Sieben Prozesstage angesetzt
Angeklagter sieht sich als "Opfer des Neuen Marktes"

Als Opfer der massiven Kurseinbrüche am Neuen Markt sieht sich ein 57-Jähriger Wirtschaftsprüfer, dem die Wuppertaler Staatsanwaltschaft Untreue in 175 Fällen vorwirft. Er soll zwischen 1998 und 2000 Aktienkäufer um rund 25 Millionen Mark geprellt haben.

ddp.vwd. WUPPERTAL. Zum Prozessauftakt am Freitag ließ der Angeklagte durch seinen Anwalt erklären, er habe nie die Absicht gehabt, seinen Vertragspartnern wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Sie teilten bedauerlicherweise das Schicksal vieler Anleger, die nach der Euphorie am Neuen Markt ebenfalls schwere Verluste hinnehmen mussten.

Laut Anklage hatte der bis 1998 erfolgreiche Anlageberater zusammen mit zwei Partnern nach zwei Fehlstarts eine Firma zur Vermarktung pharmazeutischer Patente gegründet. Unter anderem sollte das Unternehmen Mittel gegen Haut- und Brustkrebs sowie ein Konkurrenzpräparat zur Potenzpille Viagra vertreiben. Für einen geplanten Börsengang gewann der 57-Jährige zahlreiche Aktienkäufer, die zum Teil Papiere in Millionenhöhe zeichneten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft flossen die Verkaufserlöse auf Treuhandkonten, die vom Angeklagten anschließend für private und geschäftliche Zwecke "geplündert" wurden.

Dem widersprach der Anwalt des Wirtschaftsprüfers. Nach seiner Darstellung hatte der Angeklagte die Aktien lediglich zu Preisen über dem Nennwert verkauft und die Erlöse aus diesen Geschäften auf frei verfügbare Privatkonten eingezahlt. Die Anleger hätten damit lediglich Besitzrechte an den Aktien gehabt, die er vor dem Börsengang als Treuhänder verwaltet habe. Unternehmerisches Ziel des Angeklagten sei es gewesen, sowohl mit dem vorbörslichen Aktienverkauf als auch später an der Börse "gutes Geld" zu verdienen. Dies habe er bei den Börsengängen dreier Unternehmen in den Jahren vor 1998 bereits erfolgreich praktiziert.

Als die Papiere am Neuen Markt zum Teil dramatische Kurseinbrüche erlebten und der Aktienindex Nemax 50 um 7.000 Punkte abstürzte, sei der Druck der Anleger auf ihn gewachsen, sagte der Angeklagte. Er sei sogar bedroht worden. Mitte 2000 setzte er sich in die Tschechische Republik ab. Ende des Jahres stellte er sich den deutschen Behörden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind weitere sieben Prozesstage angesetzt.

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