Sieben Neue in 13 Monaten
Völler erhebt EM-Saison zum Gesellenjahr

Das WM-Endspiel von Yokohama liegt noch nicht einmal ein Jahr zurück, das Gesicht der deutschen Fußball- Nationalmannschaft aber hat sich seitdem grundlegend geändert. Nur noch elf der 23 Vize-Weltmeister gehörten am Mittwoch beim letzten Saisonspiel gegen die Färöer zum Aufgebot des Deutschen Fußball- Bundes (DFB). Mit von der Partie waren gleich sieben Spieler, die innerhalb der vergangenen 13 Monate debütiert hatten: Andreas Hinkel, Michael Hartmann, Arne Friedrich, Kevin Kuranyi, Paul Freier, Benjamin Lauth und Tobias Rau sind die neuen Hoffnungsträger.

HB/dpa TORSHAVN. "Für die Jungen war es eine abenteuerliche Saison. Für viele ging das alles sehr schnell", bilanzierte DFB-Teamchef Rudi Völler, der auch nicht verschweigt, dass ihm die Verjüngung bisweilen zu radikal vonstatten ging. Doch blieb dem 43-Jährigen kaum eine Möglichkeit, den Verdrängungsprozess aufzuhalten. Während WM-Teilnehmer wie Gerald Asamoah, Jörg Böhme, Carsten Jancker oder Christian Ziege in ihrer Entwicklung zurück geworfen wurden, nutzten etliche Youngster ihre Chance auf Anhieb: "Paul Freier und Arne Friedrich gehören inzwischen ja praktisch schon zum Stammpersonal", meinte Völler, "und auch Tobias Rau hat glänzende Perspektiven."

Gerade vor dem Gesichtspunkt des gravierenden Umbruchs fand es Völler unpassend, dass seine Leitfigur Michael Ballack nach dem schwachen 1:1 gegen Schottland den Mangel an Führungspersönlichkeiten in der Mannschaft öffentlich anprangerte. In der augenblicklichen Zusammenstellung sei dies gar nicht möglich, konterte Völler. "Die jungen Spieler können diese Rolle sicher im Moment noch nicht ausfüllen", ergänzte der Teamchef.

Völler setzt auf den Faktor Zeit: Freier (23), Friedrich (24) und Rau (21) haben gerade ihre erste komplette Bundesliga-Saison hinter sich gebracht. Kuranyi (21), Lauth (21) und Hinkel (21) stehen ganz am Anfang ihrer Karriere, sind aber schon weiter, als es der erst mit 22 in der Nationalelf debütierende Ballack zu diesem Zeitpunkt war.

Kommende Saison ist das Gesellenjahr

Der neuen Generation stellt Völler nach dem ersten Lehrjahr im Profifußball gute Zeugnisse aus. Die kommende Saison erhebt er allerdings zum "Gesellenjahr", in dem sich die Spreu vom Weizen trenne: "Die Jungen werden sich Monat für Monat und Jahr für Jahr weiterentwickeln. Und dann wird man auch sehen, wer uns in der Zukunft weiterhelfen kann."

Bis zur Meisterprüfung bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal ist es noch ein weiter Weg. Völlers Bestandsaufnahme aber fiel schon vor dem Saisonabschluss auf den Färöer zufrieden stellend aus. "Wir wussten alle, dass dieses Jahr nach der Weltmeisterschaft ein schwieriges werden würde", bilanzierte der Teamchef. Man habe bis zum Spiel gegen die Inselkicker "die Hausaufgaben mehr oder weniger erfüllt". Demgegenüber steht das Urteil von Franz Beckenbauer, der das abgelaufene Länderspiel-Jahr als Rückschritt einstuft. Man stehe wieder dort, "wo wir vor der WM waren".

Nationalmannschaft bleibt Beweis schuldig

Zumindest die erzielten Ergebnisse sprechen eher für Beckenbauers These als für die vom Weltverband FIFA in der Weltrangliste vorgenommene Klassifizierung. Denn die offiziell als Nummer vier geführte DFB-Auswahl muss nach Patzern gegen Litauen und in Schottland nicht nur um die EM-Qualifikation fürchten. Sie blieb auch in den prestigeträchtigen Testspielen gegen die Niederlande (1:3) und Spanien (1:3) den Beweis schuldig, eine Spitzenmannschaft zu sein.

Vielleicht klappt's ja zur neuen Saison: Am 20. August in Stuttgart gegen Italien haben Völler & Co. die Chance, endlich mal wieder gegen eine renommierte Mannschaft zu gewinnen. Der letzte Sieg gegen ein Top-Ten-Team - 1:0 in England - liegt schon fast drei Jahre zurück. Kuranyi & Co. kickten da noch in der A-Jugend.

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