"Sie haben mich nicht arbeiten lassen"
Chronik: Berlusconis erste Amtszeit im Jahr 1994

afp ROM. Nach seinem Sieg bei den Parlamentswahlen in Italien unternimmt Silvio Berlusconi einen zweiten Versuch, die Geschicke des südeuropäischen Landes zu steuern. Der Medienunternehmer und Multimilliardär, gegen den in Italien und Spanien ein halbes Dutzend Verfahren wegen Steuerbetrugs, Bestechung und Bilanzfälschung anhängig sind, war 1994 schon einmal Regierungschef. Während seiner Amtszeit vom Mai bis zum Dezember bewies er jedoch keine glückliche Hand: Sein Mandat war geprägt von Korruptionsvorwürfen und politischem Missmanagement.

- Bei den Parlamentswahlen am 27. März 1994 erringt Berlusconis Partei Forza Italia im Abgeordnetenhaus die absolute Mehrheit. Im Senat verfehlt sie die absolute Mehrheit um 15 Sitze.

- Nach einmonatigen Verhandlungen beauftragt Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro Berlusconi am 28. April mit der Regierungsbildung.

- Am 10. Mai erklärt Berlusconi bei seiner Vereidigung, sich an seinen Taten messen lassen zu wollen.

- Am 18. Mai sprechen beide Parlamentskammern der Regierung Berlusconi das Vertrauen aus.

- Auf dem G-7-Gipfel am 11. und 12. Juli in Neapel debütiert Berlusconi auf internationalem Parkett.

- Am 13. Juli bestätigt die Regierung einen Erlass über Hafterleichterungen. Von dem Dekret hätten auch einige Verdächtige im Zusammenhang mit der Justizkampagne «Mani Pulite» (Saubere Hände) zur Bekämpfung der Korruption profitiert. Nach einem öffentlichen Aufschrei und dem Einknicken von Berlusconis Koalitionsparteien, der rassistischen Lega Nord und der neofaschistischen Alleanza Nazionale, zieht die Regierung das Dekret am 19. Juli wieder zurück.

- Oktober: Der Haushaltsentwurf für das Jahr 1995 sieht massive Steuererleichterungen für Unternehmen vor. Zugleich ist die Erhöhung des Rentenalters von 60 auf 65 Jahre für Männer und von 55 auf 60 Jahre für Frauen bis zum Jahr 2000 geplant. Die Pläne führen am 14. Oktober zu einem Generalstreik, rund drei Mill. Italiener gehen auf die Straßen.

- Am 12. November ziehen mehr als 1,5 Mill. Menschen für den Erhalt der sozialen Errungenschaften durch Rom. Drei Wochen später zieht Berlusconi fast das gesamte Steuerreformprojekt zurück.

- Die Lega Nord entzieht Berlusconi am 14. November im Parlament die Unterstützung und damit die Stimmenmehrheit der Koalition.

- Bei Kommunalwahlen am 20. November und 4. Dezember verpassen die Wähler der Berlusconi-Partei Forza Italia mit nur acht Prozent der Stimmen einen deutlichen Denkzettel.

- Ausgerechnet während des UN-Gipfels zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Neapel, an dem auch Berlusconi teilnimmt, werden am 22. November Korruptions-Ermittlungen gegen den Regierungschef eingeleitet.

- Am 13. Dezember wird Berlusconi als erster italienischer Regierungschef von der Justiz verhört. Hintergrund ist ein Bestechungsskandal.

- Am 22. Dezember reicht Berlusconi beim Staatschef nach 255-tägiger Amtszeit seinen Rücktritt ein. «Sie haben micht nicht arbeiten lassen», erklärt er bei dieser Gelegenheit.

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