Sieben Soldaten starben
Ursache für Absturz in Kabul ungeklärt

Beim bisher schwersten Unglück bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr sind am Samstag in Kabul sieben deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) versicherte, bei dem Hubschrauberabsturz habe es sich um einen Unfall gehandelt.

HB/dpa KABUL/BERLIN. Es gebe "keinerlei Hinweise auf einen Beschuss dieses Hubschraubers". Ein Spezialistenteam aus Deutschland nahm am Sonntag in der afghanischen Hauptstadt die Untersuchung der Unglücksursache auf.

Der Tod der Soldaten löste eine Diskussion über die Gefahren und die Ausrüstung bei dem Bundeswehreinsatz aus. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete - unabhängig von dem Absturz - über wachsenden Unmut in der Bundeswehrführung in dieser Frage. Dem widersprach das Verteidigungsministerium am Sonntag in Berlin. Die FDP-Bundestagsfraktion forderte eine Überprüfung der Ausrüstung der Deutschen in der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF. Struck sagte in Berlin, der Helikopter vom Typ CH-53 sei auf einem Erkundungsflug etwa fünf Kilometer westlich des deutschen Lagers in der afghanischen Hauptstadt abgestürzt und ausgebrannt. Der ISAF- Sprecher Gordon Mackenzie sagte in der ARD, er habe das Unglück beobachtet: "Erst sind Rauch und Flammen aus dem Motorraum gekommen, genau unter den Rotorblättern." Kurz danach stürzte der Transporthubschrauber auf ein leer stehendes Haus.

Zwei zunächst vermisste afghanische Mädchen tauchten am Sonntag wieder auf und sind wohlauf, wie das Verteidigungsministerium in Berlin berichtete. Es werde niemand mehr vermisst. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Politiker von Grünen, CDU/CSU und FDP reagierten betroffen auf den Unfall.

Die sieben getöteten Soldaten waren an drei Standorten stationiert: Ein 53 Jahre alter Hubschrauberpilot und zwei Soldaten im Alter von 24 und 28 Jahren kamen aus Laupheim bei Ulm in Baden- Württemberg, hieß es aus dem Umfeld des Standortes. Drei andere waren beim Heeresfliegerregiment 15 im westfälischen Rheine angesiedelt: Dabei handelt es sich um einen 31 Jahre alten Oberleutnant aus Thüringen und zwei 41 und 46 Jahre alte Hauptfeldwebel aus dem Kreis Steinfurt. "Alle waren erfahrene Flugzeugführer und Techniker", sagte der Kommandeur des Regiments 15 in Rheine, Oberst Axel Brandt. Das siebte Todesopfer ist ein 29 Jahre alter Zeitsoldat, der bei der Luftwaffe in Faßberg nahe Celle in Niedersachsen diente.

Die Opfer sollen laut Verteidigungsministerium so schnell wie möglich nach Deutschland übergeführt werden. In Kabul und auch in Deutschland werde es eine Trauerfeier geben. Die Termine standen zunächst nicht fest.

Die "Frankfurter Allgemeine" berichtete, Lageberichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) zeigten, dass das Bundeswehrkontingent einer wachsenden Bedrohung ausgesetzt sei, die sich nach der Übernahme der Führung der ISAF-Truppe Mitte Februar und im Falle eines Irak-Krieges verschärfen werde. Im jüngsten Bericht, den BND und Bundeswehr gemeinsam erstellten, heiße es, "neben den unverändert bestehenden Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Milizen, ist ein Anstieg von Aktionen durch militante Oppositionskräfte gegen Einrichtungen der Anti-Terror-Kräfte zu verzeichnen".

Für die Flugplätze Kabul und Bagram "und die durch Helikopter genutzten Anlagen des ISAF" bestehe "eine mögliche Gefährdung durch schultergestützte Flugabwehrsysteme und kleinkalibrige Flugabwehrwaffen insbesondere innerhalb der An- und Abflugzonen". Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte dazu, diese Umstände seien "von Anfang an bekannt" gewesen. Grundsätzlich würden nur Maschinen eingesetzt, die einen Selbstschutz gegen solche Flugabwehrraketen hätten.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jürgen Koppelin, sagte, es müsse überprüft werden, ob notwendige Ausrüstung im Fall von Auseinandersetzungen in Afghanistan vorhanden sei. So müsse den Soldaten sofort das unbemannte Aufklärungssystem "Luna" zur Verfügung stehen. Dieses soll nach bisheriger Planung den Vereinten Nationen im Irak zur Verfügung gestellt werden.

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