen unter Druck

Steigende Pensionsverpflichtungen werden für viele Konzerne zur kritischen Belastung. Besonders betroffen sind nach einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley die Mischkonzerne MG Technologies und Thyssen-Krupp, der Zementhersteller Dyckerhoff, der Handelsriese Metro und der Baukonzern Hochtief.

fer/tmo/sm BERLIN/FRANKFURT/M. Nach Ansicht von Fachleuten wird die deutsche Wirtschaft künftig höhere Beträge für die Altervorsorge einplanen müssen. "Daran führt für die Unternehmen gar kein Weg vorbei", sagt Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Der Grund für die Entwicklung: Die Unternehmen haben während starker Wachstumsphasen in den 60er- und 70er-Jahren viele Mitarbeiter eingestellt, die nun Anspruch auf Betriebsrenten haben. Hinzu kommt bei einigen Konzernen forcierter Mitarbeiterabbau per Frühverrentung. "Bei manchen Firmen könnte dies mittelfristig Auswirkungen auf die Liquiditätslage haben", sagt Sabine Mahnert, Altervorsorge-Expertin bei Morgan Stanley. Auf manche Konzerne aus der "Old Economy" komme eine Bugwelle zu, der sie kaum mehr ausweichen könnten.

Generell wird die Wirtschaft bei der betrieblichen Altersvorsorge derzeit von zwei Seiten in die Zange genommen: Einerseits wird es wegen der schlechten Ertragslage immer schwerer, Betriebsrenten aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Andererseits hat die Finanzmarktflaute einen Teil des Kapitals vernichtet, das einige Firmen für künftige Verpflichtungen angelegt haben.

Die wachsenden Probleme der Wirtschaft, Verpflichtungen aus der betrieblichen Altersvorsorge zu erfüllen, spiegeln sich in den Zahlen des Pensions-Sicherungs-Vereins (PSV) wider. Der PSV springt ein, wenn Unternehmen im Insolvenzfall ihren Pflichten gegenüber den Pensionären nicht mehr nachkommen können. So wird verhindert, dass der einzelne Pensionär Schaden erleidet. In diesem Jahr steuert der PSV auf einen Rekordschaden zu: Allein im ersten Halbjahr stiegen die Schadensmeldungen auf 1,3 Mrd. Euro - mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2001. "Diese Zahl ist Besorgnis erregend", sagt Professor Wolfgang Förster von der Dr. Dr. Heissmann GmbH, die Unternehmen in Versorgungsfragen berät. Der Verein plant, wegen der hohen Ausfälle den Beitragssatz drastisch zu erhöhen.

Karlheinz Hornung, Finanzvorstand von MG Technologies, sieht das Problem seines Unternehmens indes weniger drastisch. Zwar habe MG momentan "eine große Anzahl an Pensionären". Dies hänge jedoch damit zusammen, dass man sich in der großen Unternehmenskrise 1993/94 von vielen Mitarbeitern getrennt habe. Nach Ende der Krise habe MG nur noch sehr moderate Pensionszusagen an Mitarbeiter gemacht. "Die aktuelle Situation stellt eine Art Altlast dar, die sich auf natürlichem Wege bis etwa 2009 reduzieren wird", sagt er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%