"Sie sind wirklich tödlich"
USA sind über Stinger-Raketen in Afghanistan besorgt

Von seinem mit Stinger-Raketen beladenen Jeep aus zeigt Feldwebel Daniel Oliver auf einen F-16-Kampfjet im Tiefflug. "Ich könnte den Typen jetzt töten", sagt Oliver, der mit seiner Flugabwehreinheit an einem Manöver in Kirklareli in der Westtürkei teilnimmt. "Wenn sie mit Hubschraubern auf uns zu kämen, würden wir sie vernichten." Die afghanische Taliban-Miliz soll Berichten zufolge über Dutzende, möglicherweise sogar mehrere hundert Stinger-Raketen verfügen.

ap KIRKLARELI. Mit den von den USA gelieferten Waffen wurden im Krieg gegen die Sowjetunion über 270 Kampfflugzeuge abgeschossen. Aber auch wenn die Raketen ein wichtiger Faktor bei der Vertreibung der Sowjet-Truppen aus Afghanistan waren, sind die Meinungen über ihren jetzigen militärischen Wert geteilt.

Die von den USA gelieferten Raketen sind mittlerweile über ein Jahrzehnt alt. In der Nacht, wenn die US-Luftwaffe meistens angreift, sind sie schwer zu verwenden. Ferner müssen die Stinger-Raketen gut gewartet und vor Feuchtigkeit geschützt werden. "Sie sind sehr empfindlich", sagt Feldwebel Larry Townsend, der ebenfalls an dem NATO-Manöver teilnimmt. "Man muss sie pflegen." Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979 lieferten die USA an die Widerstandskämpfer Waffen im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Zu den modernsten gehörte die Stinger, eine 1,5 Meter lange, über fünf Kilogramm schwere Rakete mit Hitzesensor. Die Waffe kann leicht transportiert und von der Schulter aus abgefeuert werden und hat eine Reichweite von fünf Kilometern.

USA lieferten etwa 1 000 Stinger-Raketen

Berichten zufolge lieferten die USA den Rebellen etwa 1 000 Stinger-Raketen. "Die Afghanen bewiesen uns, dass die Stinger töten können", sagt Oberst John Liang. "Sie sind wirklich tödlich." Schätzungen zufolge feuerten die Rebellen etwa 300 Raketen gegen die sowjetischen Truppen ab.

Nach dem Abzug der Sowjets waren die USA besorgt, die restlichen Waffen könnten in falsche Hände geraten. Der Geheimdienst CIA wollte sie zurückkaufen, erhielt Berichten zufolge aber nur wenige Dutzend. Die meisten übrigen Raketen gelangten später in den Besitz der Taliban. Während der jüngsten US-Luftangriffe beschossen Taliban-Kämpfer die Kampfflugzeuge mit den Stinger-Raketen, die jedoch nicht an die in großer Höhe fliegenden Maschinen heranreichten. Effizienter sind die Raketen aber gegen tief fliegende Flugzeuge und Kampfhubschrauber.

"Sie haben eine Trefferquote von 90 %, aber das hängt davon ab, wie gut ausgebildet das Team ist und wie sehr die Raketen gepflegt wurden", sagt Townsend. Die Raketen spüren Hitzequellen auf, beispielsweise Flugzeugtriebwerke. Die US-Jets sind jedoch mit abwerfbaren Leuchtbomben ausgestattet, die die heranfliegenden Raketen in die Irre führen sollen. Bei dem Manöver in Kirklareli trainierte die amerikanische Stinger-Einheit mit Soldaten aus anderen NATO-Staaten. Die Übung wurde bereits vor Monaten festgelegt, lange vor den Anschlägen. Pläne, die US-Einheiten näher an Afghanistan zu verlegen, gibt es laut Militärangaben gegenwärtig nicht.

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