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Sieben Wochen Regen, eine Woche Sonnenschein

Die Technologiebörse Nasdaq hat seit langer Zeit mal wieder die Woche mit einem Plus abgeschlossen. Das Kursbarometer stieg um zwei Prozent. In diesen Tagen wurden die Standardwerte kräftig durchgeschüttelt, die in den letzten Monaten vom großen Ausverkauf an den Börsen verschont blieben.

Der Dow Jones-Index wurde am Donnerstag ein Bär und hüpfte dann wie ein Känguru davon. Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn das Kursbarometer 20 Prozent seit dem Höchststand verloren hat. Für den S&P 500 und den Nasdaq-Index trifft das allerdings schon lange zu, so dass im Prinzip schon längst von einem Bärenmarkt gesprochen werden konnte. Nachdem der Ausverkauf an der Nasdaq schon seit einem Jahr andauert, sind jetzt also auch in stärkerem Maße die Old-Economy-Papiere vom Kursverfall betroffen. Keine Branche kann sich verstecken.

Zurück zum Donnerstag: der Dow verlor in der Spitze fast 400 Punkte und hatte sich damit um 20 Prozent gegenüber dem Höchststand verschlechtert. Aber eine Stunde vor Handelsschluss setzte eine Kaufrally ein, als ob es kein nächstes Mal gäbe. Viele Fondsmanager nutzten die Gunst der Stunde und sammelten sich billige Papiere zusammen.

Das übliche Spielchen vor Notenbanksitzungen: Der Markt bewegt sich in wilden, nicht nachvollziehbaren Bahnen. Die Glaskugeln wurden am Montag kräftig bemüht, doch letztlich rückte Alan Greenspan erst am Dienstag mit der Sprache heraus:

Der Leitzins wurde um 50 Prozentpunkte gesenkt. Das reicht möglicherweise nicht aus, um die Wirtschaft anzutreiben. Und das war zudem keine positive Überraschung. Danach bekamen die Märkte Schluckauf, von dem sie sich letztlich nicht erholten. Die Indizes sprangen wild hin und her.

Genau betrachtet konnte es nur nach unten gehen. Bei einer Senkung um 50 Basispunkte gab es wie gesagt keine positive Überraschung. Hätte Greenspan die Zinsen um satte 75 Basispunkte gesenkt, was er übrigens noch nie gemacht hat, dann hätten sicherlich Panikreaktionen eingesetzt. Solch ein Schritt wäre dahingehend interpretiert worden, dass es anscheinend doch schlechter um die Wirtschaft steht als bisher angenommen, wenn die Zinsen so deutlich gesenkt werden müssen.

Die Wirtschaftslage bleibt nach wie vor angespannt, die Stellenstreichungen gehen munter weiter. Procter&Gamble feuert 10 000 Leute, Motorola setzt 22 000 vor die Tür.

Die Boulevardpresse übt sich in Kreativität und schafft es tatsächlich, identische Schlagzeilen auf die Titelblätter zu bringen. New York Post und Daily News heizten in den U-Bahnen und auf der Straße Diskussionen über den Aktienmarkt an. In Anlehnung an das BSE-Virus, das in den USA "Mad Cow Disease" heißt, war dort zu lesen: "Mad Dow Disease".

Der Dow Jones-Index verlor im Wochenvergleich drei Prozent auf 9 505 Punkte. Die Nasdaq notiert nun bei 1 929 Zählern. In der kommenden Woche werden die Daten zum Bruttoinlandsprodukt und zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht, die mit besonderer Spannung erwartet werden.

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