Sieben Millionen Dollar im Prämientopf
WM-Feuerwerk im Stade de France

Bei den 9. Weltmeisterschaften vom 23. bis 31. August in Paris wollen auch die deutschen Stars glänzen. Ihre Chancen sehen die DLV-Starter vor allem in den technischen Disziplinen.

HB/dpa HAMBURG. Zu den großen Gold-Favoriten zählen die Asse des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zwar nicht, im Kampf um wertvolles Edelmetall und sieben Millionen Dollar aus dem Prämientopf in den 46 Entscheidungen (24 Männer/22 Frauen) sind sie aber vor allem in den technischen Disziplinen keineswegs chancenlos.

"Traue jedem über 30" - so könnte ein WM-Slogan des 64-köpfigen DLV-Teams lauten. Denn die Oldies sollen wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holen, die Youngsters dürfen gern für Überraschungen sorgen. Diskus-Riese Lars Riedel, immerhin schon 36, würde mit seinem sechsten WM-Titel in einer Disziplin sogar WM-Geschichte schreiben.

Der "Mann mit dem goldenen Arm" will in Paris zum großen Wurf ausholen und an Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka aus der Ukraine vorbei ziehen. "Mister Pole vault" hat zwar bereits sechs Titel geholt, dies sogar zwischen 1983 und 1997 in Serie, Riedel hätte im Erfolgsfall aber sieben Plaketten (sechs Gold/eine Bronze). Nur 400- m-Hero Michael Johnson (9 Titel) und "King Carl" Lewis (beide USA) mit 8 Goldenen wären dann noch besser als der Chemnitzer.

Ein Platz unter den erfolgreichsten drei Nationen

Auch Stabhochspringer Tim Lobinger (Köln/30), Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg/33), die Diskuswerfer Michael Möllenbeck (Wattenscheid/33) und Franka Dietzsch (Neubrandenburg/35), Hammerwerfer Karsten Kobs (Leverkusen/31) und Speerwerferin Steffi Nerius (Leverkusen/31) können den Sprung aufs Treppchen schaffen.

"Wir streben wieder einen Platz unter den drei erfolgreichsten Nationen an, was die Ränge eins bis acht angeht", erklärte DLV - Präsident Clemens Prokop in einem dpa-Interview. "Und wir hoffen auf fünf bis acht Medaillen." Einen deutschen Gold-Kandidaten sieht der Chef in Paris allerdings nicht. In der aktuellen Weltbestenliste lagen nach dem ISTAF (10. August) nur Kumbernuss, Nerius, Riedel und 20-km-Geher Andreas Erm (Berlin) auf Medaillenplätzen.

Vor zwei Jahren war die DLV-Mannschaft mit sieben WM-Medaillen (2/4/1) im Gepäck aus Edmonton zurückgekehrt. Riedel holte seinen fünften Titel, Martin Buß (Leverkusen) überraschend Gold im Hochsprung. Weil Buß in Paris wegen einer Verletzung fehlt, ist Riedel der einzige Titelverteidiger. Auch 400-m-Europameister Ingo Schultz (Hamburg), in Edmonton großartiger Zweiter, ist nach verhaltenem Saisonaufbau und dem Höhentraining in St. Moritz noch auf der Suche nach seiner WM-Form. 5000-m-Olympiasieger Dieter Baumann (Tübingen) wird wie bei der EM in München nur über 10 000 m starten.

Große Namen versprechen großen Sport

"Durch verletzungsbedingte Ausfälle gehen wir aber nicht mit der stärksten Mannschaft an den Start. Deshalb müssen wir von vornherein die Erwartungen etwas dämpfen", meinte Prokop. Weitsprung- Olympiasiegerin Heike Drechsler wurde am 7. August in Basel an der Achillessehne operiert. Für Sprinterin Sina Schielke und 800-m- Olympiasieger Nils Schumann war die WM-Saison schon früher gelaufen; Dreisprung-Exweltmeister Charles Friedek fiel in ein Formtief.

Fünf Jahre nach dem denkwürdigen WM-Finale, in dem Frankreichs Fußballer den Rekord-Weltmeister Brasilien mit 3:0 blamierten, soll die moderne Arena wieder tausende Fans bei einem Weltchampionat in ihren Bann ziehen. Von 450 000 Zuschauern an den neun Wettkampftagen träumen die Veranstalter, 100 Tage vor dem WM-Start waren schon 316 000 Tickets verkauft. Einen Monat vor der Eröffnungsfeier verkündete der Weltverband IAAF den ersten WM-Rekord: 207 der 210 Mitgliedsländer hatten zumindest einen Athleten gemeldet. Bisheriger Rekord: 201 Nationen (1999 in Sevilla).

Im vorolympischen Jahr hielten sich die Stars mit Superleistungen bisher noch zurück - große Namen versprechen aber auch im Stade de France großen Sport. Ganz heiße Gold-Kandidaten gibt es dennoch nur wenige: "Wunderläufer" Hicham El Guerrouj (Marokko) beispielsweise oder der "König der Athleten" Roman Sebrle (Tschechien), auch die unverwüstliche 800-m-Olympiasiegerin Maria Mutola (Mosambik).

Kaum ein Experte wagt eine Prognose für das ewige WM-Highlight, den 100-m-Sprint der Männer. Hier gibt es viele Medaillenanwärter und keinen klaren Favoriten. Weltrekordler Tim Montgomery (USA) blieb bisher in den Startblöcken sitzen. Titelverteidiger Maurice Greene (USA) hält sich noch bedeckt, während Europameister Dwain Chambers (Großbritannien) immer besser in Form kommt. Eines steht allerdings schon fest: Jeder Weltmeister von Paris ist um eine Goldplakette und 60 000 Dollar reicher, der Achte kassiert immerhin noch 4000 Dollar. Für einen Weltrekord zahlen Sponsoren sogar 100 000 Dollar. In dieser Saison fielen in den WM-Disziplinen bisher drei - alle in Frauendisziplinen (Marathon, Stabhochsprung, 400 m Hürden).

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