Sie sind gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr
Im Überblick: Die Abweichler der Grünen

Die "Abweichler" der Grünen sind keineswegs eine homogene Gruppe. Die acht Parlamentarier, die ein Positionspapier gegen eine Bundeswehr-Beteiligung unterzichnet haben und bei der Vertrauensabstimmung für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Freitag möglicherweise mit Nein stimmen werden, haben ganz unterschiedliche politische Biografien.

afp BERLIN. Prominentester Vertreter der Militärgegner ist der Berliner Abgeordnete Hans-Christian Ströbele . Der 62-jährige Rechtsanwalt war bereits Ende der 60er Jahre in der Studentenbewegung aktiv. Von 1985 bis 1987 saß er erstmals für die Grünen im Bundestag, dem er seit 1998 erneut angehört. Auf dem Grünen-Parteitag zum Kosovo-Krieg 1999 brachte Ströbele, der von 1990 bis 1991 Vorstandssprecher der Partei war, den schließlich abgelehnten Antrag für einen Bombenstopp ein. Sein Abstimmungsverhalten für Freitag hat er noch nicht endgültig festgelegt.

Als deutlicher Kritiker Schröders hat sich auch der 49-jährige Winfried Hermann aus Stuttgart hervorgetan. Hermann, der von 1987 bis 1989 Grünen-Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg war, galt lange Zeit als Mann des Ausgleichs, schlug sich in in den Diskussionen um Militäreinsätze dann aber immer deutlicher auf die Seite der Kriegsgegner. Jetzt verkündet er selbstbewusst, er wolle sich vom Kanzler keine Meinung aufzwingen lassen. Er sei sich "relativ sicher", dass er bei seinem Nein bleiben werde, betonte er am Mittwoch.

Der 28-jährige Christian Simmert aus Nordrhein-Westfalen hat sich 1991 gegen den Golfkrieg engagiert und gehörte zwei Jahre später zu den Gründungsmitgliedern des Grün-Alternativen Jugendbündnisses (GAJB). Er gehört auch dem Kuratorium der Friedensgruppe "Aktion Sühnezeichen" an. Im Richtungsstreit der Grünen trat Simmert 1999 als Unterzeichner eines Thesenpapiers in Erscheinung, in dem die Verfasser einer "pragmatischen Linkspartei" das Wort redeten. Auch er hat signalisiert, am Freitag vermutlich mit Nein zu stimmen: "Für mich ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Weg klar, wie ich an der Gewissensentscheidung vorbeikomme", erklärte er am Mittwoch.

Die 46-jährige Annelie Buntenbach aus Bielefeld hat ihre politischen Wurzeln unter anderem in der Antifa-Bewegung. Die entschiedene Kriegsgegnerin hatte bereits auf dem Kosovo-Parteitag der Grünen 1999 ebenfalls einen bedingungslosen Stopp der Bombenangriffe gefordert und dabei einen Bruch der Koalition in Kauf genommen. Dies tut sie offenbar auch jetzt: "Ich sehe keinen Weg, etwas anderes zu tun, als mit Nein abzustimmen", sagte sie am Mittwoch.

Auch die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Irmingard Schewe-Gerigk , hat das Positionspapier gegen den Bundeswehr-Einsatz unterschrieben. Die 53-Jährige aus Nordrhein-Westfalen gehörte in den 70er Jahren der FDP an, bevor sie 1986 den Weg zu den Grünen fand. Sie arbeitete in den 90er Jahren als Regierungsangestellte im nordrhein-westfälischen Gleichstellungsministerium, 1994 zog sie erstmals in den Bundestag ein.

Die 47-jährige Sylvia Voß aus Potsdam engagierte sich bereits zu DDR-Zeiten für den Naturschutz, was auch heute ihr Hauptbetätigungsfeld im Bundestag ist. Die gelernte Fachärztin für Dermatologie war von 1994 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag 1998 Grünen-Landesvorsitzende in Brandenburg. Sie ist auch in der Bürgerinitiative "Freie Heide" aktiv, die sich für eine zivile Nutzung des Bombenabwurfplatzes in der Kyritz-Wittstocker Heide im nordwestlichen Brandenburg einsetzt.

Aus Ostdeutschland stammt auch die Abgeordnete Steffi Lemke . Die 33-jährige Diplomagraringenieurin aus Dessau kam im Zuge der DDR-Wende 1990 zum Bündnis90 und wurde 1993 in den Landesvorstand der Grünen in Sachsen-Anhalt gewählt. 1994 zog sie in den Bundestag ein.

Die 47-jährige Abgeordnete Monika Knoche aus Karlsruhe gehört seit 1994 dem Bundestag an, wo sie schwerpunktmäßig in den Bereichen Gesundheits-, Europa- und Entwicklungspolitik tätig ist. Die gelernte Verwaltungsangestellte hat sich in der vergangenen Woche darüber beklagt, dass in der Frage des Bundeswehr-Einsatzes auf die Fraktion "enormer Druck" ausgeübt werde.

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