Sieben neue "Top Level Domains"
ICANN diskutiert erneut über neue Internet-Domains

Die geplante Einführung neuer Adressen im World Wide Web wird am Wochenende erneut die Mitglieder des internationalen Internet-Kontrollorgans ICANN beschäftigen.

Reuters MELBOURNE. Experten gehen davon aus, dass die im vergangenen November von ICANN beschlossene Schaffung von sieben neuen "Top Level Domains" (TLDs) auf dem am Samstag beginnenden, viertägigen Quartalstreffen der Organisation im australischen Melbourne neue Kontroversen auslösen wird. "Obwohl ICANN bereits bekanntgegeben hat, welche Top Level Domains es geben soll, sind noch nicht die nötigen Vereinbarungen getroffen worden, um dies auch umzusetzen", sagte der Geschäftsführer der australischen Internet Society, Tony Hill. "Deshalb wird das wieder ein heißes Thema sein."

Der ICANN Vorstand hatte Ende vergangenen Jahres neue TLDs mit den Endungen .biz, .info, .name, .pro, .museum, .aero und .coop genehmigt. Sie sollen ab Juli seit Jahren bekannte Domains wie .de oder .com ergänzen. Die neuen Domains sollen zur allgemeinen Nutzung offen stehen und Engpässe bei der Vergabe neuer, einprägsamer Internetadressen beseitigen.

Die Verhandlungen zwischen ICANN und mehreren Unternehmen, die sich die Verwaltung der Domains teilen sollen, ziehen sich jeoch in die Länge. Beteiligte schließen deshalb nicht aus, dass die neuen Adress-Endungen erst mit einer Verspätung von mehreren Monaten nutzbar werden. Auch ICANN-Vizepräsident Louis Touton hatte in der vergangenen Woche in einer Telefonkonferenz mit Journalisten erklärt, es gebe noch einige Verzögerungen. Die Betreiber der mit einem zentralen Telefonbuch vergleichbaren Nameserver stellen sicher, dass jede Internetadressse eindeutig zugeordnet werden kann und nicht mehrfach genutzt wird.

Zusätzlich angeheizt wird die Diskussion durch die junge Start-up-Firma New.net, die diese Woche ein neues Internet-Adresssystem vorstellte, dass Nutzern den Zugriff auf Web-Sites an ICANN vorbei und damit auch die schnelle Schaffung weiterer Top Level Domains erlauben soll. Genannt werden unter anderem die Endungen .kids und .xxx, deren Einführung der ICANN-Vorstand im vergangenen November abgelehnt hatte.

Zwar können die meisten Internetnutzer normalerweise aus technischen Gründen nicht auf Domains zugreifen, die nicht von ICANN autorisiert wurden. New.net hat jedoch nach eigenen Angaben ein so genanntes Plugin entwickelt, dass aus dem Internet auf den eigenen Computer geladen werden kann und dann auch gängigen Browsern den Aufruf von nicht von ICANN genehmigter Domains ermöglicht.

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