Archiv
Siebel muss Gewinneinbruch hinnehmen

Sinkende Nachfrage nach Softwareprogrammen hat dem SAP-Konkurrenten Siebel Systems im dritten Quartal 2001 einen in dieser Höhe überwiegend nicht erwarteten Gewinneinbruch von 48 % beschert.

rtr PALO ALTO. Siebel teilte am Mittwoch abend mit, das Nettoergebnis sei auf 35,2 Mill. Dollar von 67,5 Mill. Dollar oder sieben Cents je Aktie (Vorjahr 13) gefallen. Analysten hatten ein Ergebnis von fünf bis 14 Cents je Aktie erwartet. "Seit dem 11. September ist das Umfeld für Informationstechnologie so schwierig wie nie zuvor in der Geschichte der IT-Branche", sagte Unternehmensgründer Tom Siebel in San Mateo im US-Bundesstaat Kalifornien. Siebel geht davon aus, dass das Geschäft Mitte 2002 wieder anzieht und Lizenzeinnahmen von 865 Mill. bis 1,4 Mrd. Dollar sowie einer operative Rendite von 20 % erreicht werden. Die Softwareschmiede verzeichnete in den vergangenen drei Monaten erstmals in ihrer achtjährigen Geschichte einen Umsatzrückgang von 13,7 % auf 428,5 Mill. Dollar. Analysten waren einer Umfrage der Research Firma Thomson Financial/First Call von 490,8 Mill. Dollar ausgegangen. Die Lizenzumsätze, eine zentrale Kennziffer der Branche, lagen mit 193,5 Mill. Dollar (308,8 Mill. Dollar) deutlich unter den Analystenprognosen von 225 bis 300 Mill. Dollar.

Seit Mitte des Jahres hat Siebel nach eigenen Angaben seine Kosten um 55 Mill. Dollar gesenkt und 200 der rund 8 000 Arbeitsplätze abgebaut. Im vierten Quartal sollen weitere 300 Stellen wegfallen.

Siebel ist bisher Marktführer bei Software zur Verwaltung von Kundendaten, den sogenannten "Customer Relationship Management"-Programmen, und gilt in der Branche als eines der bestgeführten Unternehmen. Trotzdem sehen Branchenexperten Siebel von der Konkurrenz in die Zange genommen. "Die schlechte Nachricht ist, Siebel hat mehr Konkurrenz von SAP, Oracle und PeopleSoft bekommen", sagte Analyst Eric Upin von Robertson Stephens. Jeder dieser Konkurrenten sei ernstzunehmen und alle wollten in Siebels CRM-Marktnische. Der Siebel-Chef selbst sprach von einem Kampf um den zweiten Platz: "Wer immer an zweiter Stelle kommt, wird mit einem Marktanteil von 15 % enden." Morgan Stanley Analyst Chuck Phillips sprach angesichts der Quartalszahlen von "schlechten Nachrichten für die Branche". Die Ergebnisse seien schwächer als erwartet gewesen, stellte auch Analyst Bob Austrian von Banc of America Securities fest. "Das heißt, die Nachfrage ist sehr, sehr schwach." Die Siebel-Aktie, die schon im regulären Handel an der Nasdaq im Tagesverlauf am Mittwoch über 19 % eingebüßt hatte, gab im nachbörslichen Handel über Instinet weiter um insgesamt 28 % auf 16,44 Dollar nach. Im deutschen Aktienhandel wurden Siebel mit rund 18,35 ? bewertet. Siebel-Aktien verloren seit Jahresanfang rund drei Viertel an Wert und damit weit mehr als die Titel des Konkurrenten Oracle, die rund 53 % abgaben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%