Siebtes WM-Finale
Ballack bucht Yokohama

Das dritte 1:0 in Folge brachte Deutschland verdient ins WM-Finale. Michael Ballack wurde zum tragischen Helden: Der Mittelfeldspieler schoss das einzige Tor der Halbfinal-Partie gegen Gastgeber Südkorea. Im Endspiel wird er aber wegen der zweiten gelben Karte fehlen.

SEOUL. Was in Japan begann, wird in Japan enden. Die deutsche Fußball-Nationalelf besiegte am Dienstag in Seoul im Halbfinale der WM die Mannschaft Südkoreas mit 1:0 (0:0) und sicherte sich das Ticket zum Endspiel in Yokohama. Am kommenden Sonntag wird dort Brasilien oder die Türkei der Gegner sein.

Die Geschichte des Spiels ist letztlich die Geschichte des Michael Ballack. Der künftige Münchner sah zunächst in der 72. Minute die zweite Gelbe Karte und fehlt daher im Finale. Kaum zwei Minuten später schoss er dann seine Mannschaft höchstpersönlich zum dritten 1:0-Sieg in Folge und damit in das wichtigste Fußballspiel mit deutscher Beteiligung seit dem WM-Endspiel 1990. Nach Vorarbeit von Oliver Neuville überwand Ballack Torhüter Woon-Jae Lee im zweiten Versuch.

Für die Gastgeber endete damit eine mehr als dreiwöchige Jubelarie, in der sich alles nur um Fußball drehte. Jetzt, da die wundersame Wandlung vom krassen Außenseiter zum Favoritenschreck gestoppt ist, können die Nachrichtensprecher im Fernsehen die Trikots der Nationalmannschaft wieder gegen das Jackett eintauschen. Und auch die Stewardessen bei Korean Air werden wohl nicht mehr länger mit roten Kopftüchern die Getränke servieren. Die Party ist aus, und sie war nach einhelliger Meinung verdammt gut.

Auch am Dienstag ging die Post ab im Publikum, die Aufforderung "Nonstop Action" auf einem der Plakate hatten sich die 65 256 Zuschauer im World Cup Stadium zu Herzen genommen. Als Chun-Soo Lee in der neunten Minute schoss, hatten sie den Torschrei bereits auf den Lippen. Oliver Kahn aber wehrte ab, was vorläufig seine letzte große Tat bleiben sollte. Die Defensive der DFB-Elf stand gut, jegliche Konfusion in Folge eines etwaigen südkoreanischen Wirbels blieb aus.

Auffällig war vor allem, wie oft Verteidiger Christoph Metzelder den Vorwärtsgang einlegte. Doch endeten seine offensiven Bemühungen oft im Nichts. Das war jedoch keine neue Erkenntnis, schon früher im Trikot des Regionalligisten Preußen Münster galt er nicht gerade als Spielgestalter. Ein anderer, dem diese Rolle eher zuzutrauen ist, agierte zwar eifrig, fiel aber durch zahlreiche Fehlpässe auf. Andererseits war kein anderer deutscher Spieler in der ersten Hälfte so oft am Ball wie Bernd Schneider.

Große Aufregung herrschte auf der deutschen Bank, als Miroslav Klose im Duell mit Maskenmann Tae-Young Kim zu Fall kam. Zu Recht gab der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier keinen Elfmeter, der aufs Feld gelaufene Torwarttrainer Sepp Maier aber handelte sich Ärger mit dem Fifa-Offiziellen ein. Der Weltmeister von 1974 kam schließlich mit einer Ermahnung davon, danach konnte er sich erneut seiner Videokamera widmen.

Mit der konnte Maier zum Beispiel aufzeichnen, dass die Mannschaft von Rudi Völler gegen die körperlich unterlegenen Gastgeber zu selten mit Flanken agierte. Er konnte ebenso festhalten, dass Marco Bode vergeblich zum Fallrückzieher ansetzte. Und er sah, wie der deutsche Sturm (in dem Neuville abermals von Beginn an mitmischte) kaum einmal zum Zuge kam.

An Lautstärke im Stadion mangelte es dennoch nicht, auf der Anzeigetafel war der Pegel dank der unermüdlichen Fans der "Roten Teufel" regelmäßig im roten Bereich. Gleichwohl hatte Deutschland durchweg mehr vom Spiel. Ein Fakt, der sich aber kaum in ernsthaften Torchancen niederschlug. Klose war ab und an in guter Position, aus dem Torgaranten der ersten drei WM-Spiele ist jedoch wieder ein ganz normaler Angreifer geworden. Die Auswechslung gegen Oliver Bierhoff war die logische Konsequenz.

Auf gegnerischer Seite hatte sich die Sache mit den ewig Pressing praktizierenden Südkoreanern allerdings ebenso erledigt. Sie zogen sich zeitweise sogar arg weit zurück, was dem deutschen Team einerseits ganz recht war, andererseits aber auch zu einem eingeschränkten Platzangebot rund um den gegnerischen Strafraum führte.

Franz Beckenbauer hatte es schon vor dem Spiel gewusst: "Die Südkoreaner werden nicht mehr so frisch sein. Die Viertelfinal-Partie gegen Spanien steckt denen noch in den Knochen. Ein Tag weniger Ruhe, Verlängerung, noch dazu in der Nachmittagshitze." Die Prophezeiung des Präsidenten des FC Bayern München sollte sich zumindest teilweise bewahrheiten.

Statistik zum Spiel:

Deutschland: Kahn (Bayern München/33 Jahre/51 Länderspiele) - Frings (Werder Bremen/25/14), Linke (Bayern München/32/40), Ramelow (Bayer Leverkusen/28/29), Metzelder (Borussia Dortmund/21/11) - Schneider (Bayer Leverkusen/28/15 - 85. Jeremies/Bayern München/28/39), Hamann (FC Liverpool/28/45), Ballack (Bayer Leverkusen/25/28), Bode (Werder Bremen/32/39) - Neuville (Bayer Leverkusen/29/35 - 88. Asamoah/FC Schalke 04/23/13), Klose (1. FC Kaiserslautern/24/18 - 70. Bierhoff/AS Monaco/34/69)

Südkorea: Jae-Woon Lee (Suwon Samsung/29/38) - Jin-Cheul Choi (Chonbuk Hyundai/31/24 - 56. Min-Sung Lee/Busan Icons/29/56), Hong (Pohang Steelers/33/131 - 80. Seol/RSC Anderlecht/23/39), Tae-Young Kim (Chunnam Dragons/31/81) - Song (Busan I.cons/23/36), Park (Kyoto Purple Sanga/21/39), Yoo (Kashiwa Reysol/31/101), Young-Pyo Lee (Anyang LG/25/55) - Cha (Korea University/21/18), Hwang (Kashiwa Reysol/33/102 - 54. Ahn/AC Perugia/26/27), Chun-Soo Lee (Ulsan Hyundai/20/30)

Schiedsrichter: Meier (Schweiz)

Zuschauer: 65 256 (ausverkauft)

Tor: 1:0 Ballack (75.)

Gelbe Karten: Ballack, Neuville / Min-Sung Lee

Beste Spieler: Hamann, Frings, Ballack / Choi, Park

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