Sieben Fragen an Jim O'Neill
„Europa hinkt noch hinterher“

Jim O'Neill, Chefökonom von Goldman International, gibt seine Konjunkturprognose für 2006 ab.

Werden Europa und Japan 2006 die USA als Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft ablösen?

Es gibt Hinweise darauf, dass der Motor wechselt und die Weltwirtschaft besser ausbalanciert wird. Insbesondere in Japan wachsen die Beschäftigung und das Verbrauchervertrauen recht stark. In Europa sind zwar die Umfragewerte ermutigend, die harten Daten selbst hinken der Hoffnung jedoch noch hinterher.

Was sind die größten Risiken für die Weltkonjunktur?

Das Leistungsbilanzdefizit der USA wird sich durch das Wachstum in anderen Regionen zwar verringern, bleibt aber immer noch sehr groß. Das kann dann zu Problemen führen, wenn der Appetit ausländischer Investoren für Anlagen in Amerika nachlassen sollte. Ein weiteres Risiko ist die Immobilienblase in den USA.

Und was ist mit dem Dollar?

Wenn der Dollar schwächer wird, wäre das gut für die Weltwirtschaft, da Ungleichgewichte leichter abgebaut werden könnten. Probleme gibt es nur, wenn der Dollar stark bleibt.

Sind die hohen Energiepreise noch ein Risiko?

Das ist eine der ganz großen Unbekannten für 2006. Die Märkte haben sich offenbar an das hohe Preisniveau gewöhnt. Wenn der Ölpreis allerdings auf 90 Dollar pro Fass steigt, ändert das die Lage.

Welche Rolle sollte die Geldpolitik beim Abbau der Ungleichgewichte spielen?

Es ist sicher nicht die Hauptaufgabe der Zentralbanken, die globalen Ungleichgewichte zu bekämpfen. Dennoch sollten sie diese im Hinterkopf behalten. Speziell die EZB sollte bedenken, welche Rolle die inländische Nachfrage in Euroland im globalen Kontext spielt.

Was erwarten Sie in diesem Jahr von China und Indien?

Beide Länder werden noch wichtiger werden. China wird wahrscheinlich bis 2009 Deutschland wirtschaftlich eingeholt haben. Peking wird im nächsten Fünf-Jahres-Plan ankündigen, den privaten Verbrauch steuerlich fördern wollen. Das Land wird damit zu einem wachsenden Markt für Markenprodukte.

Was erwarten Sie von Indien?

Indien wird versuchen, mehr Direktinvestitionen ins Land zu holen.

Die Fragen stellte Torsten Riecke.

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